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Wedel-Schulauer Tageblatt

25. August 2016 | 09:57 Uhr

Hansewerk will Hamburg einheizen : Umweltsenator Kerstan: Kein Gaskraftwerk in Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kerstans erteilt dem Groß-Gaskraftwerk in Wedel eine Absage. Jetzt bringen sich Quickborner bei der Fernwärme-Versorgung ins Spiel.

Wedel/Hamburg | Jetzt ist es so gut wie amtlich: Hamburg verabschiedet sich von dem Plan eines neuen Gaskraftwerks in Wedel. „Mein Ziel ist ganz klar: Ich möchte kein neues Gaskraftwerk – weder in Wedel noch woanders“, sagte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Hamburger Fernwärme. In diesem Ziel sei er sich inzwischen mit SPD-Bürgermeister Olaf Scholz einig. Zwar sei dieser noch skeptisch, was die Umsetzung angeht, räumte Kerstan ein. Aber: „Deshalb soll ich jetzt ein Konzept vorlegen, das funktioniert.“

Der Energielieferant Vattenfall hat kürzlich bekanntgegeben, sein Kohlekraftwerk Wedel umrüsten lassen zu wollen, um auch künftig die strengen Vorgaben der Immissionsschutzverordnung einzuhalten. Das mehr als 50 Jahre alte Heizkraftwerk sollte ursprünglich bereits vom Netz genommen sein. Über eine Sicherstellung der Wärmeversorgung in Hamburgs Westen besteht jedoch bis zum heutigen Tag keine Klarheit. Die Entscheidung darüber liegt mittlerweile beim Hamburger Senat und soll noch im Laufe des Jahres 2016 fallen.

Überraschend kündigte Kerstan an, die von Vattenfall angekündigte Ertüchtigung des alten Steinkohlekraftwerks Wedel nicht ohne Weiteres zu akzeptieren. „Wir lassen von einem Gutachter prüfen, ob die Sanierung in diesem Umfang sinnvoll ist“, sagte er. Vattenfall hatte angekündigt, den mehr als 50 Jahre alten Meiler für 83,5 Millionen Euro erneuern zu wollen, um ihn noch mehrere Jahre betreiben zu können.

Hamburg plant die Revolution der Heizwärme-Versorgung. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) hat gestern Abend dem Bau eines neues Großkraftwerks eine eindeutige Absage erteilt. Statt dessen soll die Fernwärme für etwa eine halbe Million Menschen im Westen Hamburgs künftig aus einem Mix verschiedener Energiearten kommen. „Mein Ziel ist es, dass wir kein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk bauen, weder in Wedel noch woanders“, sagte Kerstan bei einer Podiumsdiskussion. Damit sind die langjährigen Planungen für ein Gaskraftwerk in Wedel für 500 Millionen Euro so gut wie vom Tisch. Er sei zuversichtlich, bis zum Sommer ein Szenario mit alternativen Energieformen vorlegen zu können, das ein Großkraftwerk überflüssig mache.

Geht es nach Kerstan, dann heizt Hamburg seinen Bürgern künftig mit einer Mischung unter anderem aus Industriewärme, Solarthermie, Blockheizkraftwerken und Biomasse ein. Konkret prüfe die Stadt den Bau eines Biomüllkraftwerks auf dem Areal der MVA Stellingen, zuzüglich mehrerer Gasmotoren auf dem Gelände. Angestrebt werde auch die Einbeziehung der Abwärme der Kupferhütte Aurubis.

Laut Kerstan steht die Stadt unter Zeitdruck, da alternativen Erzeugungsanlagen bis Ende 2021 in Betrieb sein müssten. Dennoch will die Stadt zur Klärung der vielen technischen und anderen Einzelfragen noch mehrere Gutachten einholen. Unter anderem soll dabei auch die von Vattenfall angekündigte Ertüchtigung des alten Kohlekraftwerks Wedel für 83,5 Millionen Euro untersucht werden.

Umstellung „in kleinen Schritten“

Experte Stephan Richter, Chef des Ingenieurbüros GEF, verwies indes auf technische Beschränkungen des vorhandenen Fernwärmenetzes. „Wenn alle Leitungen erneuert werden sollen, müsste Hamburg jahrelang seine Straßen aufreißen.“ Richter plädierte für eine vorsichtige Umstellung „in kleinen Schritten“, etwa durch Einspeisung von Industrieabwärme.

Hansewerk-Vorstand Udo Bottländer brachte den Quickborner Versorger als Partner im neuen Hamburger Fernwärmenetz ins Spiel. Hansewerk könne Blockheizkraftwerke und Gasmotoren betreiben und damit den CO2-Ausstoß um 40 Prozent senken. Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth zeigte sich grundsätzlich offen für alternative Modelle, wollte aber auch das Gaskraftwerk in Wedel noch nicht zu den Akten legen: „Auch das bleibt eine Option.“

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erstellt am 24.Feb.2016 | 10:00 Uhr

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