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Hohngelächter und Beschimpfung : Neubaugebietsplanung in Haseldorf: Der Bürgermeister steht in der Kritik

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Haseldorfer Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU) in der Kritik bei Informationsveranstaltung.

Haseldorf | Es war eine feindselige Menge von knapp 100 Haseldorfern, die sich zur Einwohnerbefragung im Neubaugebiet Bi de Feldmöhl versammelt hatte. So viele Plätze gab es nicht im extra aufgestellten Zelt. Viele standen sowieso lieber im Sonnenschein. Das schöne Wetter konnte die Stimmung nicht aufhellen. Sie machte sich in Hohngelächter und Schimpfkanonaden Luft. Mehr als einmal wurde Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU) als „Lügner“ tituliert.

Ein Plattdeutscher erntete anhaltenden Applaus mit seinem Ratschlag: „Uwe, sabbel nich so veel.“ Es ging um das umstrittene Projekt, ein Stück Wiese des Prinzen Udo von Schoenaich-Carolath-Schilden zu kaufen und als Baugebiet für etwa 50 Häuser zu erschließen. Wolfgang Rauchfuß vom Rellinger Ingenieurbüro Lenk und Rauchfuß erläuterte geduldig die Machbarkeitsstudie seiner Firma. Seine vor dem Zelt aufgestellte Zeichnung wurde aufs kritischste beäugt. Kein noch so kleiner Fehler, wie etwa ein falscher Buchstabe in einem Wegenamen, ging bei den Betrachtern durch.

Aber es war das Grundsätzliche, das die Leute so wütend machte. Kein einziger Bürger brach eine Lanze für das Baugebiet. Keiner hielt es für notwendig oder wünschenswert. Die Eile, mit der das Vorhaben durch die politischen Gremien gepeitscht werden sollte, begünstigte zudem misstrauische Spekulationen. „Der Bürgermeister ist doch nur die Marionette einer einflussreichen Person im Dorf“, hieß es etwa. Rundherum zustimmendes Kopfnicken. Einige nannten die Person beim Namen: „Der Prinz hat keinen Job, da braucht er eben Geld vom Steuerzahler“, wurde gelästert.

Thomas Hölck kanzelt Dorfchef ab

Schölermann wurde nicht müde, das Projekt als „Investition in die Zukunft“ zu rühmen. Fragen nach den Neben- und Folgekosten wurden laut. Es ging um Kita- und Schulplätze, um von Baufahrzeugen zerstörte Straßen und vieles mehr. Ob es neben der Machbarkeitsstudie auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gebe, wollte ein Fragesteller wissen. Der Bürgermeister bejahte, rückte aber keine Zahlen heraus. Da wurde es selbst dem Landtagsabgeordneten Thomas Hölck, der für die SPD auch im Haseldorfer Gemeinderat sitzt, zu bunt: „Das ist doch alles Blödsinn“, kanzelte er den Gemeindechef ab. Und auch er argwöhnte: „Das Dorf soll wohl eine Gelddruckmaschine für eine Persönlichkeit im Ort sein.“

Die stark vertretene neu gegründete freie Wählergemeinschaft „Bürger für Haseldorf“ (BfH) kündigte jedenfalls weiterhin erbitterten Widerstand gegen das Vorhaben an. Einem kleinen Jungen in der Menge wurde es schließlich zu öde: „Das ist doch langweilig. Können wir endlich gehen?“ bedrängte er seine Eltern. Wer wollte, konnte bleiben. Der Bürgermeister lud alle zum Umtrunk an bereitstehende Partytische ein.

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erstellt am 11.Apr.2017 | 16:00 Uhr

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