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Wedel-Schulauer Tageblatt

29. März 2017 | 07:27 Uhr

Schimpfkanonade gegen Weinberg

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Bürgerproteste Herbe Kritik an Moorreges Bürgermeister wegen Abrissplänen für die alte Unterglinder Schule

Eine Stunde lang beherrschten Besucher die Sitzung des Moorreger Bau- und Umweltausschusses. Lautstark und in der Wortwahl nicht zimperlich machten sie ihrem Unmut Luft. Es ging um Pläne der Gemeinde, die alte Unterglinder Schule einem Investor zu überlassen. Diese Pläne standen eigentlich erst am Schluss der Tagesordnung, als nicht öffentlicher Punkt. Aber es war längst genug davon durchgesickert, um sowohl die Mieter der Niedrigpreiswohnungen in dem alten Gemäuer als auch zahlreiche Nachbarn in Rage zu bringen. Sie fühlten sich „veräppelt“, „belogen“, „hintergangen“. Auch von „Frechheit“ war die Rede. Ihr Zorn richtete sich vor allem gegen Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU). Eine Einwohnerin, die sich wie viele im Dorf bisher mit dem Verwaltungschef geduzt hat, verlangte in ihrer Wut, ab sofort mit „Sie“ und Nachnamen angesprochen zu werden.

Was die betroffenen Moorreger besonders wurmte war, dass der Bürgermeister sie noch bis vor wenigen Tagen im Unklaren über den Stand der Verkaufsvorbereitungen gelassen habe. „Ein Heizungsmonteur, der bei uns Reparaturen erledigte, wusste mehr als ich“, schimpfte eine Frau.

„Wir hatten Zusagen, dass wir da alt werden können“, erinnerten die Bürger. Sie hätten deshalb viel eigenes Geld in die Hand genommen, um das Bauwerk in Schuss zu halten. „Von ‚marode‘ kann deshalb gar keine Rede sein“, empörte sich eine Mieterin, die seit 38 Jahren in der alten Schule wohnt, über Behauptungen aus der Verwaltung.

Nicht nur die Ängste um die eigene Wohnung als unsicher gewordene Lebensmitte kamen zur Sprache. Eine Nachbarin sorgte sich um eine „herrliche alte Eiche“, die zwar auf ihrem Grundstück stehe, aber in das Gelände der ehemaligen Schule hineinreiche. Eine andere fürchtete um ihre Zimmervermietung, die etwa die Hälfte ihres Lebensunterhalts einbringe und die unter dem Lärm und Dreck der zu erwartenden Abriss- und Neubauarbeiten leiden werde. Außerdem fürchtete sie, es werde für ihre Gäste keine Parkplätze mehr geben.

Lautstarke Empörung brach aus, als der Investor und potentielle Käufer des städtischen Grundstücks unter den Besuchern ausgemacht wurde. „Der weiß also auch schon alles und wird sogar eingeladen, während man uns Betroffene im Unklaren lässt“, polterte die aufgebrachte Menge. Der Mann, der nicht einmal seinen Namen preisgeben wollte, hielt sich so bedeckt wie möglich. Alles sei noch in einem sehr frühen Planungsstadium, ließ er sich vernehmen.

Weinberg verwahrte sich mehrfach gegen den rüden Ton und vor allem gegen die Vorwürfe, er habe gelogen. Hier stand dann Behauptung gegen Behauptung, da es von den informellen Gesprächen natürlich keine Protokolle gab.

Als Ausweg aus diesem Dilemma forderte die SPD- Fraktion, die Öffentlichkeit zur eigentlichen Beratung der Angelegenheit zuzulassen. Dieser Antrag auf Änderung der Tagesordnung wurde allerdings abgeschmettert. Mit dem Trost, ein Investor könne ja nicht tun und machen, was er wolle, denn die Planungshoheit liege bei der Gemeinde, wurde die Öffentlichkeit deshalb entlassen, ehe ihr Thema zur Beratung kam.


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