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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Sommerlich heiter am Elbgestade

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Schleswig-Holstein Musikfestival Reichlich Applaus für das Bläserensemble „London Brass“ beim Konzert im Schuppen 1

„Willkommen in dieser schönen Sauna.“ So viel Deutsch brachte Andrew Crowley gleich zur Begrüßung des Publikums im Schuppen 1 über die Lippen. Er hatte noch ein paar Brocken mehr drauf. Deshalb fungierte der Trompeter zugleich als Moderator für „London Brass“, das traditionsreiche Bläserensemble, das an diesem Abend das Schleswig-Holstein-Musikfestival an den Elbstrand brachte.

Vor ihm hatte Christian Kuhnt bereits die „karibischen Verhältnisse“ in der Rolandstadt kommentiert. Der Festspiel-Intendant war womöglich der einzige im Schuppen, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Sakko trug. Er war nach Wedel gekommen, um einen doppelten 30. Geburtstag mitzufeiern: Sowohl die Musikerformation wie auch die Festspiele gibt es seit 1986.

Bürgermeister Niels Schmidt ließ sich den heißen Abend genauso wenig entgehen wie viele hundert Blechmusikfreunde aus Nah und Fern. Kaum ein Stuhl blieb unbesetzt. In der Pause drängten die meisten freilich zielstrebig auf den Deich, um etwas kühlende Brise abzubekommen. Viele blickten verstohlen neidisch zum Strand herunter, wo um 21 Uhr noch immer reger Badebetrieb herrschte.


Hitze macht auch den Musikern zu schaffen


Die beiden gleichzeitigen Attraktionen – hier Baden, da Musik hören – hatten sich auf viele Konzertbesucher freilich schon vor dem ersten Ton schweißtreibend ausgewirkt, denn so einem Ansturm waren die Parkplatz-Kapazitäten der näheren Umgebung nicht gewachsen. Folglich erreichten Spätkommende den Schuppen erst nach längerem Gewaltmarsch.

Selbst die Musikanten hatten mit einer nicht erwarteten Hitze-Konsequenz zu kämpfen: „Zwischen den Lippen und dem blechernen Mundstück der Instrumente muss es Reibung geben, aber leider wirkt der Schweiß wie ein Schmiermittel“, erläuterte Crowley das Phänomen. Die Profis wurden damit fertig. Eine Halbzeit lang transponierten sie Kompositionen des 16. bis 18. Jahrhunderts in ihr Genre. Natürlich auch ein Werk von Joseph Haydn, dem die diesjährige Retrospektive der Festspiele gewidmet ist. Zu hören war sein „Kaiserquartett“, Vorlage der deutschen Nationalhymne.

Nach der Pause ging es lautstärker weiter, denn dann kamen Werke an die Reihe, die speziell für Bläser komponiert sind. Viel Filmmusik war dabei, eine Spezialität der Londoner, die im Laufe der Jahrzehnte an vielen Leinwandhits mitgewirkt haben. Applaus gab es reichlich, nicht nur am Ende der jeweiligen Stücke, sondern auch immer, wenn die Musiker ihre Instrumente einen Augenblick lang absetzten. Crowley fand das in Ordnung: „Klatschen Sie ruhig, wann Sie wollen“, ermunterte er die Zuhörer. Es war ein heiterer Abend.




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