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Wedel-Schulauer Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:26 Uhr

Hiroshimagedenktag : Lotosblüten als mahnendes Zeichen in Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Mehr als 100 Friedensaktivisten erinnern am Wedeler Mühlenteich an die Atombombenabwürfe auf Japan.

Wedel | „Unsere Sorge wächst täglich“, sagte Irmgard Jasker von der Friedenswerkstatt Wedel in ihrer Begrüßung zur „Nacht der 100.000 Kerzen“ am Mühlenteich. Am Hiroshima-Gedenktag erinnerten die mehr als 100 Teilnehmer am Sonnabend nicht nur an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945, sondern kritisierten auch die aktuelle Atom- und Militärpolitik.

„Wir sind in Sorge über das unüberhörbare Säbelrasseln“, sagte Jasker. Mit Sorge blicke sie auf die türkische Stadt Incirlik, etwa 110 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt, in der 50 US-Atombomben unter Nato-Befehl lagern. „Wir sind in Sorge wegen des angespannten Verhältnisses der Europäischen Union und Deutschlands zu Russland“, sagte die Friedensaktivistin. Das sei der Grund, warum sich das Friedensnetzwerk am Sonnabend versammelt habe.

„Wir gedenken und trauern um die Opfer von Hiroshima und Nagasaki“, sagte Heinz Stehr vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und erinnerte auch an die Menschen, die noch viele Jahre später der radioaktiven Strahlenbelastung ausgesetzt gewesen seien. Zudem appellierte er: „Wir wollen auch Anklage erheben. Denn weder sind die Täter für ihre Massenmorde belangt worden, noch werden die unter Anklage gestellt, die heute Atomwaffen produzieren und stationieren.“ Seine Liste reichte vom damals amtierenden US-Präsidenten Harry S. Truman bis zur aktuellen US-Regierung, die sich erst in diesem Jahr für ihre „Mordtaten“ entschuldigt habe. „Allerdings ohne politische und soziale Wiedergutmachung für die Opfer anzubieten“, bemängelte Stehr. Seine Kritik galt zudem Rüstungsunternehmen und Regierungen, die Waffenentwicklung finanzieren. Stehr sagte kämpferisch: „Wir werden nicht zulassen, dass unsere Welt zerstört wird. Denn: Nach dieser Erde wäre da keine mehr.“

15.000 Atomwaffen seien 71 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Japan heute noch weltweit aktiv. „Diese haben das 90-fache an Sprengkraft von den Bomben, die 1945 eingesetzt wurden“, sagte Sönke Wandschneider, Pastor im Ruhestand, vom Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung. In der Phase des Kalten Krieges sei die Welt mehrfach an einem atomaren Vernichtungskrieg vorbeigeschrammt. Die stockenden Abrüstungsverhandlungen und die Differenzen zwischen Europa, Russland und den USA sehe er als Gefahr: „Deshalb warnen wir vor der Gefahr eines neuen atomaren Wettrüstens und sehen einen neuen Kalten Krieg auf uns zukommen.“

Nach dem gut zweistündigen Programm mit einer Andacht von Pastor Bernhard Thiessen von der Mennonitengemeinde Hamburg zogen die Friedensaktivisten mit den aus Papier gefalteten Lotosblüten in einer kleinen Prozession am Mühlenteich entlang, bevor sie die gefalteten Papierblüten mit Teelichtern ins Wasser ließen.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 16:00 Uhr

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