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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 07:14 Uhr

Stadtwerkekunde zahlt nicht – für zwölf Jahre

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs / Forderungen großteils verjährt

Die Geschichte klingt unglaublich: Zwölf Jahre lang haben die Stadtwerke Wedel ein Einfamilienhaus in der Rolandstadt mit Strom, Gas und Wasser beliefert, ohne dass ein Cent an den Versorger zurückgeflossen ist. Möglich war dies, weil schlicht vergessen wurde, die installierten Zähler zu erfassen. Die Folge: Die Stadtwerke wussten nichts von ihrer Frei-Haus-Lieferung. Und es gab auch seitens der Bewohner keine Hinweise. Bis Herbst 2014. Seither befasst sich das Energieunternehmen mit dem ebenso kuriosen wie komplizierten Fall, in den sich nach Anzeige im Dezember 2014 auch die Staatsanwaltschaft Itzehoe eingeklinkt hat.

Der Vorwurf lautet Betrug zum Nachteil der Stadtwerke Wedel durch Bezug von Leistungen, die nicht bezahlt wurden, wie Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Und es gibt laut Müller-Rakow noch einen weiteren Vorwurf: den des Prozessbetrugs in Zusammenhang mit einem Vergleich in einem Familienrechtsstreit.

Stadtwerke-Justiziarin Agnes Fricke erklärt: Zwar bestehen Forderungen ihres Unternehmens für die Lieferung von Wasser und Energie gegen ein Ex-Ehepaar. Nach dessen Trennung aber sagt jener Vergleich, dass allein die Frau die Verbrauchskosten für das Haus im relevanten Zeitraum tragen soll. Forderungshöhe: 27  505 Euro.

Dies entspricht mitnichten dem Preis für das, was die Stadtwerke tatsächlich geliefert haben. Laut Fricke habe der Versorger lediglich den Zeitraum innerhalb der zivilrechtlichen Verjährungsfristen in Rechnung gestellt. Das sind die Jahre 2011 bis 2014. Alles davor sei verjährt – es sei denn, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden tatsächlich ergeben, dass es sich um ein Delikt mit Vorsatz handele. „Dann würden wir noch weitere Forderungen geltend machen“, so Fricke. Gebaut und angeschlossen wurde das Haus im Jahr 2002. Baustrom wurde da laut Fricke noch abgerechnet – mehr nicht.

Aktuell jedoch gebe es keine Anzeichen, dass unrechtmäßig Strom entwendet wurde, erläutert die Juristin mit Hinweis auf das Versäumnis, das beim Versorger selbst liegt: die vergessenen Zähler. „So etwas darf nicht passieren, ist es aber. Das ist letztlich menschlich“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Natali Steffen. Schließlich gebe es 43  000 Zähler im Konzessionsgebiet Wedel, Hetlingen, Holm und Haseldorf.

Fricke indes verdeutlicht: „Unser Anliegen ist es, unser Geld zu bekommen, und nicht, dass strafrechtliche Konsequenzen aus dem Fall folgen.“ Zumal diese nicht zwingend zur Folge hätten, dass auch für die Zeit vor 2011 Strom, Gas und Wasser gezahlt werden müssen. Bislang allerdings fließt gar kein Geld. Stattdessen gebe es Verhandlungen mit dem Wedeler und den Anwälten seiner Ex-Frau. Sollten diese nicht fruchten, werde man selbst gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen, um zumindest die Ansprüche innerhalb der Verjährungsfrist durchzusetzen, so Fricke.

Fraglich ist indes, ob nicht auch für ein weiteres städtisches Unternehmen finanzieller Schaden entstanden ist: die Stadtentwässerung. Auf Nachfrage erklärte Werkleiter Uwe Harms gestern Mittag, ihm sei der Fall so nicht bekannt. Generell beziehe sein Unternehmen jedoch die Daten der Wasserlieferung von den Stadtwerken, um Abwassermenge und entsprechende Gebühren berechnen zu können. „Wenn diese Daten nicht vorliegen, kann das auch nicht erfasst sein“, so Harms. „Wir werden das prüfen.“

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erstellt am 23.Apr.2016 | 16:00 Uhr

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