KULTUR

 

Kampnagel: Viele Besucher trotz schlechten Wetters

30. August 2010 | Von S. Oehmsen

Schwerelos: Eine Sprungburg auf dem Sommerfestival. Foto: A. Aurelle

Hamburg. Natürlich hatte man Kampnagel auch in diesem Sommer viele Besucher gewünscht. Da war zum einen die engagierte, kluge Zusammenstellung des Festivals, zum anderen die liebevolle Gestaltung auf dem Hinterhof des Geländes und im Foyer.

Vor allem abends, wenn die versteckten blauen, grünen und gelben Scheinwerfer aufflammten, verwandelte sich der Weg aus blauen Scherben, der den Besucher durch den Hinterhof führte, in einen glitzernden Fluss. Ein von Sonnenblumen gesäumter Garten mit pinkfarbenen Stühlen und zwei riesigen, an Kränen befestigten Schaukeln lud zum Verweilen und Zu-sich-kommen ein. Von der angrenzenden Tanzfläche mit den altmodischen bunten Glühbirnen wehten am Wochenende Tango- und Sambaklänge herüber und Menschen in ihrer normalen Alltagskleidung, aber mit piekfeinen Tanzschuhen tanzten selbstvergessen in die Nacht. Leider konnte man die lauen Abende an einer Hand abzählen. Und dennoch hatte das Wetter dem Interesse am diesjährigen Sommerfestival nichts anhaben können. Allen Regengüssen zum Trotz kamen 28 000 Besucher vom 12. bis zum 28. August auf das Gelände der Kampnagelfabrik und in die kooperierenden Deichtorhallen und die Universität Hamburg. Das bedeutet, dass auch in diesem Jahr die Zuschauerzahlen weiter gestiegen sind. "Die Leute schätzen offensichtlich, dass sie an einem Festivalabend zuerst einen Expertenvortrag zu einem gesellschaftsrelevanten Thema hören, dann ein internationales Tanz- oder Theatergastspiel sehen und außerdem noch in eine Kunstinstallation oder zu einem Konzert gehen können", meint Matthias von Hartz, künstlerischer Leiter des Sommerfestivals.

"Wasser" war in diesem Jahr das Thema, um das sich Diskurse und Vorträge, aber auch Performances rankten. Das Schärfen der Wahrnehmung, die Rückführung auf das Einfache und das eigene Selbst ließ sich als weiterer roter Faden in diesem Festival entdecken: Da war zum Beispiel die Performancegruppe "Ligna", die immer nur einen Zuschauer auf eine Inseln in der Alster ruderte, wo er eine halbe Stunde lang auf sich gestellt war, nur mit einer Stimme, die über Kopfhörer zu ihm sprach. Da war in einer nachtschwarzen Halle die beidseitige Videoinstallation von Bill Viola, in der der Künstle in Zeitlupe auf den Betrachter zuschreitet und schließlich von Wasser oder von Feuer verschlungen wird. Und es gab so viel mehr, das abseits von den normalen Seh- und Hörgewohnheiten lag und zu entdecken lohnte.

"Ein Festival mit so vielfältiger Ausrichtung ist einzigartig in Europa", resümierte Kampnagel Intendantin Amelie Deufelhard. Man sollte sich deshalb schon jetzt die Zeit vom 11. bis 27. August 2011 vormerken. Dann findet das nächste Sommerfestival statt.


 

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