zur Navigation springen

Wedel-Schulauer Tageblatt

29. September 2016 | 15:33 Uhr

Wo alte Schönheit sichtbar wird

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Serie Die letzten originalen Reetdachhäuser Wedels / Heute: Das Gemäuer aus dem Jahr 1805 in der Gärtnerstraße 19

Die Nachfrage nach Wohnraum ist groß, Neubauten ein wiederkehrendes Thema in Wedel. Alte Häuser, die uns Eindrücke vom früheren Alt-Wedel vermitteln, gibt es wenige. Ein besonderes Prachtexemplar erhaltener Reetdachkultur steht in der Gärtnerstraße 19, Ecke Riesenkamp. Wo früher eine Mehr-Generationen Familie samt Vieh lebte, weist das Klingelbrett heute auf mehrere Mieter hin.

Der Hausspruch über dem ehemaligen Eingangsportal weist 1805 als Baujahr des mächtigen Hauses aus. Durch Zufall sei er zu dem Haus gestoßen, so sein heutiger Besitzer Kai Augustin. Als er 2010 das „Zu Verkaufen“-Schild sah, war das Objekt bereits seit zwei Jahren auf dem Markt. „Wir haben es uns angesehen und uns war klar, dass wir das Haus unbedingt haben und aufarbeiten wollten“, erinnert sich der gelernte Wirtschaftsprüfer.

Ihm sei klar gewesen, dass die Renovierung ein Kraftakt werden würde. Und obwohl er eigentlich gar nicht so ein Bau-Mensch sei – „Mein Vater war einer“, flicht er schmunzelt ein – stellte sich Augustin der Herausforderung. „Ich hatte nach dem Mauerfall viel mit Immobilien im Osten zu tun“, so Augustin rückblickend, „da lernt man eine Menge über alte Gemäuer.“

Sein Kennerblick und sein Faible, Altem wieder zu neuem Glanz zu verhelfen, erleichterten ihm die Kaufentscheidung. Allmählich hat er Spaß am Renovieren gewonnen. Unterstützung bekommt er von seiner Frau Daniela Reiter, die sich in ihrer Freizeit um den Garten kümmert. „Sie hat den grüneren Daumen von uns beiden“, stellt Augustin resignierend-lakonisch fest.

Über die Vorbesitzer weiß Augustin nicht viel. Fest steht, dass es einst als Nebenwohnung des Fährhofes, eines der damals größten Gehöfte in Wedel, von Hinrich Kleinworth errichtet wurde. In den 1930ern kaufte der Wedeler Baumschuler Peter Körner das Haus und verpasste ihm einen „Vorbau“ zur Gärtnerstraße hin. Seitdem haben die Fußböden im Haus unterschiedliche Höhen.

Im Keller befindet sich ein kleines Kuriosum: Hinter einer dicken Stahltür liegt ein etwa vier mal fünf Meter großer Bunkerraum, wahrscheinlich während des zweiten  Weltkrieges zum Schutz vor Bomben angelegt. Ob die Leute hier aber wirklich heil rausgekommen wären, bezweifelt Augustin.

Beim Renovieren achte er nach eigener Aussage auf Prioritäten. So hat er als erstes im Obergeschoss Platz für Untermieter geschaffen. Das verschaffte ihm Mittel für die weitere Renovierung. „Wenn wir Sachen anfassen ist klar, wir wollen die alte Schönheit wieder sichtbar machen“ , so sein Credo. Wegen der Feuchte des Bodens musste das Mauerwerk komplett frei- und trockengelegt werden. Zuletzt war ein Schwammschaden dran. „Zu tun gibt es immer was“, so sein Resümee, „und zu erleben auch.“ Beim Aufarbeiten des Bodens in der Diele fand er Flaschenreste von etwa 1900.

Als nächstes will er das Dach wärmeisolieren. Dafür wird Zellulose zum Einsatz kommen, dem nicht nur hervorragende baubiologische, sondern auch Brandschutz-Eigenschaften bescheinigt werden. „Das geht schon fast in Richtung Energiesparhaus“, so Augustin vorausschauend.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen