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Wedel-Schulauer Tageblatt

02. Dezember 2016 | 23:28 Uhr

Bürgermeisterwahl in Wedel : Teil 3: Der Kandidaten-Check

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Drittes und letztes Fragen-Duell zwischen Amtsinhaber Niels Schmidt und Kontrahentin Claudia Wittburg.

Kurz vor der Wahl: Wie beurteilen Sie die Stimmung in der Bevölkerung?

Claudia Wittburg: Ich spüre einen starken Wechselwillen in Wedel. Auch wenn mich viele Wedelerinnen und Wedeler gerade erst kennen lernen, wurde mir sehr viel Vertrauen entgegengebracht. In unserer Stadt wartet unglaublich viel Energie auf einen Neuanfang, diese müssen wir nutzen, um unsere Rolandstadt noch besser und familienfreundlicher zu machen. Niels Schmidt: Ich bekomme sehr viel Zuspruch und positive Rückmeldungen und bin sehr zuversichtlich. Aber als Kandidat kann man das selbst nur schwer beurteilen.

 

Wird genug für die Integration von Flüchtlingen in Wedel getan?

Wittburg: Nein. Denn ohne die ehrenamtliche Hilfe sähe Wedel ganz schön schlecht aus. Jede ehrenamtliche Hilfe, nicht nur in der Flüchtlingsarbeit, müssen wir erhalten, fördern und honorieren. Zudem gibt es keine zentrale Anlaufstelle für die integrativen Hilfestellungen. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer organisieren sich ganz toll in den sozialen Medien. Besser wäre jedoch eine städtisch organisierte Anlaufstelle/Datenbank, in der Angebote und Gesuche aufgegeben und gefunden werden können. Schmidt: Dank des großen ehrenamtlichen Engagements vieler Wedelerinnen und Wedeler und der richtigen Entscheidung, einen Schwerpunkt der Integrationsarbeit an der Volkshochschule zu bilden, sind wir hier gut aufgestellt.

 

Welche Konzepte haben Sie, falls Wedel die Möglichkeiten der dezentralen Flüchtlingsunterbringung ausgehen?

Wittburg: In Berlin wurde ein tolles Konzept umgesetzt: Günstig und schnell, funktionale und schöne Bauten, die langfristig für verschiedenste Familienmodelle genutzt werden können. Den geplanten Unterkunftsbau am Steinberg mit vorwiegend Einzelzimmern empfinde ich als zu kurzfristig gedacht. Auch für eine anschließende Nutzung zum Beispiel für den sozialen Wohnungsbau. Bei der Planung von Flüchtlingsunterkünften muss vor der Beschlussfassung mit den Bürgern geredet werden. Schmidt: Unser Kern-Problem: Wir bekommen keine verlässlichen Zahlen für die Zukunft. Bis jetzt haben wir die Dinge gut im Griff und planen auch etwas größere Einheiten. Diese werden dann auch stärker betreut. Aktuell merkt man kaum, wie viele Menschen aus fremden Ländern bei uns schon eine neue Heimat gefunden haben, und das soll auch möglichst so bleiben. Belegungen von etwa Sporthallen oder Schulen, die dann nicht mehr für alle Wedelerinnen und Wedeler zur Verfügung stehen können, lehne ich ab.

 

Wie stark kann und muss sich die Stadt in Sachen Kulturförderung engagieren?

Wittburg: Es braucht eine zentrale Plattform unter der Schirmherrschaft der Stadt Wedel. Wedel muss nicht alles aus dem eigenen Haushalt finanzieren, sondern kann hier sein Know-how bündeln und weitergeben. Es gibt viele Menschen, die sich gern einbringen möchten, auch finanziell. Wenn hier ein Netzwerk geschaffen wird, können materielle und immaterielle Güter den Kulturprojekten zu Gute kommen. Wedel kann dann auch die Kontakte zu Förderadressen weitergeben und bei der Antragsstellung helfen. Schmidt: Eine eigene lebendige Kulturszene trägt viel zur Identität einer Stadt bei. Deshalb liegt es im Interesse der Stadt, diese auch zu fördern. Vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Finanzmittel brauchen wir uns mit unseren Bemühungen nicht zu verstecken.

 

In welchem Bereich würden Sie sich mehr eigenständige Entscheidungsgewalt für die Verwaltung wünschen?

Wittburg: Hier möchte ich ein konkretes Beispiel aus dem Wohnungsbau anbringen: Investoren wollen an der Holmer Straße günstigen Wohnraum realisieren, welchen Wedel dringend benötigt. Die Landesplanung lehnte wiederholt ab. Hier wünsche ich mir kürzere, schnellere Entscheidungswege und mehr Entscheidungsgewalt für Wedel. Dieses Beispiel lässt sich übrigens auf viele Bereiche erweitern, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Schmidt: Eigentlich in jedem, denn man wird als Bürgermeister für viele Entscheidungen der Kommunalpolitiker in Mithaftung oder manchmal sogar allein in die Verantwortung genommen, obwohl man sie gar nicht getroffen hat. Doch das wäre nicht demokratisch, deshalb muss die Zusammenarbeit mit den Gremien gut und vertrauensvoll funktionieren, dann funktioniert auch die Kompetenzaufteilung.

 

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung?

Wittburg: Das Verhältnis ist in meinen Augen ausbaufähig. Es ist wichtig, einen unabhängigen, souveränen Bürgermeister zu haben, der gleichzeitig ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Politikern hat, die ihren Job schließlich ehrenamtlich zum Wohle der Stadt Wedel machen. Schmidt: Mir fällt auf, dass seit der letzten Kommunalwahl das Maß an Gemeinsamkeit in der Politik abgenommen hat und anstelle einer Vertrauenskultur zu oft Misstrauen herrscht. Da müssen wir zum Wohle der Stadt wieder besser werden. Ich werde meinen Teil dazu beitragen.

 

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung?

Wittburg: Ich würde mich weiterhin ehrenamtlich engagieren und dieses Engagement noch verstärken, dann ist dafür auch wieder mehr Zeit und Kraft übrig. Des Weiteren werde ich den Wedeler Einzelhandel ankurbeln, denn Zeit zum Shoppen hatte ich in den letzten Monaten, sehr zur Freude meines Ehemannes, nicht. Schmidt: Weil ich optimistisch bin, erwarte ich, dass dieser Fall frühestens in sechs Jahren eintreten wird. Deshalb mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Und dann wird sich etwas finden.
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