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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Landesbeste hat in Wedel gelernt : Top-Goldschmiedin auf der Walz

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Anna Bienkowski hat in Wedel gelernt, ist jetzt auf Reisen und kehrt zurück, um eine Auszeichnung in Empfang zu nehmen.

Wedel | Gesellen auf der Walz sollen sich ihrem Ausbildungsbetrieb nicht mehr als 50 Kilometer nähern. Diese Regel wird Anna Bienkowski brechen müssen. Denn die ehemalige Auszubildende des Goldschmiedehauses Wedel, die derzeit auf Walz ist, wird in Lübeck als „Beste Auszubildende des Goldschmiedehandwerks in Schleswig-Holstein“ ausgezeichnet. Da wird es schwer, die 50-Kilometer-Distanz zu ihrem Ausbildungsbetrieb einzuhalten, zumindest während der An- und Abreise.

„Erfahren habe ich von der Auszeichnung erst vor Kurzem, aber einer der Prüfer hatte mich schon im Januar, direkt nach dem Bekanntgeben der Ergebnisse darauf hingewiesen, dass im Handwerk ein solcher Leistungsvergleich üblich sei, und mein Stück dort eventuell ausgezeichnet werden könnte“, berichtet die gebürtige Halstenbekerin Bienkowski. Für ihre Gesellenprüfung fertigte sie einen Schmuckanhänger mit Verschluss, bei dem sich Elemente austauschen lassen. „Ich war sehr, sehr zufrieden mit meinem Gesellenstück, aber die konkrete Bewertung mit 99,25 Prozent hatte mich dann doch etwas überrumpelt“, so die 24-Jährige.

„Man hat schon ein Gefühl dafür, ob ein Stück gut ist, und das war es. Aber man kennt die anderen Arbeiten ja nicht“, sagt Goldschmiedemeister Frank Zemke. Während es für Bienkowski die erste Auszeichnung ist, kann er bereits auf drei Lehrlinge zurückblicken, die Landessieger wurden. Er selbst gewann sogar den Bundeswettstreit. „Das ist aber so lange her, dass es nicht mehr zählt“, sagt Zemke lachend. Insgesamt 50 Stunden durfte Bienkowski in die Herstellung investieren. „Wie viele Stunden ich in dem Jahr davor an dem Design gezeichnet oder über die Funktion des Verschlusses nachgedacht habe, kann ich selbst nicht einschätzen“, sagt die Gesellin auf Wanderschaft. Daher habe sie auch nie über eine mögliche Auszeichnung nachgedacht: „Während der Prüfungszeit lag meine Aufmerksamkeit vollends auf dem Zeichnen von Skizzen und Planen des Stückes. Außerdem standen für mich das Ende der Lehre und die Frage nach der Zukunft im Vordergrund.“

Mit diesem Schmuckstück überzeugte Anna Bienkowski.
Mit diesem Schmuckstück überzeugte Anna Bienkowski. Foto: Fröhlig
 

Ihre Zukunft sieht sie darin, Erfahrungen zu sammeln. „Ich habe seit März schon einige Städte bereist. In Oldenburg, Leipzig, Celle und Langenburg bei Schwäbisch Hall habe ich bereits gearbeitet“, berichtet Bienkowski. Sie reiste durch Rumänien und Österreich, wo sie auf einer Marillenfarm Unterkunft bekam. In Mecklenburg-Vorpommern half sie beim Aufbau eines Festivals. „Man kommt schon weit herum bei dieser Form des Reisens“, sagt Bienkowski. Unterkunft findet sie bei Goldschmieden, aber auch bei Menschen, die sie trifft. „Mir wird so viel Hilfsbereitschaft, Vertrauen, Interesse und Freundlichkeit entgegengebracht, dass ich immer staune. Mein Weg ist gepflastert aus herzlichen Begegnungen“, freut sich die 24-Jährige. „Jeder Betrieb ist mit anderen Werkzeugen ausgestattet, dadurch lerne ich gerade neue Arbeitsmethoden kennen“, berichtet sie von ihrem Arbeitsalltag. Auch die Zusammenarbeit mit mehreren Kollegen sei spannend. „Aber der entscheidende Unterschied ist die Art des Schmucks, die eine Goldschmiede anbietet. In der Goldschmiede Zemke liegt der Schwerpunkt auf hochwertigen Einzelanfertigungen, ich konnte sehr kreativ arbeiten und mir Zeit für Details nehmen. Das ist nicht überall so.“

Ihre Reise ist noch nicht zu Ende. Göttingen, Freiburg, Aachen, Darmstadt, Marburg stehen noch auf ihrer Liste. „Ich möchte gern die traditionellen drei Jahre und einen Tag reisen“, sagt Bienkowski. „Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Ich hoffe, dass ich mit ganz neuen Eindrücken und Ideen zurückkommen werde, die in diese Entscheidung mit einfließen“, so die selbstbewusste Gesellin. „Ihr steht die Tür immer offen“, sagt Zemke, der sich auf das Wiedersehen bei der Preisverleihung in der Handwerkskammer Lübeck freut. Er unterstützt Bienkowski bei ihren Plänen und ist sicher: „Sie hat auch beim Bundeswettbewerb Chancen auf den Sieg.“ Die Preisverleihung würde im kommenden Jahr in Frankfurt stattfinden. Das würde fast perfekt zu den zukünftigen Reisezielen passen.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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