KULTUR

 

"Nichts ist alltäglich": Auf Du und Du mit Andrea Paluch

13. November 2010 | Von mas

Kiel. Zwischen den Anreden "Du" und "Sie" wird in Deutschland die persönliche Distanz vermessen. Eine sprachliche Eigenheit, die Lebenswelten trennt.

Persönlich wird es erst beim "Du", insofern liegt es nahe, dass Andrea Paluch sich auch darüber ihre Gedanken gemacht hat. "Siezen schafft eine Distanz, hält jemanden auf Abstand. Aus dem 'Du' spricht hingegen eine Gleichheit aller", schreibt die Autorin in einer ihrer Kolumnen, die jetzt in dem Band "nichts ist alltäglich" (Ellert & Richter Verlag) erschienen sind. Wer duzt, der gebe einen Vertrauensvorschuss. Demnach war es überwiegend Andrea, die - wie eine Nachbarin oder Bekannte - über drei Jahre lang jeden Sonnabend die Leser des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages mit ihren Kolumnen angesprochen hat.

Ob von der Zukunft der Menschheit oder Zechprellern, Hügeln im Garten oder Hedgefonds, ihre Weltbetrachtungen wachsen immer aus dem persönlichen Erleben, sie sind nie zu theoretisch, sondern immer bodenständig und in täglichen Erlebnissen verankert. "Es ist so, als ob sie jeden Sonnabend auf einen Kaffee vorbeischaut und das Neueste berichtet", hat es eine Leserin formuliert. Das Neueste aus Andrea Paluchs Welt kam dabei immer im vertrauten Gewand daher: Leicht in der Sprache und persönlich - ihre fünf Männer, die das Zentrum von Andrea Paluchs Leben bilden, sind mittlerweile landesweit bekannt. Einer ihrer Männer, der Hauptmann, wenn man so will, ist mittlerweile aus der Schriftstellerei in die Landespolitik gewechselt - natürlich liest man auch über den Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck eine Menge. Aber nie wird es dabei zu privat, nie hat der Leser das Gefühl, er würde zu viel erfahren - selbst wenn mancher vielleicht darauf gehofft hatte.

Auch über den Ruhm des Schriftstellers hat sie geschrieben. Dafür hat Andrea Paluch ein sehr spezifisches Kriterium gefunden: Berühmt ist, wer jemanden im Zug trifft, der das eigene Buch liest. Vielleicht ist ihr das mittlerweile passiert, vielleicht ist sie aber auch während einer ihrer Zugreisen von einem ihrer vielen Kolumnenleser im Land angesprochen worden - mit dem persönlichen "Du" natürlich. Und bei so viel Vertrautheit spielt Ruhm dann keine Rolle mehr.



Andrea Paluch: nichts ist alltäglich, Ellert und Richter Verlag, 192 Seiten, 8,95 Euro; das Buch ist erhältlich in allen sh:z-Kundencentern

Lesungen mit Andrea Paluch:

19. Nov., 19 Uhr, sh:z-Kundencenter Rendsburg; 24. Nov., 19 Uhr: sh:z-Kundencenter Kappeln; 25. Nov., 19 Uhr: sh:z-Kundencenter Schleswig; 29. Nov., 19 Uhr: sh:z-Kundencenter Elmshorn; 3. Dez., 19.30 Uhr , Dörpshus Großenwiehe.


 

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