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Bissig, böse und intelligent : Michael Trischan im Theater Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Während des Auftritts blieb sogar Zeit, sich auf Einladung des Kulturforums Wedel eines wichtigen Themas anzunehmen: „Sex am Sabbat – darf man das überhaupt?“.

Wedel | „Die Sachsenklinik haben wir am Wochenende zugemacht“, begrüßte Michael Trischan, bekannt aus der Arztserie „In aller Freundschaft“, das Publikum im Wedeler Theater. „Die Klinik schließt immer freitags und alle Patienten können gesund nach Hause gehen. Das ist einmalig in der deutschen Krankenhauslandschaft“, witzelte der Schauspieler. Somit blieb am Sonntagabend Zeit, sich auf Einladung des Kulturforums Wedel eines wichtigen Themas anzunehmen: „Sex am Sabbat – darf man das überhaupt?“.

„Traditionell muss man am Freitag für den Sabbat mitarbeiten. Da bleibt kaum Zeit für Lust körperlicher Art“, versuchte Trischan an das Thema heranzugehen. Aus religiösen Gründen seien im Judentum 39 Arbeiten am Sabbat verboten. Doch ist Sex Arbeit? Auch „gewisse Spiele“ seien nicht erlaubt. „Ich würde sagen, Sex ist ein schönes und kein gewisses Spiel. Daher sollte es doch gehen“, so Trischan.

Allerdings: Am Sabbat sei körperliche Arbeit verboten, aus der etwas entstehe. „Am Ende kommt doch das eine oder andere Kind raus, und das macht ja auch wieder Arbeit“, so der Schauspieler. Ob Sex nun erlaubt ist, ließ er offen. Dafür begeisterte er die Zuhörer für den jüdischen Witz. Dieser nimmt in der Weltliteratur eine Sonderstellung ein, denn er ist tiefer, bitterer, schärfer und dichterischer als der Witz anderer Völker.

Trischan nutzte ein Buch von Ilan Weiss, eine Sammlung aktueller jüdischer Witze, um dem Publikum pointenreich den Abend zu versüßen. Dabei durfte es auch mal boshaft werden und verbal bis an die Gürtellinie rutschen – aber nicht darunter. „Meine Frau und ich haben das Geheimnis für eine glückliche Ehe herausgefunden: Wir gehen zweimal in der Woche in ein schönes Restaurant. Sie geht am Dienstag, ich am Freitag.“ Oder: „Herr Kohn, Ihre Frau lässt ans Telefon bitten. – Lässt bitten? Das kann unmöglich meine Frau sein.“

Auch in der ARD präsent

In der ARD-Serie überschreitet Trischans Figur ständig seine Kompetenzen und riskiert ein ums andere Mal Ärger mit den Ärzten in der Leipziger Sachsenklinik. Der Darsteller wirkt in der Rolle immer ein wenig humorbefreit. Davon war am Sonntag in Wedel nichts zu spüren. Oftmals stand Trischan selbst schmunzelnd auf der Bühne, wenn ein Witz Lachsalven beim Publikum hervorrief. Ein Rabbi, der Schweinebraten kosten möchte, die richtige Kleidung beim Gebet, Verhütungsmethoden und immer wieder die nie endenwollenden und nie langweiligen Differenzen zwischen Mann und Frau bestimmten den Abend.

Still wurde es, als erstmals der Name Adolf Hitler fiel. Doch am Ende stand auch dort eine treffende Pointe. „Ein Wahrsager geht zu Adolf Hitler und sagt zu ihm: ‚Sie werden an einem jüdischen Feiertag sterben.‘ Hitler fragt: ‚Wann denn?‘ Der Wahrsager antwortet: ‚Das ist ganz egal. Jeder Tag, an dem Sie sterben, wird ein jüdischer Feiertag sein.‘“

Auch wenn Trischan das Programm bereits seit 2010 spielt, waren bei ihm keine Abnutzungserscheinungen zu spüren. Und auch sein Sohn Attila am Klavier und Johannes Dau an der Klarinette, die das Programm musikalisch begleiteten und den Besuchern immer wieder Verschnaufpausen gaben, wirkten oft, als hätten sie die Witze zum ersten Mal gehört. Lachend saßen sie auf der Bühne und unterstrichen manche Pointe noch einmal musikalisch. Ein rundum erholsamer Abend – außer für die Lachmuskeln. Auch wenn die Kernfrage nach Sex am Sabbat nicht beantwortet wurde. 

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erstellt am 14.Mär.2017 | 16:30 Uhr

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