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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 21:33 Uhr

Sie kämpfen gegen Sucht und Ängste : Wedelerinnen gründen neue Selbsthilfegruppe

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Neues Angebot: Wedelerinnen gründen Selbsthilfegruppe für jugendliche und jungerwachsene Betroffene und Angehörige.

Wedel | „Manche müssen erst ganz tief fallen, damit endlich etwas passiert.“ Wenn Jessica dies sagt, ist es nicht der 1000 Mal irgendwo gehörte Satz. Es ist Lebensweisheit – Einsicht aus ihrer eigenen noch jungen Biografie. Jessica, selbstbewusst, berufstätig, Mutter eines kleinen Kindes, ist 28. Ihre Sucht begann mit 16. Alkohol, Drogen – polytox heißt es in Fachkreisen und bei Therapeuten, die die Wedelerin kennen gelernt hat. Heute ist sie abstinent, kann erzählen über ihre Erfahrungen, will darüber reden, um anderen die Augen zu öffnen.

Die Sucht- und Drogenberatungsstelle  Wedel des Vereins Therapiehilfe  berät Menschen aus allen Altersgruppen bei beginnendem, problematischem und abhängigem Suchtmittelkonsum. Zum Angebot zählen auch suchttherapeutische Hilfen, Substitutionsbetreuung und  Prävention. Die Arbeit ist suchtmittelübergreifend, wendet sich also an alle, die Schwierigkeiten im Umgang mit Alkohol, illegalen Drogen, Medikamenten oder Glücksspiel haben. Zwischen 240 und 300 Klienten werden im Raum Wedel, Holm und Hetlingen pro Jahr betreut. Etwa ein Drittel sind Jugendliche und junge Erwachsene. Hauptproblem bei dieser Altersgruppe ist Cannabiskonsum, häufig jedoch gepaart mit anderen Drogen und Alkohol. Kontakt:  Gärtnerstraße 4, Telefon 04103-83075, E-Mail: beratung-wedel@therapiehilfe.de.

„Es ist wichtig zu zeigen, dass man nicht lange warten soll und muss. Mir hätte so etwas geholfen. Dann wäre ich vielleicht nicht an dem Punkt, an dem ich war.“ Abhängigkeit, kalter Entzug, Rückfall. „Ich habe meine ganze Geschichte erzählt.“ Ihre Zuhörer waren Schüler des zwölften Jahrgangs am Johann-Rist-Gymnasium. Ein sehr intensiver, persönlicher Besuch, der ankam, weiß Konstantin Belios, Präventionsfachkraft der Wedeler Sucht- und Drogenberatungsstelle: „Es macht spürbar Eindruck, wenn da jemand steht, der altersmäßig noch ganz nah dran ist an den Schülern.“

Belios hat noch einen zweiten Gast zu den fünf Terminen mit den Jugendlichen mitgebracht. Ein Gast, der die andere Perspektive eröffnen konnte: Lisa, 22, ebenfalls berufstätig, ebenfalls aus Wedel. Auch sie hat Erfahrung im Umgang mit der Sucht – der der Eltern. „Eines der Hauptprobleme ist, dass oft nicht darüber gesprochen wird. Die Kinder müssen versuchen, allein mit sich klarzukommen.“ Tatsächlich seien Verstehensprozesse wichtig: etwa als Kind nicht Mutter für die eigenen Mama werden zu wollen, sagt Lisa. Erkenntnisse, für die es den Austausch brauche. Und die Ermunterung, zu seinem Problem zu stehen. „Wir wollen auch helfen, die Stigmatisierung, die mit diesen Themen einhergeht, aufzubrechen.“ Lisa weiß: Es gibt viele betroffene Jugendliche. Hilfsangebote dagegen gibt es wenig für sie.

Das hat auch Jessica erfahren. Beide haben sich über Selbsthilfeangebote kennen gelernt, die nicht ihrem Alter und damit nicht wirklich ihren Bedürfnissen entsprachen. Genau da haben sie angesetzt und eine eigene Gruppe gegründet – Junge Wölfe. Das war im März dieses Jahres. Anfangs waren sie allein. Mittlerweile kommen im Schnitt etwa sechs Teilnehmer zu den Treffen bei der Sucht- und Drogenberatung in der Gärtnerstraße 4. Betroffene und Angehörige. „Wir kämpfen gegen Süchte aller Art, Angst und Panik, Depression“, heißt es im Flyer der Wölfe. Ein bislang einmaliges Angebot, sagt Belios. „Es ist schon sensationell zu nennen, dass es die Gruppe gibt und sie stabil ist.“ Die Erfahrung habe bisher gezeigt, dass gerade bei Jugendliche und jungen Erwachsenen solche Gruppen höchst schwierig oder gar nicht zu etablieren seien. Belios rührt daher gern die Werbetrommel für die Jungen Wölfe, deren ehrenamtliche Arbeit seine professionellen Präventionsprogramme an Schulen optimal ergänzt. Die Selbsthilfegruppe Junge Wölfe ist unter Telefon 0160-8403203 und per Mail an junge-woelfe@web.de zu erreichen.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 12:15 Uhr

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