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02. August 2014 | 08:31 Uhr

Kappeln : 207 Meter quer über die Schlei

vom

Die Kappelner Klappbrücke wird in diesem Jahr zehn Jahre alt

Kappeln | Sie ist so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt. Sie trennt und verbindet gleichermaßen. Und sie ist die dritte Version seit dem 19. Jahrhundert. Die Schleibrücke, so wie sie die Kappelner heute kennen, feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag, seit Anfang Dezember 2002 rollt der Verkehr über diese Klappbrücke. Sie ist Nachfolgerin einer Drehbrücke, die immerhin 75 Jahre durchgehalten hat. 1927 hatte sie eine Pontonbrücke aus dem 19. Jahrhundert ersetzt.
Vermutlich gibt es in der ganzen Stadt niemanden, der den Bau des modernen Baudenkmals mit solchen Argusaugen verfolgt hat wie Einar Maschmann. Der Fotograf aus Leidenschaft hat geschätzte 15 000 Bilder während der Bauphase geschossen, anfangs mogelte er sich einmal in der Woche unter die Bauarbeiter, später täglich. Das Resultat: Erinnerungen in 13 mal 18, gut verpackt in knallroten Ordnern, die aneinandergereiht geschätzte eineinhalb Meter im Wohnzimmerschrank beanspruchen.
207 Meter ist die Klappbrücke lang, sie verbindet das Angelner mit dem Schwansener Ufer. Und auch wenn das tatsächlich trennende Element der Kappelner Stadtteile die Schlei ist, knüpfen viele die immer noch unterschiedliche Wahrnehmung von altem Ortskern auf der einen und Ellenberg auf der anderen Seite an eben jene Brücke. "Die Jugendlichen kommen nicht über die Brücke", heißt es zuweilen in städtischen Gremien, wenn es darum geht, etwa auf der einen Seite eine Anlaufstelle für junge Leute zu etablieren. Andererseits wird immer wieder proklamiert, dass es ja eigentlich nur ein Kappeln gebe, nicht zwei getrennte. Tatsächlich gebärden sich die beiden Teile manchmal wie die sagenumwobenen Königskinder, die einander so lieb haben, aber eben nicht zusammenkommen können, weil das Wasser zu tief ist.

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Dabei muss derjenige, der vom einen zum anderen Ufer will, eben nur kurz über die Brücke schlendern. Zu beachten ist allerdings: In der Saison geht 15 Minuten vor der vollen Stunde gar nichts. Dann hat der Schiffsverkehr Vorrang. Auf Knopfdruck öffnen sich die Klappen und lassen die Schiffe passieren - ein Vorgang, der im Sommer schon mal leicht 20 Minuten dauern kann.

Und auch wenn die Klappbrücke vor technischen Aussetzern nicht völlig gefeiht ist, funktioniert sie deutlich einwandfreier als ihre Vorgängerin. Vor allem ist sie dem stetig gewachsenen Verkehrsaufkommen besser gewachsen. Und so war bereits in den 70-er-Jahren klar, dass die Drehbrücke ausgedient hatte. In den 80-er-Jahren folgten erste Bodengutachten, die - so erinnert sich Einar Maschmann - teils für unangenehme Überraschungen sorgten. So offenbarte sich auf Ellenberger Seite ein bis zu zwölf Meter dickes Faulschlammpaket am Grund der Schlei - keine günstigen Voraussetzungen für einen Klappbrückenbau. Man entschied sich für unterschiedliche Gründungsverfahren der einzelnen Pfeiler und Widerlager - bis zum ersten Rammschlag dauerte es allerdings noch bis zum 27. April 2000. Einar Maschmann erinnert sich: "Ab diesem Zeitpunkt konnten die Kappelner hören und sehen, wie ihre neue Brücke entstand." Und das wollten sie auch. Viele nutzten die Drehbrücke als Aussichtsplattform, von dort war der Blick auf die neue Schnittstelle am besten.

In seinen eigenen Aufzeichnungen hat Einar Maschmann das Datum 22. April 2002 notiert: "An diesem Tag erreichten die beiden südlichen Klappen Kappeln." Zwei Tage später hievte der Schwimmkran "Roland" die erste Klappe vom Ponton in die sogenannte Einhubposition. Wieder einen Tag später war die vierte und letzte Klappe an Ort und Stelle fixiert, danach ging es an die Feinjustierung. Als besonderes Datum ist Maschmann der 30. April 2002 im Gedächtnis geblieben. "Morgens um 5.28 Uhr wurde eine Brückenklappe zum ersten Mal vollständig angehoben", steht in seinen Notizen. Schließlich das Brückenfest am 1. Dezember 2002 und die offizielle Verkehrsfreigabe einen Tag später. Ein gutes Jahr lang war Kappeln dann die "Stadt der zwei Brücken", so lange dauerte es nämlich, ehe sich die Drehbrücke gänzlich aus dem Stadtbild verabschiedet hatte. Ob die Klappbrücke genauso lange durchhält wie sie ? Abgerechnet wird 2077.

von rn
erstellt am 05.Apr.2012 | 12:07 Uhr

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