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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 19:25 Uhr

Shakespeare allein mit Frauen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Premiere Im Original spielten Männer alle Rollen, „Das Wintermärchen“ im Theater Wedel dreht den Spieß um – mit Erfolg

Wedel | „Bei uns sitzen Sie in der allerersten Reihe.“ Mit diesem Slogan wird das Theater Wedel aktuell für sein neuestes Stück. Am Sonnabend feierte das „Wintermärchen“ von William Shakespeare seine viel umjubelte Premiere am Rosengarten. Beim Betreten des Saals wurde den Besuchern sofort klar, dass der Slogan wörtlich zu nehmen war. Eine Arena diente als Kulisse für die Darsteller – links davon gab es ganz besondere Plätze für die Besucher, die damit auf der Bühne saßen. „Sie müssen nicht mitmachen. Aber mitfühlen, mitfiebern können Sie dort sicher noch ein bisschen intensiver als eh schon“, versprachen die Theaterverantwortlichen.

Das Wintermärchen soll etwa 1610 entstanden sein. In dem Stück geht es um Leontes, König von Sizilien, der seine schwangere Frau Hermione der Untreue mit ihrem gemeinsamen Freund Polixenes, dem König von Böhmen, verdächtigt. Er beauftragt Lord Camillo damit, Polixenes, der zu Besuch in Sizilien weilt, zu vergiften. Camillo verweigert den Gehorsam und Polixenes flieht.

Britta Meiners kämpfte als Zofe um das Leben und den Freispruch für Königin Hermione – ohne Erfolg.
Britta Meiners kämpfte als Zofe um das Leben und den Freispruch für Königin Hermione – ohne Erfolg. Foto: Fröhlig
 

Für den eifersüchtigen König eine Bestätigung seiner These. Daher lässt er seine Frau ins Gefängnis stecken, wo sie ihm eine Tochter gebiert. Lord Antigonus bekommt den Auftrag, dieses in der Wildnis auszusetzen. Als Hermione der Prozess gemacht wird, spricht das Orakel von Delphi sie von allen Anschuldigungen frei. Für seinen Sohn Mamilius ist der Prozess zu viel. Er stirbt aus Gram, was auch Hermiones Tod bedeutet.

Die Tochter von Leontes und Hermione wächst unter dem Namen Perdita bei den böhmischen Schäfern auf. Das junge Mädchen und Polixenes’ Sohn Florizel sind ineinander verliebt, er hält die unstandesgemäße Liebschaft aber vor seinem Vater geheim. Doch Camillo kommt den beiden auf der Suche nach der ausgesetzten Tochter des Königs auf die Spur.

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Für das diesjährige Weihnachtskinderstück im Theater Wedel gibt es noch Restkarten. Das Theater Wunderland spielt die Zauberflöte (Foto) nach Wolfgang Amadeus Mozart für Zuschauer ab vier Jahren. Die Vorstellungen am Mittwoch und Donnerstag, 21. und 22. Dezember, beginnen um 10.30 Uhr. Tickets kosten sieben Euro für Kinder, 9,50 Euro für Erwachsene. Sie sind dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr im Rosengarten 9 zu bekommen oder online. jac

„Nach Nathan der Weise war uns klar, dass wir nicht mit einem so großen Ensemble arbeiten können und wollen wie damals“, erläuterte Sabine Semprich, stellvertretende Vorsitzende des Theaters Wedel. Regisseur Günter Hagemann brachte eine besondere Idee ins Spiel. Da Shakespeare dafür bekannt war, alle Rollen in seinen Stücken nur mit Männern zu besetzen, drehte er alles um. „Er schlug vor, alle Rollen nur mit Frauen zu besetzten. Erst haben wir gezweifelt, aber die Idee haben wir dann umgesetzt“, erläuterte Semprich.

Doris Jankowski, Krista Kniel, Christine Küng, Britta Meiners, Barbara Michaeli, Andrea Speer und Erika Wildgruber bilden das Ensemble. Jede Darstellerin schlüpfte immer wieder in eine andere Rolle. „Bei Shakespeare kann man gut mit den Personen jonglieren, anders als beispielsweise bei Molière. Das Streichen, Zusammenschreiben oder anderes ist daher bei Shakespeare deutlich einfacher“, erläuterte Hagemann. Durch ständig wechselnde Kostüme und schnell zuordenbare Accessoires sorgte das Ensemble dafür, dass keine Verwirrung entstand.

Zwischendurch lockerten die Darsteller das Stück immer wieder mit humoristischen Elementen auf. Ein klingelndes Handy auf der Bühne. Ein Sandkuchen, der in der Hand entsteht oder moderne Aktenordner, die definitiv nicht in die Zeit des Stücks passten, sorgten erst für etwas Verwirrung, dann für viele Lacher und lockerten das doch sehr düstere Stück immer wieder auf.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 16:30 Uhr

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