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Wedel-Schulauer Tageblatt

26. Mai 2016 | 18:27 Uhr

Bürgermeisterwahl in Wedel : Teil 2: Der Kandidaten-Check

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Verkehr, Belange der Senioren, Wedels Schullandschaft: Um diese und weitere wichtige Themen geht es heute im Fragen-Duell zwischen Amtsinhaber Niels Schmidt und Kontrahentin Claudia Wittburg.

Braucht die Stadt das Baugebiet Wedel Nord?

Claudia Wittburg: Ja, wir brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum. Wichtig ist an dieser Stelle jedoch, dass das Projekt ordentlich auf den Weg gebracht und begleitet wird. Fehlplanungen und Misswirtschaft können wir uns in Wedel nicht mehr leisten. Niels Schmidt: Ja. Im Hinblick auf den angespannten Wohnungsmarkt, der durch die Zuwanderung noch größere Herausforderungen bringen wird, kann Wedel-Nord eine deutliche Entlastung bringen. Aber vor der Entscheidung müssen die Folgekosten für die Stadt ermittelt und eine Lösung für die Verkehrsströme gefunden werden.

 

Stichwort Transparenz: Wie können Entscheidungen von Verwaltung und Politik nachvollziehbarer für die Bürger werden?

Wittburg: Der Teil der nichtöffentlichen Sitzungen hat zugenommen. Beschlussvorlagen werden ohne vorherige öffentliche Diskussionen erstellt. Wir müssen Wedels Bürgerinnen und Bürger stärker in politische Entscheidungen einbeziehen. Demokratie darf nicht abgeschafft, sondern muss von den Verantwortlichen gelebt werden. Der Ausbau der neuen Medien, runde Tische und Bürgerbefragungen sind sinnvolle Instrumente, um ein friedliches Miteinander zu ermöglichen. Immerhin geht es um unsere Stadt! Schmidt: Beim Informationsfluss spielen beide Seiten eine Rolle: Absender und Empfänger von Informationen. Entscheidungen werden leichter nachvollziehbar, wenn man mal regelmäßig Zeitung liest. Für Transparenz sorgt auch unsere Internetseite, und wir organisieren Veranstaltungen. Wer an den Baustellenführungen am Schulauer Hafen teilgenommen hatte, fühlte sich gut informiert. Leider schieben manche Menschen „mangelnde Transparenz“ vor, wenn ihnen in Wirklichkeit die Richtung einer Entscheidung nicht passt.

 

Was muss wie in Sachen Verkehr angepackt werden?

Wittburg: Ich werde mich für ein neues Verkehrskonzept einsetzen. Hierzu gehören eine zweite S-Bahn-Station in Wedel, ein regelmäßiger Shuttle zum Bahnhof Pinneberg, dichtere innerstädtische Busverbindung und das Anfahren der Neubaugebiete. Zudem setze ich mich für sichere Schulwege ein, hier hat Wedel Nachholbedarf. Die Nordumfahrung muss mit dem sinnvollsten Konzept für alle Beteiligten angepackt werden, Wedel darf jedoch nicht allein die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur tragen. Schmidt: Thema Nr. 1 bleibt die Entlastung der Altstadt und gegebenenfalls die Erschließung von Wedel-Nord. Hier kommt es entscheidend auf die Nordumfahrungs-Trasse an. Thema Nr 2: Weniger Autoverkehr – mehr Radfahrer, Fußgänger und  ÖPNV. Dazu müssen Radwege in Schuss gebracht und das interessante Radwegekonzept umgesetzt werden. Das alles muss man bezahlen können – hier lag zuletzt der Hase im Pfeffer. Nach der Wahl werde ich mit dem ADFC besprechen, wie wir gemeinsam die Dinge voranbringen können.

 

Sind die Belange von Senioren genügend berücksichtigt in Wedel?

Wittburg: Für Wedels Senioren ist es wichtig, dass das Seniorenbüro im Rathaus erhalten bleibt, damit sie hier einen Ansprechpartner vorfinden. Viele Senioren sind auf den Bus angewiesen. Einige Wohngebiete werden nicht, andere nur selten von Bussen angefahren. Die Buslinien müssen effektiver werden. Zudem ist eine Barrierefreiheit vielerorts nicht gegeben. Beispielsweise ist es für Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte ohne großen Umweg nicht möglich, vom Elbwanderweg weiter zum Willkommhöft zu gelangen. Schmidt: Man kann als älterer Mensch gut in Wedel leben. Die Stadt bietet Sicherheit, eine gute soziale Infrastruktur und vielfältige Möglichkeiten für Aktivitäten. Die Stadt Wedel hat die Belange der Senioren bisher gut im Blick.

 

Würden Sie Wedel als kinder-/familienfreundliche Kommune bezeichnen?

Wittburg: Was die äußeren Lebensumstände angeht, fühlen sich Familien sicher wohl in Wedel. Bei dem Themen Kita-Gebühren, Schul- und Radwegen, Schulsituation und bezahlbarer Wohnraum besteht jedoch dringend Handlungsbedarf. Bei den Betreuungskosten steht Wedel bundesweit mit an der Spitze. Einige Familien haben bei der letzten Erhöhung und Kürzung der Betreuungszeiten resigniert und sind Richtung Hamburg abgewandert. Das darf nicht passieren. Ich möchte, dass Familien entlastet und wertgeschätzt werden. Schmidt: Ja, denn auch unabhängige Fachleute loben unsere hohe Qualität bei Schulkindbetreuung,  Kita-Versorgung und Ganztagsschule. Ja, noch lässt sich manches verbessern,  aber die heftige Kritik jetzt zur Wahl geht an der Realität vorbei. Das gilt auch für die Höhe der Kita-Beiträge. Natürlich ist die Belastung der Eltern gerade im Vergleich zu Hamburg hoch. Aber hier ist eindeutig das Land in der Pflicht und im Wort – als Stadt können wir die Folgen gebrochener  Zusagen des Landes nicht ausgleichen.

 

Sind Wedels Schulen fit für die Zukunft?

Wittburg: Nein, auch wenn in den letzten Jahren viel passiert ist. Das ist ein ständiger Prozess, es muss regelmäßig investiert werden. Die Angebote im IT-Bereich müssen dringend modernisiert werden. PCs, Internet und Beamer sollten eine Selbstverständlichkeit an Schulen sein. Unterricht in Containern und überfüllte Klassen darf es nicht mehr geben. Die Wartelisten der Schulkindbetreuungen sind viel zu lang. Eine vorausschauende Planung im Austausch mit Lehrern und Schülern schafft hier eine gute Basis. Schmidt: Nach derzeitigem Stand sind die Schulen gut in Schuss, weil wir in den vergangenen Jahren viel investiert haben und weitere Verbesserungen schon angeschoben sind. Insbesondere gilt das für den Ganztagsbetrieb. Aus der Erfahrung der Dynamik in der Vergangenheit, werden weitere Herausforderungen auf Wedel zukommen – und wir werden sie bewältigen.

 

Hat sich Wedel zu weit zurückgezogen bei der Sportförderung?

Wittburg: Auch in Zeiten einer schlechten Haushaltslage darf sich Wedel nicht aus dem Förderbereich zurückziehen. Sport darf nicht zum Luxusgut werden, besonders für Senioren, Familien und sozial Schwächere. Der Gedanke einer zentralen Plattform für Anbietende und Förderer kann auch hier aufgegriffen werden. Das Thema Integration wird durch Sport gestärkt. Gleichzeitig müssen ebenfalls geeignet Konzepte in Zusammenarbeit mit Bund und Land erarbeitet werden. Schmidt: Auch von Betroffenen wird man dazu unterschiedliche Antworten hören. Für mich ist jedenfalls auf diesem Feld eine Grenze erreicht. Weitere Kürzungen möchte ich nicht vorschlagen.

 

Wird genug für die Integration von Flüchtlingen in Wedel getan?  Wie steht es  um das Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung? Lesen Sie Freitag den letzten Teil des Fragen-Duells der Bürgermeisterkandidaten im Tageblatt.

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