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Wedel-Schulauer Tageblatt

03. Dezember 2016 | 20:51 Uhr

„Das Karate hat mich ausgesucht“ : Mike Stengel unterrichtet beim TSV Holm Wado-Ryu

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

60 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Neue sind willkommen.

Holm | Ruhe und Harmonie strahlt die Gruppe von Mike Stengel aus. Unter der Leitung des 45 Jahre alten Risseners beschreiten Kinder, Jugendliche und Erwachsene beim TSV Holm den „Weg des Friedens“. So lautet die Übersetzung von Wado-Ryu. Ryu bedeutet Schule. Dahinter verbirgt sich eine der vier großen Stilrichtungen des Karates. Stengel ist Meister, hat den vierten Dan. Wer bei ihm lernen möchte, wird genau unter die Lupe genommen. „Es gibt Leute, die ich nicht trainiere“, sagt er schlicht.

Das Training findet in der Holmer Mehrzweckhalle, Schulstraße 9, statt. Mitmachen können Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Alter von zwölf bis 99 Jahre. Die Treffen beginnen mittwochs um 19.30 Uhr und freitags um 20 Uhr.

Aggressives Gebaren ist Stengel ein Gräul. Das sei in seiner Abteilung schlicht nicht erwünscht. „Wir trainieren nicht gegeneinander, sondern miteinander“, sagt er. Als sichtbares Zeichen, dass sich die Sportler in einem Dojo – also einem Trainingsraum für japanische Kampfkünste – befinden, wird stets das Foto von Professor Hironori Otsuka auf einen Stuhl gestellt. Er ist der Begründer des Wado-Ryu. Mit dessen Sohn Jiro, der im vergangenen Jahr gestorben ist, hat Stengel in Deutschland, Japan und Großbritannien trainiert. Mit dem in Japan lebenden Sohn des Karate-Großmeisters, Kazutaka Hironori, wird Stengel im September in Tokio trainieren.

Stengel lebt für seinen Sport, unterrichtet oder trainiert selbst außer dienstags täglich. Auf die Frage, wann er zum Karate gekommen ist, antwortet er: „Am 13. Oktober 1988.“ Wieso er den Tag so präzise benennen kann? „Das war ein einschneidender Moment in meinem Leben“, sagt er. Nach Judo, Taekwondo und Kung Fu hatte er quasi im Handstreich seine Sportart gefunden. „Nicht ich habe Karate gesucht – das Karate hat mich ausgesucht“, sagt Stengel.

So wie Kerstin Karohl. Die 34-jährige Holmerin ist seit Anfang Juli dabei. Die Sachbearbeiterin bei den Stadtwerken Wedel hatte gemeinsam mit einer Freundin ihren Kindern beim Training zugesehen. Und war sich sicher: Das will ich auch. „Es macht Spaß“, sagt sie, lacht und schwitzt. Auch der Selbstverteidigungsgedanke sei da gewesen. „Aber das war nicht ausschlaggebend“, versichert sie.

Unterricht auch in Selbstverteidigung

Stengel, der als Arbeitsvermittler im Job-Center auf St. Pauli arbeitet, unterrichtet seine Kollegen auch in Selbstverteidigung. War sein Können im Job mal nützlich? „Nein“, antwortet der Karate-Meister. Aber das Aggressionspotential bei den Kunden habe zugenommen. St. Pauli stehe allerdings nicht vorne an. In Hamburg Mitte, Osdorf und Billstedt sei es für die Kollegen viel schwieriger.

Was müssen Interessierte zum Training mitbringen? „Zwei Arme, zwei Beine, einen Körper und Kopf“, sagt Stengel. Für den Anfang genüge bequeme Kleidung, also Jogginghose und T-Shirt. Trainiert wird barfuß. Zum Team gehören neben Stengel Dirk Landsberger, erster Dan, und Simone Zahlmann, zweiter Kyu. In Holm ist der Frauenanteil übrigens extrem hoch: Nur 40 Prozent der etwa 30 Mitglieder sind männlich.

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