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Wedel-Schulauer Tageblatt

08. Dezember 2016 | 06:56 Uhr

SHMF in Haseldorf : Melancholie trifft Tango Nuevo

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Tango total“: Werke des Komponisten Efim Jourist stehen im Mittelpunkt. Verneigung vor dem argentinischen Meister Astor Piazolla.

Haseldorf | Fast zehn Jahre ist es her, dass der ukrainische Komponist Efim Jourist an seinem 60. Geburtstag in Hamburg an Krebs starb. Seine Weggefährten Michael Kibardin (Violine), Jens-Uwe Popp (Gitarre) und Guido Jäger (Kontrabass) beschlossen damals, ein Nachfolgequartett zu gründen, um Jourists Musik weiterleben zu lassen. Was fehlte, war einer, der das russische Knopfakkordeon (Bajan) virtuos beherrscht. Dass mit Alexander Pankov, dem Preisträger des Wettbewerbs „Golden Accordion“ passender Ersatz gefunden wurde, stellte am Dienstagabend nach dem Konzert des Kibardin-Quartetts im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) im Haseldorfer Rinderstall niemand mehr infrage.

Jourists Leidenschaft galt dem russischen Tango. Kompositionen mit den Titeln „Herbst“ oder „Wenn du mich liebst“ lassen erahnen, wie viele Gefühle der Ukrainer in seinen Werken zum Ausdruck bringt: tiefe Melancholie, versonnene Momente, aber auch verschmitzte Sequenzen und eine Portion tiefgründiger Humor. Etwa im Titel „Russische Taverne“, in dem ein junger Gauner seine ehemalige Geliebte von Weitem sieht und mit Entsetzen feststellt, dass sie jetzt Polizistin ist – worauf er sich mit einem Kollegen hemmungslos betrinkt. Raffiniert wechselten die Musiker zwischen melodiösen Passagen und abenteuerlichen Soli, um sich dann gemeinsam zurück in den typischen Tango-Rhythmus fallen zu lassen.

Zwei Eigenkompositionen des Gitarristen Jens-Uwe Popp setzten wiederum moderne, frische Akzente, bevor Astor Piazzollas „Die vier Jahreszeiten von Buenos Aires“ erklangen. Konzentriert und virtuos interpretierten die Instrumentalisten die vier Stücke.

Schon nach wenigen Tönen war der Unterschied zu Jourists Titeln spürbar: Markant gesetzte Dissonanzen, die Melodien „zwischen wehmütiger Introvertiertheit und ekstatischer Intensität“, wie es Kibardin, der durch das Programm führte, formulierte. Zum Abschluss spielte das Quartett mit Jourists „Hommage an Astor Piazzolla“ eine perfekte Mischung aus unterschiedlichen Tango-Stilen – und ließen ein restlos begeistertes Publikum zurück.

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erstellt am 28.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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