zur Navigation springen

Wedel-Schulauer Tageblatt

02. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Kein Internet-Filter ist perfekt : Offener Kanal Kiel informiert über Medienkompetenz

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Offener Kanal Kiel informiert beim „Filtercafé“ in der Wedeler Stadtbücherei über Schutzsoftware.

Wedel | Rassistische und pornografische Inhalte, illegale Downloads, Cybermobbing oder die Preisgabe persönlicher Daten – die Gefahren für Kinder bei der Nutzung des Internets sind vielfältig. Um den Eltern Sorgen zu nehmen und über geeignete Schutzmaßnahmen aufzuklären, öffnete am Sonnabend das „Filtercafé“ des Offenen Kanals Kiel in der Stadtbücherei. An fünf Computern und zwei Tablets konnten Eltern verschiedene Filterprogramme austesten, die die heimischen Mobilgeräte kindersicher machen sollen.

„Ein perfekter Schutz ist schwer zu definieren. Das ist jeweils abhängig von Eltern und Kindern“, sagte Henning Evers vom Offenen Kanal Kiel. „Wir sind daran interessiert, Medienkompetenz generell zu vermitteln.“ Sein Partner Johannes Karstens erläuterte: „Kinder sind sehr furchtlos im Umgang mit neuen Medien. Aus Sicht der Eltern ist das vielleicht oft gedankenlos. Doch eigentlich müsste sich der Erfahrungsschatz der Eltern und die Furchtlosigkeit der Kinder perfekt ergänzen.“

Die Problematik der Medienkompetenz kennt auch Andrea Koehn, Leiterin der Stadtbücherei Wedel, aus der Arbeit mit Schulen, wenn die Internetführerscheine abgelegt werden: „Die Vermittlung bleibt in der Schule auf der Strecke. Auf der einen Seite sind Handys in Schulen verboten, auf der anderen Seite setzen die Lehrer voraus, dass die Schüler mit Tablets und Mobilgeräten umgehen können.“ Zudem sei festzustellen, dass die Eltern der schnellen technischen Entwicklung zum Teil nicht folgen könnten. „Oftmals fehlt fundiertes Wissen. Der Schulungsbedarf ist eigentlich enorm“, erläuterte Koehn.

Doch auch die technischen Filter würden Entwicklungen hinterherhinken. „Wenn ich einen Filter auf dem Computer oder Tablet habe, ist es keine Zurücklehnen-auf-der-Couch-Funktion“, sagte Evers. Ähnlich wie Virenhersteller, die ein Update publizieren, sobald neue Schadsoftware auftauche, würden auch die Filterprogramme Seiten erst Sperren, wenn diese bekannt sind. „Die Hersteller hinken hinter der Entwicklung hinterher, weil sie nur reagieren und nicht proaktiv sind“, sagte Evers. Dafür müsste direkt nach Inhalten auf Webseiten gefiltert werden. So konnte trotz der Filter am Sonnabend ein Drogenshop aufgerufen werden. „Wir hätten da tatsächlich Koks bestellen können“, stellte Evers entsetzt fest.

Den Experten aus Kiel war klar: Den perfekten Schutz gibt es im digitalen Zeitalter nicht. Karstens riet: „Eltern und Kinder sollten von Anfang an miteinander reden. Das ist bei der Medienkompetenz der Schlüssel für mich. Vielleicht kann man dann ganz auf Filter verzichten.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 31.Okt.2016 | 12:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen