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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 09:19 Uhr

Neubaubedarf : Wedel braucht bis zu 2600 Wohnungen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Neue Gutachten zeigen die Mängel und Risiken.

Wedel | Notorischer Wohnraummangel – vor allem an solchem mit den viel zitierten bezahlbaren Mieten. Ein Investor, der mit Wedel Nord einen ganzen Stadtteil mit 900 bis 1300 Wohnungen neu bauen möchte. Dazu ein Gewerbegebiet im Entstehen mit der Aussicht auf tausende neue Arbeitsplätze und wiederum entsprechendem Wohnraumbedarf: Wedel befindet sich in einer Phase entscheidender Weichenstellungen. Verständlich, dass Verwaltung und Politik da nach Orientierung für ihre Entscheidungen suchen. Die sollen eine Aktualisierung des Wohnungsmarktkonzepts und eine fiskalische Wirkungsanalyse für das Mega-Bauprojekt im Altstadtnorden liefern. Im Planungsausschuss haben die Gutachter die Essenz beider Untersuchungen vorgestellt. Tenor: Die Rolandstadt wächst, damit muss auch der Wohnungsmarkt wachsen. Aber das hat seinen Preis.

Fünf Prozent Bevölkerungszuwachs in den vergangenen fünf Jahren: Trotz mehr Sterbefällen als Geburten geht die Bevölkerungszahl nach oben. „Durch deutliche Wanderungsgewinne“, so Felix Arnold vom Institut Gewos, der das Wohnungsmarktkonzept überarbeitet hat. Vor allem aus Hamburg, aber auch Gesamtdeutschland und dem Ausland kommen neue Bürger, Flüchtlingszuweisungen nicht mitgerechnet.

„Wedel ist voll, es gibt keine Leerstände“

Arnolds Prognose für 2030 sieht die Bevölkerung um mindestens 4,6 Prozent wachsen, mit Businesspark sogar um 9,5 Prozent. Problem schon jetzt: „Wedel ist voll, es gibt keine Leerstände.“ Insbesondere kurz und mittelfristig bestehe ein hoher Neubaubedarf. Zwischen 1800 und 2600 Wohnungen müssten binnen 15 Jahren entstehen, 1100 bis 1600 in Mehrfamilienhäusern. Wobei Arnold betonte: Bedarf gibt es vor allem bei preisgünstigem Wohnraum. Arnold machte dabei deutlich: Angst vor Ghettoisierung durch verstärkten Sozialwohnungsbau sei unbegründet. Schon jetzt hätten 6400 von 10.100 Mieterhaushalten in Wedel Einkommen unterhalb der Grenzen der Schleswig-Holsteinischen Wohnraumförderung.

„Es liegt an Ihnen, wie Sie von der derzeitigen Boomphase profitieren“, so Arnold Richtung Fraktionen. Auch welche wohnungsbaupolitischen Akzente dabei gesetzt würden. Dringend riet der Gutachter jedoch dazu, die 30-Prozent-Sozialwohnungsklausel bei Neubauten und B-Plan-Änderungen „konsequent anzuwenden“.

Geförderter Wohnungsbau: eines der großen Themen bei Wedel Nord, dem sich Jens-Martin Gutsche von Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität widmete. Gegenstand seiner fiskalischen Wirkungsanalyse: eine Bilanz von Einnahmen und Ausgaben, die Wedel Nord für den Haushalt der Stadt in den kommenden 25 Jahren bringt. Wesentliche Aussage unterm Strich: Bedingt durch die noch relativ gute Finanzsituation der Stadt und nur einem geringen Anteil an eigenen Grundstücken im Plangebiet mit entsprechend dünnen Verkaufserlösen ist die Gesamtbilanz „leicht negativ“. Sprich: Wedel Nord ist ein Kostenfaktor für den Stadthaushalt. Wobei die Rechnung günstiger ausfällt, wenn die 1300-Wohnungen-Vaiante gewählt wird. In gemittelten Zahlen bedeutet dies laut Gutsche über 25 Jahre Mehrausgaben von 80  000 bis 110  000 Euro per anno für Wedel.

Geteiles Echo auf Wedel-Nord-Analyse

Ausschusschef Michael Schernikau (CDU) wies darauf hin, dass Gutsche die 30-Prozent-Klausel für Sozialwohnungen nur auf den Geschosswohnungsbau angewendet habe, absolut also nur auf zehn bis 16 Prozent komme. Drohe eine Verschlechterung mit 30 Prozent Sozialwohungsbau für das Gesamtgebiet? „Etwas“, so Gutsche. Die CDU erachte das Projekt Wedel Nord nach wie vor als sehr positiv, so Schernikau. Die Politik müsse sich konsequent mit den Studien auseinandersetzen und entscheiden.

Auch Martin Schumacher (FDP) sah das Ergebnis der Wirkungsanalyse positiv. „Ich habe echt Schiss gehabt vor dem Ergebnis “, so der Liberale. Seine Einschätzung trotz einiger Defizite, die er sieht, etwa eine fehlende Berücksichtigung von Einnahmen durch Unternehmenssteuern: „Das Glas ist echt voll.“ Anders Manfred Eichhorn (SPD). Die Analyse habe ihn überrascht. „Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob uns Wedel Nord das Wert ist“, so Eichhorn. WSI-Fraktionschef Joachim Funck erklärte ebenfalls, seine Fraktion sehe das Projekt kritisch, zumal man noch nicht wisse, was der Investor Wedel am Ende wirklich bietet. Schernikaus Fazit: „Ich glaube, das wird noch ein Haufen Arbeit.“

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erstellt am 01.Dez.2016 | 14:00 Uhr

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