KULTUR

 

Lust am Untergang: 100 Jahre "Tod in Venedig"

11. Februar 2012 | Von Eva-Maria Mester

Lübeck. Eigentlich wollte Thomas Mann eine Erzählung über die Liebe des greisen Goethe zu einem blutjungen Mädchen schreiben. Doch eine Reise nach Italien und Venedig 1911 veränderte seine Pläne. Aus der Reihe kurioser Umstände und Eindrücke, wie Mann es nannte, entstand innerhalb eines Jahres die Novelle "Der Tod in Venedig" - bis heute international eines seiner populärsten Werke.

Zum 100. Jahrestag zeigt das Lübecker Buddenbrookhaus eine Ausstellung mit dem Titel "Wollust des Untergangs. 100 Jahre Thomas Manns ,Der Tod in Venedig’", die die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte des Werkes beleuchtet.

Die Novelle handelt vom Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der sich in Venedig unsterblich, aber rein platonisch in den Jüngling Tadzio verliebt. Die Ausstellung in abgedunkelten Räumen nimmt die morbide Stimmung der Erzählung auf. Alte Ansichten von Venedig, ergänzt mit Zitaten aus der Novelle werden ebenso gezeigt, wie Quellen, die Thomas Mann verwendet hat: Ein Lehrbuch zur griechischen Mythologie "für höhere Töchterschulen" aus dem Besitz seiner Mutter, das er zur Auffrischung seiner mythologischen Kenntnisse verwendet hat. Und das Konversationslexikon, aus dem Mann eine genaue Beschreibung der Cholera und ihrer Symptome abgeschrieben hat - "höheres Abschreiben" nannte er dies. In der Novelle stirbt von Aschenbach an der Cholera, die tatsächlich 1911 in Venedig grassierte. Neben den akribischen Notizen zum Werk, die sich Mann bereits während seiner eigenen Reise machte, sind natürlich auch die Erstdrucke der Novelle aus dem Jahr 1912 zu sehen.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm, unter anderem mit Luchino Viscontis Film "Tod in Venedig" und Ausschnitte aus Benjamin Brittens gleichnamiger Oper. Das Ballett der Hamburgischen Staatsoper zeigt am 6. und 9. März John Neumeiers "Tod in Venedig. Ein Totentanz".

Die Ausstellung ist bis 28. Mai im Buddenbrookhaus zu sehen. Öffnungszeiten: bis 31. März täglich 11 bis 17 Uhr, vom 1. April an täglich 10 bis 18 Uhr. Eintritt: Erwachsene 6 Euro, Schüler 2,50 Euro. Der Begleitband zur Ausstellung (200 Seiten, ISBN 978-3-8353-1069-8) ist im Wallstein Verlag Göttingen erschienen, kostet 22,90 Euro und ist im Buddenbrookhaus und im Buchhandel erhältlich.


 

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