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Wedel-Schulauer Tageblatt

08. Dezember 2016 | 21:12 Uhr

Spannende Reise in die Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ausflug Neun Ferienkinder der Holmer Betreuungsschule besuchen das Heimatmuseum / Zwischen alten verstecken sich neue Geräte

Manchmal liegt das Ferienabenteuer direkt vor der Haustür. Dieter Herrmann, Vorsitzender des Förderkreises Kultur und Brauchtum in Holm, lud die Sommerkinder der Betreuungsklasse jetzt ins hiesige Heimatmuseum ein. Für die neun Mädchen und Jungen wurde es ein unterhaltsamer Ausflug, weil sich der Besuch fernab jeglicher staubtrockener Wissensvermittlung als lebendige und spannende Reise in die Vergangenheit entpuppte. Nicht nur die Sieben- bis Zehnjährigen hatten ihren Spaß. Auch Herrmann war begeistert von dem Interesse der jungen Museumsgäste.

Mit einer pfiffigen Idee hatte der Vorsitzende den Besuch allerdings auch gut vorbereitet. In den verschiedenen Bereichen des Museums waren moderne Gegenstände versteckt, die es aufzuspüren galt. In der Waschabteilung beispielsweise konnte neben Soda und Asche ein Vollwaschmittel entdeckt werden, im Hökerladen befanden sich Cola und Fischstäbchen, moderner Rasierschaum ersetzte Rasierseife und Rasierpinsel. „Das Telefon mit Wählscheibe musste für den Vergleich zum Handy herhalten“, berichtet Herrmann. Darüber hinaus verbarg sich ein Taschenrechner in der Nähe einer alten mechanischen Rechenmaschine und auch in Haushaltsdingen wurde den kleinen Besuchern der Segen der Moderne sinnlich vor Augen geführt: Im Umkreis eines mit heißer Glut zu befüllenden, schweren, gusseisernen Bügeleisens war ein neues, leichtes, elektrisches platziert. „Es war toll, alles wurde entdeckt“, resümiert Herrmann zufrieden.

Ein Poesiealbum von 1906 zog die Kinder besonders in Bann. Der Dichter und Lehrer der Holmer Grundschule Heinrich Eschenberg schrieb darin seiner Schülerin Alma Kleinwort einen besonderen Vers hinein. Was heute über Facebook und Whatsapp verhandelt wird, fand damals in hübschen gebundenen kleinen Büchern seinen Platz, erfuhren die Ferienkinder. In der Ecke der Freiwilligen Feuerwehr wurde insbesondere der Begriff „freiwillig“ hinterfragt. Die Kinder erfuhren, dass Feuerwehrkameraden helfen, ohne Geld dafür zu bekommen, und dass nur so eine moderne Gesellschaft funktioniert, erläutert Herrmann.


„Schuster, bleib bei deinen Leisten“


Auch die Schusterwerkstatt kam bei den jungen Besuchern gut an. Einige Kinder kannten bereits das Sprichwort „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Jetzt lernten sie den Hintergrund der Redewendung kennen. Sie erfuhren, was überhaupt ein Leisten ist und wie darauf ein Schuh entsteht. Betroffen nahmen sie zur Kenntnis, dass früher bitterarme Menschen oft gar keine Schuhe besaßen, berichtet der Vorsitzende. Lustig wiederum fanden sie die Eisennägel in der Sohle, die vor Abnutzung schützen sollten.

Die Sonderausstellung über die Holmer Flakstellungen und Bunker am Bredhornweg ließ die Betreuungsschüler noch einmal nachdenklich werden. Dass die Latrinen damals mitten auf dem Acker standen, amüsierte sie. Dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Bevölkerungszahl von etwa 800 auf zirka 1600 verdoppelte, beeindruckte hingegen sehr – und ließ die jungen Besucher Parallelen zur Gegenwart ziehen. Übertragen würde das bedeuten, heute 3500 Neubürger aufzunehmen, wurde errechnet. „Für viele sind 50 heute schon ein Problem“, betont Herrmann.  

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