Landestheater

Die Meistersänger vom Schauspiel

30. August 2010 | Von Martin Schulte

Schleswig / Rendsburg. Der gute Wille war spürbar, beim Ensemble wie auch beim Publikum. Gemeinsam wollten sie vor Beginn der neuen Spielzeit für das Landestheater einstehen, für seinen Erhalt und für den Aufbruch in eine bessere und sorgenfreie Zeit.

Da lag es nahe, während der Eröffnungsveranstaltung des Schauspiels in Schleswig Nähe zu schaffen, den Abstand zwischen Publikum und Schauspielern so klein wie möglich zu halten. "We are family" sang Nicolas Menze zu Beginn mit glänzenden Augen und das ganze Ensemble stimmte ein. Viele neue Gesichter standen auf der Bühne, darunter auch der Intendant Peter Grisebach und Schauspieldirektor Wolfram Apprich, die gemeinsam moderierten.

"Jetzt geht’s los" - der Titel des Programms klang nach Aufbruch, Enthusiasmus, Ungeduld. Leider konnte der Abend dieses Versprechen nicht halten.

Dabei hatte die Idee, das Ensemble vor der Spielzeit während eines Theaterabends vorzustellen, Charme. Weil aber jeder Schauspieler ein Lied beitragen musste, weil über Stücke geredet, aber nicht eine Szene gespielt wurde, blieb von dieser Idee am Ende nicht viel übrig - die zweistündige Gesangsschau der Mimen erinnerte an eine der zahlreichen TV-Talentshows. Intendant und Schauspieldirektor hatten ihren Akteuren damit ein zu enges Korsett geschnürt.

Das Publikum aber sah über diese Schwächen großzügig hinweg und hielt sich an den Höhepunkten des Abends fest. Ob René Rollins Interpretation von Alexandras "Illusionen", Herbert Wegners bewegungsoffensive Version von "I can’t get no satisfaction" oder die extrovertierte James-Brown-Persiflage von Manuel Jadue - diese Nummern zeigten das Potential der Gesangsauftritte.

Und als Nina Mohr offenherzig von ihren 31 Vorsprechen in ganz Deutschland berichtete, bis sie schließlich ihr erstes festes Engagement in der Tasche hatte, entstand die Nähe zwischen dem Publikum und der Schauspielerin ganz von allein. Solche persönlichen Geschichten schaffen Verbindungen; man hätte auch gern mehr von den anderen Ensemble-Mitgliedern erfahren und von ihrem Spiel gesehen. Denn bei allem guten Willen - in einer Familie sollte man sich schon ein wenig besser kennen.


 

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