AUTO

 

Deutschland feiert 100 Jahre Führerschein

17. April 2009 | 15:59 Uhr

«100 Jahre Führerschein» - die Ausstellung im Düsseldorfer «Meilenwerk» zeigt bunte Exponate und Verkehrsfilme. (Bild: dpa)

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Düsseldorf (dpa) - Sein Vorgänger ist die "Chauffeur-Befähigung", in der ehemaligen DDR hieß er nur Fahrerlaubnis: Die facettenreiche Geschichte des Führerscheins erzählt eine Düsseldorfer Ausstellung. Aus gutem Grund: Die Lizenz zum Autofahren wird im Mai 100 Jahre alt.

Über Frauen am Steuer gibt es unzählige Witze. Das Misstrauen über die Fahrkünste der Damen ist in Deutschland historisch verwurzelt: Bis in die späten 1950er musste eine Frau ihren Gatten um Erlaubnis bitten, wenn sie den Führerschein machen wollte.

Das Thema «Frau und Auto» ist ein Teil der facettenreichen Geschichte des deutschen Führerscheins, der im Mai 100 Jahre alt wird. Wer einmal einen historischen Führerschein ansehen oder in den Lehrbüchern der «Chauffeur-Schulen» blättern möchte, kann von Samstag (18. April) an die Ausstellung «Hundert Jahre Führerschein» im Düsseldorfer «Meilenwerk» besuchen. In dem ehemaligen Lokschuppen können Neugierige bis Ende Mai bunte Exponate und Verkehrsfilme bestaunen.

Der Führerschein kam mit dem letzten Kaiser

Bevor der Führerschein eingeführt wurde, setzten sich «Automobilisten» noch mit einem «Prüfungsattest für Explosionsmotoren» oder einer «Chauffeur-Befähigung» ans Steuer. Die Gültigkeit dieser Dokumente war allerdings auf einzelne Fürstentümer beschränkt - das Chaos entsprechend groß. Wer mit seinem Auto in eine benachbarte Provinz fuhr, wurde nicht selten verhaftet. Erst mit dem «Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen» führte der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II, am 3. Mai 1909 eine landesweit gültige Fahrerlaubnis ein. Er nannte sie «Führerschein».

Aus dem großen grauen «Lappen» wurde 1986 ein rosafarbener, aus Papier schließlich Plastik. Der heutige EU-Führerschein hat nur noch Scheckkarten-Format. Einen Waschgang übersteht das handliche Plastikstück nun sicher - doch die Nostalgie, mit dem das Dokument einst behaftet war, scheint dahin.

«Die haben sich massenweise totgefahren»

Unzählige Partys wurden durch die Präsentation von Führerschein-Fotos bereichert. Doch allmählich haben etliche Autofahrer ihre Jugendbildnisse, auf denen sie als bärtige Männer oder langhaarige Frauen lachten, ersetzt. In den nächsten Jahren werden Führerscheinfotos den gleichen strengen Regeln unterliegen wie Passbilder. Ein Leben lang mit dem gleichen Lappen - das soll es ab 2013 nicht mehr geben. Führerscheine, die von diesem Zeitpunkt an ausgestellt werden, müssen regelmäßig erneuert werden.

Mit der Geburtsstunde des Führerscheins hatte der Kaiser auch die Grundlage für Verkehrsregeln geschaffen. Wegen der vielen Unfälle war die neue Mobilität, die Autos mit sich brachten, bei der damaligen Bevölkerung auf große Skepsis gestoßen. «Die haben sich massenweise totgefahren», sagt Auto-Experte Mika Hahn vom Oldtimer-Kaufhaus «Meilenwerk».

Erste Verkehrsampel wurde 1924 aufgestellt

Das Risiko, bei einem Autounfall zu sterben, war 1907 gemessen am Autobestand rund 60 Mal so hoch wie 100 Jahre später. Damals rollten nach offiziellen Schätzungen etwa 40 000 Autos auf deutschen Straßen. Inzwischen meldet das Statistische Bundesamt rund 50 Millionen PKW und geht von etwa ebenso vielen Führerscheinen aus. Da sie erst seit 1999 im «zentralen Fahrerlaubnis-Register» in Flensburg erfasst werden, ist nur eine Schätzung möglich. Derzeit gibt es in Deutschland noch sechs Führerschein-Typen, darunter die alte DDR-Fahrerlaubnis - das Wort «Führer» wollte die Republik nicht aufnehmen.

Die ersten Automobilisten kannten weder Stoppschild noch Promillegrenze. Fehlende Vorschriften mussten erst formuliert werden. 1924 wurde die erste Verkehrsampel am Potsdamer Platz in Berlin aufgestellt. Nur wenige Jahre später wurden Verkehrsschilder - die auch schon vor dem 1. Weltkrieg an Straßenrändern warnten - europaweit vereinheitlicht und statt mit Text («Kraftfahrzeuge verboten») mit Symbolen versehen.

«Das Auto war zu Beginn ein Spielzeug der Reichen»

Auch die Aufgaben der Fahrschulen veränderten sich im Laufe der Jahrzehnte. «In den ersten Chauffeur-Schulen lernte man weniger über Verkehrsregeln und mehr über Technik - zum Beispiel, wie wechsle ich eine Zündkerze aus», berichtet Hahn. Angesichts der häufigen Pannen sei das ein «Muss» gewesen, weiß der Fachautor und Sammler historischer Exponate rund um die deutsche Verkehrsgeschichte. «Das Auto war zu Beginn ein Spielzeug der Reichen.» Zur Fahr-Prüfung mussten die Schüler sogar noch ihr eigenes Fahrzeug mitbringen.

Die Gesetze rund um den «Lappen» wurden nicht nur für Frauen erneuert. Seit 1986 gilt für die Neulinge unter den Autofahrern der «Führerschein auf Probe». Während sie früher aber noch ihre Volljährigkeit abwarten mussten, dürfen Jugendliche heute schon mit 17 Jahren die begehrte Lizenz erwerben.

 

 

 

 


 



 
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