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Wedel-Schulauer Tageblatt

05. Dezember 2016 | 09:37 Uhr

Stürmisch-virtuose Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Schleswig-Holstein Musik Festival Das Publikum feiert The Philharmonics im Haseldorfer Rinderstall

Wenn kratziger Jazz auf korrekte Klassik trifft, gefühlvolle Romantik auf feurigen Tango, dann sind The Philharmonics am Start: ein kammermusikalisches Ensemble aus Weltklasse-Musikern, unter anderem von den Wiener Philharmonikern, mit einem kunterbunten Repertoire aus Klassik, Broadway-Hits und Pop – zum Teil alles gleichzeitig in eigens bearbeiteten Arrangements. Wie das klingt, erfuhren die Zuhörer des Schleswig-Holstein Musik Festivals in Haseldorfs Rinderstall am Donnerstagabend.

Der Komponist Joseph Haydn, der dieses Jahr den Schwerpunkt des Festivals bildet, hatte dabei eine eher untergeordnete Rolle. Der erste Violinist Tibor Kovác, der durch das Programm führte, erläuterte: „Wir machen eine Gegenüberstellung.“


Die verrückte Mischung kommt beim Zuhörer an


Kontrast war das Stichwort des Abends. Mit seinen sechs Kollegen Roman Jánoska (Violine), Thilo Fechner (Viola), Stephan Koncz (Cello), Ödön Rácz (Kontrabass), Daniel Ottensamer (Klarinette) und Frantisek Janoska (Klavier) spielte Kovác jeweils Haydn-Stücke an – nur um sie dann mit stilistisch völlig gegensätzlichen Werken in Verbindung zu bringen. Etwa die Sinfonie Nr. 101 (Hob. I:101), auch genannt „die Uhr“, mit einem rumänischen Werk mit gleichem Titel, Grigorias Dinicus „Hora di Mars (The Clock)“. Während in Haydns Stück das gnadenlose Ticken der großen Standuhr gar nicht zu überhören war, kam das moderne Stück sehr viel wilder mit volkstümlichem Charakter daher. „Wir spielen eine klassische Rolex und dazu eine rumänische Swatch“, scherzte Kovác.

Diese verrückte Mischung kam beim Publikum grandios an. Kleine Abkühlungen wie die Blumenarie aus Bizets „Carmen“ oder Gershwins „Summertime“ waren eher eine Ausnahme: Besonders die rhythmischen und stürmischen Werke – Jazz, Swing, Volkstänze – sorgten für Bravorufe und sogar spontanen Zwischenapplaus. Zum Beispiel bei der eigenen „K  &  K Rhapsodie“, nur bestehend aus musikalischen Zitaten, die in ein aberwitziges Tempo münden, oder Artie Shaws „Swing Time“ mit einem virtuosen Solo von Janoska.

Die Musiker stellten aber nicht nur ihre perfekte Technik zur Schau, sondern zeigten vor allem eins: ansteckende gute Laune. Sie alle gingen mit der Musik mit – Klarinettist Ottensamer riss es öfter fast vom Stuhl – und spielten sich mit einem Lächeln im Gesicht Bälle zu. Denn die cleveren Arrangements ließen jeden einzelnen solistisch hervortreten.
Die außergewöhnliche Kombi der Philharmonics, die laut Programmheft die seltene Gabe besitzt, Klassikliebhaber und U-Musik-Fans in einem Konzert zu vereinen, lockte erneut die Scharen nach Haseldorf: Kaum ein Platz blieb unbesetzt. Und wer den Abend noch einmal Revue passieren lassen möchte, der findet auf Youtube so einige der rasanten Lieder wieder.



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