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Weihnachten

04. Dezember 2016 | 13:26 Uhr

Weihnachtsmarkt in Flensburg : Schattenseite des Budenzaubers – Geschäftsleute beklagen weniger Umsatz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Läden in der Innenstadt werden von den Ständen verdeckt. „Dadurch geht unser Laden unter“, sagt ein Mitarbeiter.

Flensburg | Seit einer Woche lockt der Flensburger Weihnachtsmarkt zu Glühwein, Geschenkideen und Klönschnack in die City. Gorm Casper von der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (Taff) rechnet bis zum Jahresende mit weit über einer halben Million Besuchern. Er schätzt mutig, „dass wir sogar an der Millionengrenze kratzen“.

67 Buden stehen zwischen Südermarkt und Nordermarkt. 18 davon dürfen Punsch ausschenken – es waren schon mal mehr. Der Platz für sie ist begrenzt: Sie konkurrieren mit Rettungswegen, Gullys, Hydranten, Bänken, Laternen oder Stromverteilern. Die Platzierung an den westlichen Straßenseiten ergibt sich aus der Blinden-Leitlinie im Boden vis-à-vis, die Menschen mit Sehbehinderung taktil den Weg weist und nicht verstellt werden darf. Besonders begehrt ist bei Budenpächtern der Holm – lagemäßig verspricht er die besten Umsätze. Entsprechend ist die Platzierungsdichte intensiv.

Das bekommt der dort angestammte Einzelhandel zu spüren. Das „alle Jahre wieder“ hat etwa für Holger Haase von der Parfümerie „Top“ einen bitteren Beigeschmack. „Die vielen Buden verdecken den Blick auf die Schaufenster und behindern den Zugang zu unserem Geschäft. Sie wirken teilweise wie eine geschlossene Ladenzeile vor dem eigentlichen Einzelhandel hier, und Kabel und Müllsäcke dahinter schrecken zusätzlich ab“, sagt er ernst.

Außerdem frage ihn der Veranstalter nicht, die Buden würden einfach aufgebaut. Erschwerend komme hinzu, dass mittwochs und sonnabends eine Reihe vom Südermarkt verdrängter Wochenmarktbeschicker die wenigen Lücken mit Ständen fülle. „Stammkunden finden uns natürlich, aber wir sind auch auf die Laufkundschaft angewiesen, die uns nicht mehr sehen kann, ausgerechnet in unserer Hauptumsatzzeit vor Weihnachten“, so Haase. Er mache den Standpächtern keinen Vorwurf, wünsche sich aber mehr Dialog von Seiten der Taff und alternative Lösungen für einen verlagerten Wochenmarkt, etwa in die Angelburger Straße. Jedes Jahr sei ein Umsatzeinbruch spürbar, der die elf Arbeitsplätze in der Parfümerie nicht sicherer mache.

Einem Telekommunikationsanbieter hat man Bude samt „Krippe“ direkt vors kleine Schaufenster gestellt. „Dadurch geht unser Laden unter“, beklagt ein Mitarbeiter. Grundsätzlich finde Jens Bergmann von Brillen Raub den Weihnachtsmarkt in Ordnung, „doch dass wir Optiker vom Besucherzulauf profitieren, sehe ich nicht“, sagt er. Auch seine Geschäftsfront ist verdeckt. Textilhändler Cubus hat scheinbar kein Problem – fast die gesamte Eingangs- und Schaufensterfront ist frei. Jedoch ¬uch diese Lücke füllt an beiden Wochenmarkttagen bis 14 Uhr ein Obsthändler, sodass rechts und links wenig Durchlassraum ist. „Wir haben schon Kontakt zum Ordnungsamt aufgenommen, da wir durch diese Situation den Fluchtweg aus unserem Gebäude nicht sicherstellen können“, erzählt die Filialverantwortliche Anke Misell-Hajdini. Für diese Zeit stelle sie einen Umsatzrückgang von 15 Prozent fest.

Ulf von Fintel ist Geschäftsleiter des großen Textilhauses Peek & Cloppenburg und Vorstandsmitglied der IG Innenstadt. Er betont, dass der Weihnachtsmarkt enorm wichtig für den Handel in der City sei; insbesondere ziehe er jede Menge Kunden aus Dänemark an, die an einem Sonnabend bis zu 50 Prozent der Passanten in der Fußgängerzone ausmachten. Eine direkte Beeinträchtigung vor Eingang und Schaufenstern habe er nicht, jedoch würden Buden an den Seiten die wichtige „Einflugschneise“ mit freiem Querzugang von potenziellen Kunden einschränken. „Stände vor unserem Eingang würden zumindest am Sonnabend zu einem Umsatzrückgang von 25 Prozent führen“, ist er sicher. Sein Vorschlag: Alle Beteiligten sollten kompromissbereit einen Dialog führen.

Gorm Casper hat für die Sorgen der Kaufleute auf der anderen Straßenseite Verständnis, sagt jedoch auch, dass aufgrund des knappen Raums für Stellplätze eine kompakte Anordnung unvermeidbar sei, auch weil eine durchgehende Optik den Markt erst attraktiv mache. Und betont, dass von den zahlreichen Besuchern aus der Region und insbesondere Dänemark der hiesige Einzelhandel profitiere, wie Flensburgs Wirtschaft insgesamt. Dass die historisch bedingte Geografie der Einkaufsstraßen zwischen Süder- und Nordermarkt möglicherweise zu klein sein könnte für solch ein Gedränge, wiegt bei der Taff ob der vorrangigen Wirtschaftsziele offenbar nur gering.

Holger Haase hat für seine Parfümerie inzwischen eine eigene Teillösung gefunden: Zu nachtschlafender Zeit fährt er sein Auto vors Geschäft, damit der verbleibende kleine Raum zwischen den beiden Buden nicht von Wochenmarkthändlern komplett zugestellt wird – als Anlieger ist ihm das bis 10 Uhr erlaubt.

Eine Übersicht über die Weihnachtsmärkte in der Region finden Sie hier:

 

Alle Angaben sind ohne Gewähr. Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Kennen Sie weitere Weihnachtsmärkte in der Region? Dann freuen wir uns über eine Nachricht an onlineredaktion@shz.de.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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