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Bildung

18. September 2014 | 23:44 Uhr

Profis studieren : Der Wellenreiter vom Campus

vom

Vincent Langer meistert die Doppelbelastung von Profisport und Studium. Ein Sport-Dozent kritisiert das Verhalten der Uni Flensburg gegenüber Leistungssportlern.

flensburg | Die Bretter, die seine Welt bedeuten, bestehen aus Karbon und Schaumstoff. Sie sind zwischen 2 und 2,50 Meter lang- und tragen ein Segel. Für Vincent Langer ist das Windsurfen wie eine Droge: "Ein Leben ohne diesen Sport kann ich mir einfach nicht vorstellen. Ich habe immer den Drang, aufs Wasser zu gehen", sagt Deutschlands derzeit erfolgreichster Profi-Surfer - und Student an der Uni Flensburg.

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Am kommenden Wochenende geht es für Langer zum dritten Wertungslauf der Deutschen Meisterschaften in Boltenhagen in Nordwestmecklenburg. Eine weitere Gelegenheit für den 25-Jährigen, seine Führung auszubauen. Mit dem sechsten Platz bei der Europameisterschaft auf Sylt - als bester Deutscher - und seinem souveränen Sieg beim Windsurf-Cup vor Norderney hat der amtierende Vize-Meister gute Chancen auf den Titel. Damit würde er sein zehnjähriges Jubiläum als Wettkampf-Surfer krönen.

Mit acht Jahren stieg er zum ersten Mal aufs Brett. "Ich bin durch meinen Vater dazu gekommen. Er ist auch bei Wettkämpfen angetreten", erzählt Langer. Seit 2006 lebt der gebürtige Kieler von seinem Hobby. "Zunächst muss man viel selbst investieren. Es ist eben ein teurer Sport." Kommt aber der Erfolg, finden sich auch Sponsoren. "Das Geld reicht für ein gutes Leben und die Ausübung meines Sportes", sagt Langer, der in den Disziplinen Formular Windsurfing mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern und Slalom - Tempo 70 ist möglich - antritt.

Bis 40 könne man auf hohem Niveau surfen, sagt Langer. Doch was kommt danach? Oder was passiert, wenn früher Schluss ist? Langer: "Der Sport ist sehr verletzungsanfällig. Fällt man eine Saison aus, sind die Sponsoren und Förderer weg." Als er 2008 als Mitglied des Olympia-Kaders an der Qualifikation für die Spiele scheiterte, entschied sich Langer, "was seriöses zu machen" - und schrieb sich an der Flensburger Uni ein. Lehramt Geschichte und - na klar - Sport.

Bei 10 bis 15 Events in ganz Europa geht Langer jährlich in die Wellen. "Ich kennen keinen, der mehr fährt als ich", sagt er selbstbewusst. Und natürlich wird viel trainiert - sobald genug Wind da ist. Ansonsten heißt es Fitnessstudio oder Physiotherapie. Im Winter stehen dann Trainingslager im Ausland auf dem Programm. Zuletzt war Langer für zweieinhalb Monate auf Teneriffa.

Und dann noch studieren? "Ich genieße gewisse Privilegien", gibt Langer zu. So kann er beispielsweise Klausurtermine individuell verschieben oder ihm werden Zusatzaufgaben gestellt, die er außerhalb des Stundenplans bearbeiten kann. Dass er für den Bachelor acht statt sechs Semester braucht, sei nicht so schlimm. "Die Dozenten räumen mir Zeit ein." Und seine Kommilitonen würden ihn nicht immer um seinen Job beneiden. "Wir rollen ihm keinen roten Teppich aus", sagt Otto Oldenburg vom Institut für Sport. "Wir händeln das aber recht flexibel, schließlich müssen Leistungssportler jeden Tag trainieren." Diese Einsicht herrsche jedoch nicht in allen Instituten der Hochschule, kritisiert Oldenburg. Im Vergleich zur Uni Kiel würde es Leistungssportlern in Flensburg schwer gemacht, Sport und Studium zu verbinden. Es sei nicht angekommen, dass Profisportler eine längere Studienzeit benötigten. Oldenburg wünscht sich uni-einheitliche Arrangements. "Wir haben hier ein ausgezeichnetes Wassersportprofil. Das ist auch ein gutes Aushängeschild."

Für Vincent Langer lohnt sich die Doppelbelastung. "Sich ausschließlich auf den Sport zu verlassen, ist nicht weitsichtig", sagt er. Und dann räumt er mit einem Vorurteil auf. Sicher, es gebe die Freizeit-Surfer, braun gebrannt, am Strand grillen und viel feiern. Doch die Profis sind bei Wettkämpfen um zehn im Bett und morgens um sieben am Strand. "Natürlich machen wir auch Party. Aber erst nach dem Wettkampf."

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erstellt am 13.Jun.2012 | 11:25 Uhr

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