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Wedel-Schulauer Tageblatt

05. Dezember 2016 | 21:39 Uhr

Befürchtungen in Haselau : Letzter Kampf ums Amt Haseldorf

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Amtsvorsteher Rolf Herrmann (CDU) enthält sich der Stimme und gibt den Weg für die Auflösung frei. Schelte vom Amtsvorgänger.

Haseldorf | Es war ein dramatischer Kampf mit aufrüttelnden Wortbeiträgen – doch es nützte alles nichts: Seit Dienstagabend, 21.53 Uhr, ist das Amt Haseldorf Geschichte.

Das Amt Haseldorf in Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Uetersen besteht   bis 31. Dezember 2016. Haseldorf, Haselau und Hetlingen werden nun den Antrag stellen, einzeln im Amt Moorrege aufgenommen zu werden. Nachdem sich die Kommunalaufsicht mit der Frage beschäftigt hat, muss der Kreistag einen Beschluss herbeiführen. Dann wird, so Amtsvorsteher Rolf Herrmann (CDU), das Kieler Innenministerium bis Juni eine Entscheidung fällen. Dem Amt Moorrege gehören bisher die Gemeinden Holm, Heist, Moorrege, Appen, Heidgraben, Groß Nordende und Neuendeich an.    

Die Mitglieder des Amtsausschusses beendeten im Beisein von knapp 100 Zuhörern mit den Stimmen von Haseldorfs Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU), seiner Hetlinger Kollegin Monika Riekhof (CDU) und Michael Rahn, Fraktionschef der Freien Wahlgemeinschaft Hetlingen, gegen ein Nein von Haseldorfs SPD-Fraktionschef Boris Steuer und Gunter Küchler von den Freien Wählern Haselau die Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Uetersen und somit die Auflösung des Traditionszusammenschlusses.

Möglich war das, weil sich Haselaus Bürgermeister Rolf Herrmann (CDU) der Stimme enthielt, da sonst eine Patt-Situation bestanden hätte. Der erfahrene Kommunalpolitiker trug sichtlich schwer an seiner Verantwortung. Der Grund seines Handelns: Er wolle den Verwaltungsmitarbeitern die ungeklärte Situation nicht weiter zumuten.

Knapp 100 Besucher – damit hatte wohl keiner der Verantwortlichen gerechnet. Weil das Schlossgartenzimmer des Haseldorfer Hofs zu klein war, wurde kurzerhand der Saal umgeräumt und bezogen. Unter den Zuhörern waren Gemeindevertreter aus den drei amtsangehörigen Kommunen Haseldorf, Haselau und Hetlingen, Mitglieder des Hetlinger Kinder- und Jugendbeirats, etwa 15 Mitarbeiter des Uetersener Rathauses sowie interessierte Bürger. Die Fronten waren sehr schnell klar: Als Haseldorfs Alt-Bürgermeister und Ehrenamtsvorsteher Heinz Lüchau (CDU) sich zu Wort meldete und sagte „Wenn Ihr das kleine schnuckelige Amt zu Grabe tragen würdet, das würde mir sehr leid tun“, bekam er tosenden Applaus aus dem Publikum. Schölermann, sein Nachfolger als Bürgermeister, verfolgte die Szene mit versteinertem Blick.

Alt-Bürgermeister Heinz Lüchau (CDU) machte Front gegen seinen Nachfolger.
Alt-Bürgermeister Heinz Lüchau (CDU) machte Front gegen seinen Nachfolger. Foto: Stange
 

Schölermann gilt als Drahtzieher der Auflösung und des Aufgehens der drei Gemeinden im bisher sieben Dörfer umfassenden Amt Moorrege. Hinter den Kulissen hatte es immer wieder zwischen den Parteifreunden gerumst. Unzufriedenheit soll es im Dorf über Schölermann geben – das war auch der Tenor der jüngsten Sitzung der Haselauer Gemeindevertretung gewesen. CDU, FWH und SPD hatten dort dafür plädiert, die Attacke Schölermanns auszusitzen – inklusive Klage vor Gericht .

FW-Haselau-Gemeinderat Harald Jürgs wittert weitere Unterjochung durch Haseldorf.
FW-Haselau-Gemeinderat Harald Jürgs wittert weitere Unterjochung durch Haseldorf. Foto: Stange
 

Da bei den Kommunalwahlen 2018 die Karten auch in Haseldorf neu gemischt würden, solle auf Zeit gespielt werden, so der Haselauer Tenor. Daran knüpfte Lüchau an. „Ihr könnt 2018 einen anderen Bürgermeister haben, ihr kriegt bei der Wahl so einen auf den Hut“, prophezeite der in der Region geschätzte Alt-Politiker in Richtung Schölermann und bekam dafür viel Applaus.

Haselaus SPD-Gemeinderat Rudolf Zilles sieht keine Chance auf gute Zusammenarbeit.
Haselaus SPD-Gemeinderat Rudolf Zilles sieht keine Chance auf gute Zusammenarbeit. Foto: Stange
 

Dampf gab es für Schölermann auch von Haselaus FW-Gemeinderat Harald Jürgs, nachdem der Haseldorfer verkündet hatte: „Ich möchte, was für meine Gemeinde das Best ist.“ Er warf dem CDU-Mann Egoismus vor. Und betonte, dass er unter diesen Vorzeichen dem Bau einer gemeinsamen Kita in Haseldorf nicht zugestimmt hätte. Und auch Haselaus Urgestein Rudolf Zilles nahm – wie schon bei der Gemeinderatssitzung in der vergangenen Woche – kein Blatt vor den Mund. Er glaube nicht, dass es derzeit in Haselau eine Mehrheit für die Gründung eines Zweckverbands zur Unterhaltung der Schule und der Betreuungsschule gäbe. „Die Leute haben die Nase voll“, wetterte Zilles. Jürgs stieß in das selbe Horn, fragte, wie die Sitzverteilung sei. „Dann sind wir wieder nur Zahlende“, befürchtet er.

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erstellt am 25.Feb.2016 | 14:00 Uhr

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