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Wedel-Schulauer Tageblatt

06. Dezember 2016 | 11:25 Uhr

Streitschlichterin : Wenn die Hecke wild wuchert

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ilona Fitschen ist seit fast drei Jahrzehnten als Schiedsfrau in Wedel ehrenamtlich tätig.

Wedel | Streit wegen eines Baums, dessen Äste über das Nachbargrundstück ragen, Auseinandersetzungen um eine Hecke, die die Aussicht versperrt oder Beeinträchtigungen durch Lärm, Gerüche und Rauch: So manches gute nachbarschaftliche Verhältnis reicht mitunter nur bis zum Gartenzaun. „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, dichtete schon Schiller in seinem Drama Wilhelm Tell. Oft hilft neben einem rücksichtsvollen und höflichen Umgang ein klärendes Gespräch, um den Konflikt zu beenden. Doch nicht immer werden sich die Streithähne einig. Dann könnte es ein „Fall“ für Ilona Fitschen werden. Seit fast 30 Jahren ist die Wedelerin in der Rolandstadt als Schiedsfrau ehrenamtlich tätig. Gerade erst wurde sie von der Ratsversammlung zum sechsten Mal in Folge in ihr Amt gewählt. „Das ist eine schöne Anerkennung und Wertschätzung meiner Arbeit“, freut sich die 63-Jährige.

Anfang 1987 hatte sich Fitschen zum ersten Mal um das Ehrenamt beworben. „Ich hatte darüber einen Bericht im Tageblatt gelesen und war sofort interessiert, denn ich wollte mich schon immer für die Allgemeinheit engagieren“, erinnert sie sich. Nach einer persönlichen Vorstellung beim damaligen Bürgermeister Jörg Balack (SPD) wurde sie als eine von drei Bewerbern – die beiden anderen waren männlich – von der Ratsversammlung gewählt. „Das Amt des Schiedsmanns war damals noch eine reine Männerdomäne“, sagt Fitschen.

Grundlage für die Arbeit einer Schiedsperson im nördlichsten Bundesland ist das schleswig-holsteinische Landesschlichtungsgesetz. 2002 in Kraft getreten, soll es die Amtsgerichte von zivilrechtlichen Streitigkeiten entlasten. „Erst zum Schlichter statt zum Richter“ – nach diesem Leitspruch sollen kostspielige Klagen erst zugelassen werden, wenn zuvor eine Einigung bei einer neutralen Gütestelle versucht wurde.

Wie viele Schlichtungsverfahren Fitschen seit ihrem Amtsantritt geführt hat, weiß sie nicht mehr genau: „Es waren vielleicht 700. Dazu kamen noch unzählige Anrufe, in denen ich um Rat gefragt wurde“, schätzt sie. Oft kommen die Beteiligten mit ihren Anwälten ins Rathaus. „Das ist häufig positiv und zielführend“, so Fitschen. In den meisten Fällen hätten sich die Beteiligten über einen Vergleich, der einem Gerichtsurteil gleichzusetzen ist, geeinigt. Nur selten ging die Angelegenheit vor ein Zivilgericht.

„Bei den Verfahren, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, handelt es sich überwiegend um nachbarrechtliche Belange. Da kann es um den Apfelbaum gehen, dessen Früchte auf das Grundstück nebenan fallen oder um Anpflanzungen, die dem Nachbarn die Sicht auf die Elbe versperren“, so die 63-Jährige. Details aus ihrer Tätigkeit darf sie natürlich nicht verraten. „Ich bin vom Schlichtungsverfahren absolut überzeugt. Ein mediativer Weg zur Konfliktlösung ist besser als alles andere“, sagt sie. Dabei sieht sie sich nicht als Anwältin der Partei, die sie zuerst angesprochen hat: „Eine Schiedsperson muss absolut neutral handeln.“

Die Wedelerin, die hauptberuflich als Geschäftsleiterin in der Staatsanwaltschaft Hamburg tätig ist, engagiert sich auch im Verband der Schiedsmänner und Schiedsfrauen in Schleswig-Holstein. Für ihre langjährige Tätigkeit als Landesvorsitzende wurde sie 2009 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. Seit 1991 steht sie an der Spitze der Bezirksvereinigung Itzehoe, die für die Amtsgerichte Elmshorn, Pinneberg, Itzehoe und Meldorf zuständig ist. Vor allem die Aus- und Fortbildung der Schiedsleute hat sich Fitschen auf ihre Fahnen geschrieben. Privat fährt die Wedelerin mit Ehemann Detlev gern nach Amrum in den Urlaub, besucht ihre Tochter und ihre beiden Enkelkinder in München und geht an der Elbe spazieren.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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