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Kultur

23. April 2014 | 11:14 Uhr

- Als die Maler das Atelier verließen

vom

Das Behnhaus in Lübeck präsentiert Kunstwerke berühmter Impressionisten wie Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt

Lübeck | Ein Schatz ist neu arrangiert: "Impressionisten im Behnhaus" ist der Titel der neuen Ausstellung an der Lübecker Königstraße. Das Museum zeigt Bilder der bedeutendsten deutschen Vertreter impressionistischer Kunst, Lovis Corinth, Max Liebermann, Max Slevogt, und ergänzt sie mit Arbeiten norddeutscher Künstler wie Gotthardt Kuehl, Hermann Linde, Linde-Walther und Ulrich Hübner.

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Licht und Schatten, verwegene Farbenspiele hier, während dort noch strenge, traditionelle Kompositionen vorherrschen - wer will, kann einfach nur wunderbare impressionistische Bilder betrachten. Wer mehr will, für den hat Museums-Chef Alexander Bastek einen didaktischen Parcours aufgebaut. Die Impressionisten-Schau startet beispielsweise mit der Gegenüberstellung von Liebermanns "Blumenterrassen im Wannseegarten" aus dem Jahr 1915 und Johann Martin von Rohdens spätromantischer "Landschaft in den Albaner Bergen" von 1818. Was sich in den knapp 100 Jahren, die zwischen diesen beiden Gemälden liegen, an künstlerischer Fülle entwickelt hat, ist an den weiteren 78 Bildern dieser Ausstellung abzulesen. Da präsentiert die Weimarer Malerschule noch einmal ihre einst gänzlich neue Arbeitsweise, die sich draußen in der Natur von der Natur inspirieren ließ; da ist der Kreis um Wilhelm Leibl, dessen Schaffen die Bewunderung für die großen Niederländer spiegelt.

Während sich Monet, Degas, Cézanne, Silsley und Renoir 1874 in einer ersten gemeinsamen Ausstellung die ganz und gar nicht anerkennend gemeinte Kritik der "bloßen Impression" zuzogen, war eine Kunstart namens Impressionismus in Deutschland noch unbekannt. "Und auch als der Kunstkritiker Emil Heilbut 1889 eine Vorlesung in Weimar mit zwei Monets aus seinem Besitz würzte, war er noch Pionier", erklärt Bastek. Dann jedoch eroberte die neue Art zu sehen und das Gesehene festzuhalten schnell Deutschland und fand zugleich ganz eigene Richtungen.

Raus aus dem Atelier, rein in die reale Welt - kein Bild zeigt die impressionistische Arbeitsweise eindrucksvoller als Slevogts "Blühende Obstbäume bei Neukastel", wo Gewitterfliegen im einst noch feuchten Blau des Himmels konserviert sind, und kein Gemälde zeigt diese lustvoller als Corinths "Wilhelmine mit gelbem Hut", die ihren Maler 1924 lebenslustig-frivol herausfordert. Der Besucher erwandert sich auf seinem Parcours aber auch norddeutsche Künstler und macht Entdeckungen wie den "aktiven, flotten Pinselstrich" (Bastek) beim "Lübecker Hafen" und der "Ansicht von Travemünde" von Ulrich Hübner. Es ist eine ganz besondere Würdigung, die vor allem die hauseigenen Gemälde in dieser Schau erleben. Linde-Walthers Komposition der "Hartengrube in Lübeck" zum Beispiel erwacht hier zu frischem Leben, und die Werke Gotthardt Kuehls scheinen wachgeküsst. Der habe sich in den 1880er Jahren für seine "Gesangsstunde" ein Stück Paris erfunden, erklärt Bastek und deutet auf singende Knaben in roten Roben - im protestantischen Lübeck eigentlich undenkbar, für die Leuchtkraft des Bildes aber von Nöten.

80 impressionistische Werke sind insgesamt in der Lübecker Schau zu sehen, und die lässt es im letzten Raum mit Corinth und Liebermann noch einmal krachen.

"Impressionisten im Behnhaus": Bis zum 21. Oktober im Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus, Königstraße 9-11. Geöffnet ist Di. bis So. von 10 bis 17 Uhr.

von Karin Lubowski
erstellt am 16.Mai.2012 | 03:59 Uhr

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