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Wedel-Schulauer Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:28 Uhr

Nach Dreckregen : Vattenfall verteilt Wasch-Gutscheine

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Partikel auf Autos und Terrassen werden vom Energieversorger entfernt. Laborergebnisse liegen noch nicht vor.

Wedel | „Wir haben noch keine Ergebnisse aus dem Labor vorliegen. Ende der Woche kann es vielleicht etwas werden“, sagte Karen Kristina Hillmer, Sprecherin von Vattenfall, Betreiber des Kohlekraftwerks am Wedeler Elbufer. Das Unternehmen hatte die gelben, grünen und weißen Partikel, die Anwohner in der vergangenen Woche auf Autos und Terrassen festgestellt haben, zum Test in ein unabhängiges Labor gesendet. „Wir werden umgehend informieren, sobald uns Ergebnisse vorliegen“, versprach Hillmer.

Anwohner des Elbhochufers, die von der Partikelverunreinigung betroffen sind, können sich direkt an Vattenfall wenden, um Gutscheine für die Reinigung ihres Fahrzeugs oder Terrasse zu erhalten. Die zuständigen Mitarbeiter sind unter Telefon 040-27183444 oder per  E-Mail an projektkommunikation@vattenfall.de zu erreichen. Vattenfall weißt aber darauf hin, dass es aufgrund der Urlaubszeit bei der Bearbeitung der Anfragen zu Verzögerungen kommen kann.

Eine mögliche Ursache für den Partikelregen könnten Anhaftungen im Rauchgaskanal zwischen Rauchgasentschwefelung und Schornstein sein, die beim Anfahren der Anlage aufgewirbelt werden. „Bei den Anhaftungen handelt es sich um Gipspartikel, die bei der Rauchgasentschwefelung entstehen. Diese sind nicht gesundheitsgefährdend“, sagte die Vattenfall-Sprecherin.

Zumindest für die Anwohner gibt es nun eine Regelung. „Es ist richtig, dass wir aufgrund der Verschmutzung von Fahrzeugen in der Nachbarschaft des Kraftwerks Wedel Gutscheine für eine Autowäsche beim Werkschutz hinterlegen. Hierfür bitten wir die Anwohner lediglich, sich bei uns direkt mit Angabe der Adresse zu melden“, schrieb Gunhild Nasner von der Vattenfall-Abteilung Content und Publishing Communications, an eine betroffene Anwohnerin. Zudem wurde angeboten, eine Reinigungsfirma zu beauftragen, die sich die Verschmutzung ansehe und eine Reinigung veranlasse. Hillmer bestätigte das Angebot: „Das gilt für alle betroffenen Personen. Sie müssen sich nur bei den zuständigen Kollegen melden.“

Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Stopp: Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ beschwerte sich: „Seit einer Woche sind wir mit der Schadensregulierung beschäftigt.“ Auf schriftliche Nachfragen der Anwohner sei nicht reagiert worden. Eine offene Kommunikation von Seiten des Kraftwerksbetreibers oder des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) habe es nicht gegeben. „Das muss anders laufen. Der Informationsfluss hat mal wieder nicht geklappt“, betonte Lueckow und ergänzte: „Es darf außerdem gar nicht sein, dass die Umwelt so großflächig verschmutzt wird.“

Anwohner haben grünliche Bröckchen in Gärten, auf Scheibe und Autos gefunden.
Anwohner haben grünliche Bröckchen in Gärten, auf Scheibe und Autos gefunden. Foto: WST
 

Seit Tagen liefert sich Lueckow auch einen regen E-Mail-Verkehr mit dem LLUR, der die Sprecherin der Bürgerinitiative richtig auf Zinne bringt: „Die Kieler Umweltbehörde ist zuständig, Proben zu nehmen und das Kraftwerk zu überwachen. Da kam nichts.“ In einer E-Mail aus dem Ministerium heißt es: „Wie ich Ihnen heute bereits mitgeteilt habe, habe ich am 29. Juli 2016 auf diversen Pkw in Ihrem Wohngebiet ausschließlich weiße Anhaftungen feststellen können, sodass ich momentan nicht davon ausgehe, dass das Heizkraftwerk auch grüne Partikel bzw. Substanzen ausgeworfen hat.“ Derzeit warte das Ministerium ebenso wie die BI auf die Ergebnisse der Vattenfall-Untersuchungen.

„Das kann doch nicht sein, dass die Kontrollinstanz nur darauf wartet, was das Unternehmen sagt“, beklagt Lueckow. Ihre Forderung: „Ich werde jetzt die restlichen Partikel bei den Nachbarn einsammeln und fordere, dass die Proben vom Umweltministerium geprüft werden. Wir haben doch einen Grünen als Umweltminister.“

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erstellt am 05.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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