zur Navigation springen

Trotz Bürgerprotest : Moorrege: Die CDU paukt Seniorenprojekt durch

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Heftige Schelte von Anwohnern, SPD und Grünen für Beschluss unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Moorrege | Der Verkauf der alten Schule Oberglinde in Moorrege hat während der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend für reichlich Zündstoff gesorgt. Etwa 40 Zuhörer waren ins Amtshaus gekommen. Viele von ihnen wollten ihren Unmut über den eingeschlagenen Weg der CDU-Fraktion Luft machen. Besonders empört zeigten sich Bürger in der Einwohnerfragestunde darüber, dass die Beratungen und die Beschlussfassung über die Zukunft des knapp 5000 Quadratmeter großen Areals im nichtöffentlichen Teil abgehandelt werden sollte. Doch die zum Teil heftigen Reaktionen nützten nichts: Mit Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion wurde dem Verkauf unter Ausschluss der Öffentlichkeit zugestimmt.

Auf dem Areal will ein Investor drei Häuser mit etwa 25 bis 30 seniorengerechten Wohnungen erstellen. Dagegen laufen nicht nur die vier Mieter der Oberglinder Schule Sturm, sondern auch Nachbarn, die Lärmbelastung befürchtet. Im Mittelpunkt der Kritik sowohl von Bürgern als auch der Fraktionen von SPD und Grünen stand Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU). SPD-Vizefraktionschef Thomas Kasimir beklagte nicht nur die schlechte Informationspolitik des Gemeindeoberhaupts, sondern stellte auch die Frage, warum es nur einen Investor gebe. „Wir werden in Salamitaktik informiert, unsere Mitentscheidung ist unerwünscht“, beklagte er. Das Verfahren stinke, habe einen faden Beigeschmack. „Es besteht der Anfangsverdacht der Korruption“, schimpfte er. Der Verkauf geschehe ohne Not, mit dem Abriss der ehemaligen Schule gehe ein Teil der Moorreger Geschichte verloren.

Die Bürger-Fragen ließ Weinberg von der Verwaltung notieren. Antworten wollte er vor Ort jedoch nicht. Das brachte den ehemaligen SPD-Gemeindevertreter Peter Gottschalk in Rage. „Ich frage Sie: Wann werden Sie diese Fragen beantworten? Diese Feigheit begreife ich nicht“, polterte Gottschalk lautstark. Weinberg ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, warf nur scharf über den Tisch: „Mit Ihnen diskutiere ich nicht. Die Verwaltung prüft die Fragen.“

In der Kritik: Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) .
In der Kritik: Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) . Foto: WST
 

Für SPD-Chef Franz Hehnke brachte das aus seiner Sicht undemokratische Prozedere das Fass zum Überlaufen. Er lehnte eine Entscheidung ohne öffentliche thematische Auseinandersetzung entschieden ab: „Das ist nicht Okay.“ Seine Empörung nahm während der Fragestunde laufend zu. Um 20.48 Uhr war für ihn das Maß voll. Erregt rief er den Zuhörern zu, hartnäckig zu sein. Er aber werde nun gehen. „Ich habe noch nie eine Sitzung verlassen“, sagte er mit erregter Stimme. „Eigentlich sollte ich für die SPD in den Rat nachrücken, aber ich werde das Mandat nicht annehmen“, rief er, bevor er die Tür ins Schloss knallen ließ. Wie berichtet hatte es in der SPD-Fraktion vorab Differenzen wegen des Verkaufs gegeben, in dessen Zuge Michael Adam sein Gemeinderatsmandat in der vergangenen Woche zurückgegeben hatte. Der Parteilose war lange Jahre Mitglied der SPD-Fraktion. Mit seinem Vorschlag, als Gemeinde selbst Seniorenwohnungen zu bauen, wenn das Land entsprechende Förderung gibt, erntete Jörg Schneider von den Grünen zwar Bravorufe und Applaus aus dem Publikum, durchsetzen konnte er sich politisch aber nicht. Eine Anwohnerin kündigte an ein Bürgerbegehren anzuschieben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen