zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

27. April 2017 | 07:15 Uhr

Plan gegen Kraftwerksdreck steht

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kohlemeiler Wedel So will Vattenfall den Partikelauswurf stoppen / Gutachter-Dissens zur Gesundheitsgefahr dauert an

Ist bis Sommer endlich Schluss mit dem Kraftwerksdreck am Elbhochufer? In einem auf 19. Januar datierten Anwohner-Schreiben hat Kohlemeiler-Betreiber Vattenfall die Ergebnisse der Ursachenanalyse zum Partikelauswurf vorgestellt und Gegenmaßnahmen aufgezeigt, die bis August 2017 greifen sollen. Diese Frist hatte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) als zuständige Aufsichtsbehörde dem Energiekonzern gesetzt (wir berichteten). Unterdessen geht der Gutachter-Streit, ob eine Gesundheitsgefahr von dem Auswurf ausgeht, weiter.

Noch im Januar will Vattenfall laut der Anwohner-Information mittels Kalk-Eindüsung die Säurebildung im Rauchgas-Wärmetauscher, in dem die Partikel entstehen, unterbinden. Eine entsprechende Anlage sei bestellt und könne nach erfolgreicher Testphase im Juli in den Dauerbetrieb gehen. Ein Aerosolabscheider hinter der Rauchgasentschwefelung soll dafür Sorgen, dass keine Gipspartikel über Tröpfchen  /  Aerosole nach außen getragen werden. Noch während der Heizperiode soll ein Abscheider in einem Kraftwerksblock installiert werden. Bei erfolgreichem Betrieb wird der zweite Block im Sommer ausgerüstet. Zudem soll zwischen Mai und Juli die bereits vorgestellte Auskleidung der Schornsteine zur Verhinderung einer Anhaftung von Material an der Schlotinnenseite angebracht werden. Laut Ursachenanalyse kann sich angehaftetes Material bei Anfahren oder Lastwechseln der Kraftwerksblöcke lösen.

Vattenfall verweist darauf, dass eine Betriebszeit von einigen Monaten notwendig sei, um die Wirksamkeit der Maßnahme zu beurteilen. Für weitere Anwohnerinformationen hat der Konzern eine neue Internetseite eingerichtet.


Habeck: Kein Anlass für weiteres Gutachten


Unterdessen hat Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) Bürgermmeister Niels Schmidt informiert, dass sich die Einschätzung des LLUR, von den Partikeln gehe keine Gesundheitsgefahr aus, bestätigt habe. Dies sei das Ergebnis der Prüfung der Ökopol-Stellungnahme zum Partikelniederschlag aus dem Wedeler Kraftwerk, die das Unternehmen ATC im Auftrag des LLUR vorgelegt hatte. Wie berichtet hatte die Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ Ökopol daraufhin mit einem weiteren Gutachten zu einer möglichen Gesundheitsgefahr beauftragt. Das hatte ATC methodische Mängel attestiert und damit das Ergebnis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit infrage gestellt. Ökopols Empfehlung: Eine neue Untersuchung müsse her.

Habeck hatte darauf eine Prüfung möglicher methodischer Schwächen des ATC-Papiers zugesagt und gegebenenfalls neue Untersuchungen in Aussicht gestellt. In dem Schreiben an Schmidt heißt es nun seitens des Ministeriums: „Nach unserer Einschätzung lassen weitere Gutachten keinen Erkenntnisgewinn hinsichtlich der toxikologischen Relevanz der ausgeworfenen Partikel
erwarten, der zu einer abweichenden Bewertung führen würde.“

Ökopol-Experte Christian Tebert dagegen bleibt bei seiner Kritik an dem ATC-Papier und stellt seinerseits die Untersuchung seiner Bewertung durch das LLUR infrage. Zur Frage der Gesundheitsgefahr sagt Tebert: „Ich sage, sie besteht.“ Kritisch sieht er etwa den Umgang mit Nickel- und Arsenwerten. Zudem bemängelt Tebert weiter, dass Schwebstaub nicht analysiert worden sei. Auch bewertet er das Risiko durch die orale Aufnahme von Partikeln etwa durch Kinder auf Spielplätzen oder in Form von Anhaftungen etwa an Salatblättern anders als die ATC-Gutachter.

Grundsätzlich positiv sieht Tebert dagegen, dass nun konkrete Maßnahmen angegangen werden sollen. „Hauptsache, sie werden so schnell wie möglich umgesetzt“, so der Ökopol-Ingenieur gestern am Tageblatt-Telefon. Vor dem Hintergrund des gutachterlichen Dissenses begrüßte Tebert ferner, dass der Donnerstagabend beim Hamburger Energieforum begonnene Dialog zwischen seinem Institut, Vattenfall und dem Kieler Ministerium fortgesetzt werden solle. Siehe auch Seite 14


> www.vattenfall.de/transparenz-wedel.de

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 21.Jan.2017 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen