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Wedel-Schulauer Tageblatt

29. März 2017 | 03:39 Uhr

Neubaugebiet bewegt die Haseldorfer

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ausschusssitzung Mehr als 60 Zuhörer kommen

Anderthalb Stunden mussten die Besucher auf ihre Redechance warten, dann rief Gerhard Koopmann (CDU) Tagesordnungspunkt sechs auf, die Einwohnerfragestunde. Eine halbe Stunde bewilligte der Chef des Haseldorfer Bauausschusses für Fragen. Da murrten die mehr als 60 Bürger im Saal des Haseldorfer Hofs zum ersten Mal. Ganz so streng wurde die Zeit dann auch nicht eingehalten.

Den meisten Anwesenden ging es um den Grundstückskauf, der vorher eine Stunde lang hinter verschlossenen Türen beraten worden war, ein Gelände zwischen Kamperrege, Neuem Weg und Hauptstraße. Etwa 50 Bauplätze sollen geschaffen werden, so die Empfehlung der CDU-Ausschussmehrheit an den Gemeinderat. Für diesen nicht-öffentlichen Tagesordnungspunkt hatten die sechs Ausschussmitglieder sich zuvor in einen Nebenraum mit zugezogenen Vorhängen zurückgezogen. Die Menge blieb zurück. Sie erfuhr die Ergebnisse unter Auslassung aller beteiligten Namen nach der Rückkehr des Ausschusses in den Saal. Für die erwartete Konfrontation mit kritischen Fragestellern standen dem Ausschuss drei Mitarbeiter des Amts Geest und Marsch Südholstein (Gums) zur Seite.

Es gab rechtliche Fragen. Darf die Gemeinde überhaupt ein Grundstück für Bauplätze kaufen, ehe der Flächennutzungsplan entsprechend geändert wurde, war eine davon. Sie wurde bejaht, denn, so die Begründung, im vorliegenden Fall werde die Planänderung erst erforderlich, wenn ein Platz für Bauland da ist, also nach dem Kauf. Dasselbe gelte für den Bebauungsplan.

Den meisten Fragern ging es allerdings um praktische Aspekte. Sollen auch Parzellen für Gewerbe ausgewiesen werden, wollte ein Bürger wissen. Er müsse sonst mit seiner Firma nach Schenefeld umziehen. Der Ausschuss versprach, darüber nachzudenken. Der zu erwartende Baustellenverkehr machte vielen Sorgen, auch die zusätzlichen Autos nach dem Bezug der neuen Häuser, desgleichen der resultierende Zusatzbedarf an Kita- und Grundschulplätzen. Viele fürchteten sich außerdem vor horrenden Kosten für Infrastrukturmaßnahmen.

Manche Fragesteller gingen diplomatisch ans Werk. Daniel Kullig (Foto) begann mit Lob auf die Lokalpolitiker. Er finde es gut, dass die Gemeindevertreter sich Gedanken machen, statt voreilig Pläne aufzustellen oder zu verändern. Warum aber jetzt die Eile mit dem Ankauf, obwohl der Bedarf an Bauplätzen gar nicht sicher sei? Was ist mit dem Dorfentwicklungsplan, bohrte er weiter.

Am Bedarf für 50 neue Bauplätze zweifelten viele. Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU) hielt dem entgegen, man sei im Hamburger Speckgürtel und der wachse nun einmal. Als Koopmann schließlich das Ende der Fragestunde proklamierte, fühlten sich etliche Fragesteller düpiert. Sie hatten auf ihre Anfragen noch keine Antwort gehört. Einer von ihnen war Klaus-Dieter Sellmann, Vize-Chef der neu gegründeten Freien Wählergemeinschaft, der vorliegende Gutachten gegen weitere Baugrundstücke ins Feld geführt hatte. Schölermann kontere mit einem Gutachten mit Luftaufnahmen, das zu dem gegenteiligen Ergebnis komme.

Der Ausschuss empfahl mehrheitlich, den Flächennutzungsplan zu ändern und einen Bebauungsplan aufzustellen. Am Mittwoch, 15. März, werde der Gemeinderat endgültig über die Vorschläge des Bauausschusses entscheiden. Am Sonnabend, 8. April, sollen die Pläne der Öffentlichkeit vorgelegt werden, möglicherweise in den Gums-Amtsräumen.


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