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Wedel-Schulauer Tageblatt

05. Dezember 2016 | 15:35 Uhr

Feuerwehrnachwuchs : Zwei Syrer stärken die Moorreger Wehr

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Integration Seit fünf Monaten besuchen Reemon Wahbi und Emil Shil die Übungsabende / Im Januar möchten sie in den aktiven Dienst

Wedel | „Uns ist in Deutschland geholfen worden. Jetzt möchten wir helfen“, sagt Reemon Wahbi. Er und sein Bekannter Emil Shil stammen aus Syrien. Vor einem Jahr sind sie als Flüchtlinge in Deutschland angekommen und haben in Moorrege ihr derzeitiges Zuhause gefunden. Mit allen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, versuchen die syrischen Christen in ihrer neuen Umgebung Fuß zu fassen. Sie folgten dem Tipp ihres Betreuers Rolf Krivohlavek und schlossen sich der Freiwilligen Feuerwehr Moorrege an. Seit fünf Monaten besuchen sie als Feuerwehranwärter regelmäßig die wöchentlichen Dienstabende. „Inzwischen gehören sie dazu“, sagt Sprecher Christian Woßnik. „Wir freuen uns über die Verstärkung“.

Der 27 Jahre alte Shil, der in seiner Heimat Wirtschaft studiert hat, und der 34 Jahre alte Wahbi, der für eine Raffinerie tätig war, können es kaum abwarten, ein eigenständiges Leben zu beginnen. Dabei haben sie in der Kürze der Zeit viel erreicht: Sie sind über Deutschkurse an der Volkshochschule Uetersen-Tornesch beim Sprachniveau B1 angelangt. Deshalb klappt die Verständigung mit den Kameraden bereits bestens. Ab Oktober wird an der Sprachstufe B2 gearbeitet. In der Zwischenzeit absolvieren beide ein Praktikum, einer im IT- Bereich, der andere im Elektrohandwerk. Sie haben ihren Führerschein bestanden und einen Orientierungstest gemacht. „Das war schwer. 1100 Fragen mussten wir beantworten“, erzählt Shil, der jüngere der beiden. Jetzt wissen sie, wie Bundesrat und Bundestag aufgebaut sind, wie viele Bundesländer es gibt und wie das Wahlsystem aufgebaut ist.

Weitere Gründe, sich zu engagieren, sind für die jungen Männer der Wunsch, Kontakt zu Deutschen zu bekommen und das Bedürfnis, einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Bei all ihren Bestrebungen steht ihnen der Heistmer Krivohlavek, den sie Commander nennen, zur Seite. „Ohne ihn kämen wir nicht zurecht“, sind sie sich einig.

Emil Shil (l.) und Reemon Wahbi haben das Jahr seit ihrer Ankunft in Deutschland gut genutzt und jede Möglichkeit wahrgenommen, sich einzuleben.
Emil Shil (l.) und Reemon Wahbi haben das Jahr seit ihrer Ankunft in Deutschland gut genutzt und jede Möglichkeit wahrgenommen, sich einzuleben. Foto: Habekost

Wahbi und Shil stammen aus der syrischen Stadt Homs. Beide sind verheiratet, Wahbi ist zudem Vater einer vierjährigen Tochter. Sie sind vor dem Krieg geflohen. Die Flucht haben sie wegen der Gefahren allein auf sich genommen – in der Annahme, dass ihre Familien relativ schnell nachreisen dürften. Diese Hoffnung hat sich inzwischen zerschlagen. Die Sorge um sie und alle anderen Angehörigen wäre ohne Kontakt über das Internet unerträglich. Die Flucht führte die Syrer über Libyen, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland – viele Strecken legten sie zu Fuß zurück, manchmal gingen sie 20 Stunden am Stück.

Laut Kreiswehrführer Frank Homrich sind die beiden momentan die einzigen Flüchtlinge, die versuchen, in einer Feuerwehr des Kreises Fuß zu fassen. In Rellingen hätten einige Asylbewerber „schon einmal vorgeschnuppert“, aber ergeben habe sich daraus bisher noch nichts. Im Januar auf der Jahreshauptversammlung der Moorreger Wehr könnten Wahbi und Shil mit den anderen Anwärtern in den aktiven Feuerwehrdienst aufgenommen werden. Eine Voraussetzung, um der Wehr erhalten zu bleiben, ist, dass sie eine Wohnung im Ort finden. Dann hätten sie das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. 

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erstellt am 13.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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