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Wedel-Schulauer Tageblatt

08. Dezember 2016 | 01:14 Uhr

Charakterköpfe und Gruppenwesen : Neue Ausstellung im Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Uschi Dechow und Jared Bartz zeigen Menschen – als Individuum und als Teil eines Ganzen.

Wedel | Die neue Ausstellung im Wedeler Rathaus „leben über all“, die die Künstler Uschi Dechow und Jared Bartz gemeinsam gestalten, wurde Mittwochabend von Ulrich Klövekorn, dem zur Zeit amtierendenden Stadtpräsidenten, eröffnet. Er freue sich immer, wenn die Wände des Rathauses verschönt und die Gedanken zwischendurch von der Politik abgelenkt würden, bekannte er, und schlug vor, die Flure zukünftig „Galerie im Rathaus“ zu nennen. Das klänge schön und würde das Rathaus aufwerten, das wolle er den Wedeler Politikern vorschlagen. Beifall gab es dafür von den Mitgliedern des Kulturforums, den Veranstaltern.

Dechow und Bartz, beide auch Mitglieder des Kulturforums, interessieren sich in ihrer Kunst für die Darstellung des Menschen. Die Grafikerin Dechow sieht ihn dabei  vorwiegend als Teil einer Gruppe, der Bildhauer Jared Bartz als Individuum.

Dechow lebt als freie Künstlerin in Hamburg und experimentiert in ihrer eigenen Werkstatt mit Hoch- und Tiefdruck, nutzt dabei unterschiedliche Techniken und Materialien. Ihre Ideen brauchen Zeit zum Reifen: „Ich trage einen Gedanken mit mir herum, und irgendwann kommt dann die Idee für die Grafik.“ Sie mag die Kombination aus Kunst und Handwerk, die für einen Druck nötig ist. Jeder Druck bedeutet individuelle Handarbeit, einen erneuten Farbauftrag, somit ist jeder ein Unikat. „Das macht für mich den Reiz aus“, sagt sie. Ihre Bilder heißen „All together“, „Alltag“ oder „Schritte“, stets sind die Menschen in Gruppen darauf zu sehen. Das Gemeinsame, der Zusammenhalt interessiert sie: „Teilen ist das neue Haben“, sagt Dechow.

Bartz lässt sich vom jeweiligen Material inspirieren. Einen Skizzenblock hat der in Wedel lebende Bildhauer  immer dabei, um schnell eine Situation, ein Gesicht festzuhalten. Das schneidet er seit Neuestem lautstark in Holz. „Ich hab gerade die Kettensägen-Reliefs für mich entdeckt“, sagt er begeistert. Der ausgebildete Architekt und Tischler arbeitet mit Stein, Ton, Bronze und Holz. Mit der Kettensäge erschafft er bei aller dem Werkzeug geschuldeten Grobheit enorm ausdrucksstarke Skulpturen und Reliefs. Sie heißen „Der letzte Zug“, „Jan Janssen“ oder „Hafenarbeiter“. Am liebsten nutzt Bartz Eichenholz, weil es am beständigsten ist und der Witterung widersteht. Ein schönes Kompliment für den Bildhauer während der Ausstellungseröffnung war der begeisterte Kommentar eines Besuchers zum „Hafenmeister“: „Ich hab selbst im Hafen gearbeitet. Die Skulptur trifft den Ausdruck des Arbeiters perfekt. Wenn ich Platz hätte, würde ich sie sofort kaufen.“

Dechows Grafik „Alltag“ ist im Hochdruckverfahren entstanden.

Dechows Grafik „Alltag“ ist im Hochdruckverfahren entstanden.

Foto: Falkenberg
 

Bartz’ neuestes Projekt: Im Auftrag der Stadt Hamburg soll er eine Skulptur des in Wandsbek begrabenen Dichters Matthias Claudius fertigen – aus dem Holz einer von zwei gefällten Linden, die an dessen Grab standen. Eine besondere Ehre für den Künstler, die ihn strahlen lässt. Die Ausstellung ist noch bis zum 27. Mai  im Wedeler Rathaus zu sehen.

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erstellt am 29.Apr.2016 | 14:00 Uhr

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