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Wedel-Schulauer Tageblatt

26. April 2017 | 12:00 Uhr

„Richtig cool“: Premiere begeistert

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Völlig durchgeknallt“ Überzeugende Darsteller: Neues Stück im Theater Wedel wird mit frenetischem Applaus aufgenommen

Der jüngste Zuschauer fand das Stück richtig cool. Carik Inak gehört inzwischen zur Klasse 5  c des JRG (Johann Rist Gymnasium). „Da gibt es kein Mobbing“ erzählte er freudestrahlend, aber in der Grundschule habe er es am eigenen Leib erlebt. Es sei schlimm gewesen.

Auf der Bühne des Theaters Wedel hatten sich vorher Alina (Angelique Reese) und Moritz (Alexander Jakimcio) listenreich und sehr wirksam an ihrem Peiniger Mark (Anton Speer) gerächt, einem zugleich verhassten wie auch gefürchteten Klassenkameraden. Mark ist schließlich so verwandelt, dass selbst sein Superheld Tank (Matthias Ziegann), Marks erträumte Macho-Fantasie, die martialische Kriegerkluft abstreift und zum charmanten Kavalier wird.

Die meisten Theaterzuschauer waren wesentlich älter als Carik. Das hielt sie nicht davon ab, ihrem tosenden Schlussapplaus trampelnd und johlend Nachdruck zu verleihen. Ein Signal für die Vorstandsmitglieder, entspannt aufzuatmen. Ganz so sicher waren sie sich vorher nicht, wie ihr Publikum das Stück annimmt. „Wir haben nur 13 Aufführungen geplant“, verriet Schriftführerin Renate Steinbach. Normalerweise bringen die ambitionierten Laienspieler ihre Stücke mindestens 20 Mal auf die Bühne, damit sich die lange Probenzeit auch lohnt. Aber diesmal wollten sie nicht zu viel riskieren.


Drei Debüts und ein alter Hase


Warum die Besorgnis? „Völlig durchgeknallt“, die Komödie von Thomas Bleidiek, rühre Themen an, die vielleicht nicht für alle akzeptabel seien, so Steinbach. Alina ist farbig, und Moritz ist schwul. Deshalb hasst Mark beide und hänselt sie, wie er nur kann, von Tank immer aufs Neue aufgestachelt. Aber dann findet er sich eng umschlungen mit Moritz im Bett. Alina ist auch da und fabriziert schlüpfrige Andeutungen. Mark aber hat einen totalen Filmriss nach einer Klassenparty.

Dass Reese als Alina ihr Bühnendebüt gibt, ist ihrem überzeugenden Spiel nicht anzumerken. Anton und Alexander standen zwar schon ein paar Mal im Rampenlicht, aber immer nur stumm. Mark und Moritz sind ihre ersten Sprechrollen, die sie auch in den etwas intimeren Szenen mit jugendlicher Unbekümmertheit meistern. Andererseits: Dass Matthias Ziegann ein alter Hase ist, kommt seinem Tank sehr zugute. Theaterleiter Günter Hagemann führte wie immer versiert Regie.

Ein bisschen Kritik gab es nach dem letzten Vorhang doch noch: Das Stück mit nur einem Bühnenbild wurde nämlich nonstop gespielt. Manche regelmäßigen Theatergänger monierten das. Sie vermissten die Pause, in der sich im Foyer bei Sekt oder anderen Getränken so angenehm plaudern lasse. Einige entwickelten sogar Überlegungen, nach welchen Szenen eine Unterbrechung dramaturgisch gut gepasst hätte.

 

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