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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. Februar 2017 | 13:43 Uhr

Platt-Schnacker lernen schreiben

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Neues Projekt Unter der Schirmherrschaft der Elmshorner Speeldeel startet Lehrerin Elsbeth Kruse einen Sprachkursus

Plattschnacken – das ist für viele Menschen in der Region kein Problem. Aber wenn es um das Schreiben der niederdeutschen Sprache geht, wird es verzwickt. Das weiß auch Gerd Richert. Der langjährige ehemalige Vorsitzende der Elmshorner Speeldeel ist seit Jahrzehnten als Botschafter für die „Modersprook“, also die Muttersprache, unterwegs. Nun hat der Haselauer einen neuen Coup gelandet: Nach den Sommerferien soll es eine neue Gruppe geben, in der Plattdeutsch schreiben gelehrt wird. Dafür konnte er die ehemalige Leiterin der Grundschule Heist, Elsbeth Kruse, gewinnen.

Kruse spricht leidenschaftlich Plattdeutsch. Die Mathematikerin aus Seester ist mit Platt aufgewachsen, allerdings sprachen Eltern und Großeltern mit den Kindern stets Hochdeutsch – der Chancengleichheit in der Schule wegen. Die Lehrerin ist zwar im vergangenen Sommer mit 65 Jahren pensioniert worden. Dennoch zog es sie wieder in die Schule. In der Grundschule Moorrege leitete sie eine Arbeitsgemeinschaft (AG) für Plattdeutsch. Eine der AG-Teilnehmerinnen ist Nieke Kleinwort. Die Moorregerin ist so begeistert von der EU-Minderheitensprache, dass sie gleich bei der neuen Gruppe mitmachen möchte. Auch sie hat die gleichen Erfahrungen gemacht wie Kruse: Zu Hause wird Hochdeutsch gesprochen. Aber Uropa Hinrich Bevers aus Heist schnackt natürlich Platt mit ihr, wie die angehende Fünftklässlerin berichtet.

Mit an den Start gehen auch die „Jungen Platten“. Die Nachwuchstalente arbeiten seit längerer Zeit mit Richert, wie beispielsweise Merle Mohr. Die 18-jährige Haselauerin konnte sogar einen Landeswettbewerb für sich entscheiden, der 14 Jahre alte Momme Wulff wurde in diesem Jahr Dritter. Finn Beutler ist seit drei Jahren dabei. „Angefangen hat es mit Opa“, erklärt der Zwölfjährige. „Opa hat immer gesagt ‚Finn, das heißt nicht ja, das heißt jo‘“, berichtet er lachend. Die ersten Schritte machte der Schüler des Uetersener Ludwig-Meyn-Gymnasiums in der Platt-AG der Grundschule Haseldorfer Marsch. Seinen Freund Noah Lüchau hatte er schnell angesteckt. „Ich bin nur wegen Finn hier, er ist mein Kumpel“, gesteht der 13 Jahre alte Enkel von Haseldorfs Alt-Bürgermeister Heinz Lüchau (CDU).

Die Schreib-Treffen sollen in 14-tägigem Rhythmus stattfinden. Kruse und Richert hoffen auf Zuspruch aus allen Marsch- und Geest-Dörfern. Die Teilnahme an dem Projekt, das unter der Schirmherrschaft der Speeldeel steht, ist kostenfrei.

Eine erste Aufgabe hat das Kruse-Team, das noch durch die Haseldorfer Schülerin Nika Schmahl ergänzt wird, bereits: Die Beschriftungen der Exponate in der Historischen Sammlung Haselau werden um plattdeutsche Bezeichnungen ergänzt.

Da es keine offizielle plattdeutsche Schriftsprache gibt, soll so geschrieben werden wie gesprochen. Allerdings mit Hilfe des Sass – dem plattdeutschen Wörterbuch.

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