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Wedel-Schulauer Tageblatt

09. Dezember 2016 | 14:44 Uhr

Kohlemeiler in Wedel : Kraftwerk-BI: „Das ist beängstigend“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Grüne Bröckchen – die Anwohner alarmiert.

Wedel | Die Elbhochufer-Bewohner kommen nicht zur Ruhe. An den Ärger mit weißem Partikelauswurf durch die Schlote des alten Kohlemeilers hatten sich die Nachbarn von Vattenfall fast gewöhnt. Jetzt gibt’s das Gleiche offenbar in Grün – und die Betroffenen sind alarmiert.

Bislang hieß es von Seiten des Energiekonzerns stets, bei dem Auswurf handle es sich um harmlosen Gips. So auch diesmal die Erklärung auf Tageblatt-Anfrage. Der ist nicht grün, sagen dagegen die Anwohner. „Hier herrscht eine große Verunsicherung“, so Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Stopp: Kein Mega-Kraftwerk Wedel“. Nach BI-Einschätzung können eine Gesundheitsgefahr nicht ausgeschlossen werden. „Wir halten es für unerlässlich, dass Sie unverzüglich eine Beprobung und Laboranalyse durchführen lassen“, so die Initiative in einem Schreiben, das gestern ans Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) als zuständige Kontrollbehörde rausgegangen ist. Ein Tag nach dem grünen Niederschlag, den die Kraftwerks-Nachbarn klar dem Betrieb des Kohlemeilers zuschreiben. Sie sagen: „Ein behördliches Einschreiten ist dringend geboten.“ Und Lueckow ergänzt: „Die Anlage müsste abgestellt und erst wieder hochgefahren werden, wenn Untersuchungsergebnisse vorliegen.“

Vattenfall nimmt Proben

Bereits am 21. Juli sei es zu einem ungewohnten Partikelausstoß gekommen. Da sei eine gelbliche Verfärbung erkennbar gewesen. Jetzt seien es zusätzlich feste grüne Bröckchen gewesen, die sich großflächig in der Siedlung in Gärten, auf Häusern, Scheiben und Autos verteilt hätten. „Beängstigend“ sagt Lueckow, „das geht wirklich zu weit“.

Auch die Frage nach dem Umgang mit den Verunreinigungen treibt die BI um. Zwar ist Vattenfall in der Vergangenheit für die Reinigung aufgekommen. Es könne jedoch nicht sein, dass jeder einzelne Schadenersatzansprüche an den Konzern stellen müsse, heißt es weiter in dem Schreiben ans LLUR. Die BI fordere Vattenfall auf, die Anwohner von sich aus zu entschädigen, so Lueckow.

Pikant: Die Verhinderung des Partikelausstoßes, der laut Vattenfall beim Kalt-Anfahren der Anlage entsteht, ist Teil des 84-Millionen Euro schweren Modernisierungspakets, das den Meiler fit für die notwendige Laufzeitverlängerung machen soll. Bereits im laufenden Jahr soll der Ausstoß spürbar geringer werden, 2017 ganz abgestellt sein, hatte Vattenfall im Februar verkündet. Gerade im Juli habe eine vollständige Reinigung der Schornsteine stattgefunden, und es werde weiter an einem Konzept zur Behebung des Auswurfs gearbeitet, so Vattenfall-Sprecherin Karen Kristina Hillmer gestern gegenüber dieser Zeitung. Tatsächlich sei es beim Wiederanfahren nach der diesjährigen Revision in der vergangenen Woche zu einem „geringen Auswurf von Gipspartikeln aus dem Schornstein der Anlage gekommen“, so Hillmer.

Mittwoch fanden Anwohner grünliche Bröckchen in Gärten, auf Scheibe und Autos.
Mittwoch fanden Anwohner grünliche Bröckchen in Gärten, auf Scheibe und Autos. Foto: wst
 

Eine mögliche Ursache könnten Anhaftungen im Rauchgaskanal zwischen Rauchgasentschwefelung und Schornstein sein, die beim Anfahren der Anlage aufgewirbelt werden. „Bei den Anhaftungen handelt es sich um Gipspartikel, die bei der Rauchgasentschwefelung entstehen. Diese sind nicht gesundheitsgefährdend“, sagte die Vattenfall-Sprecherin. Anwohnermeldungen zum Auswurf in den letzten Tagen sowie eine Verfärbung der Gipspartikel könne Vattenfall bislang nicht bestätigen. „Wir prüfen aktuell aber selbstverständlich, ob es sich dabei um einen Auswurf durch das Kraftwerk handeln könnte.“ Tatsächlich sollen am gestern Nachmittag nun Proben im Auftrag von Vattenfall genommen worden sein. Anwohner berichten zudem, dass nach ihrer Wahrnehmung die Anlage runtergefahren wurde.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 12:30 Uhr

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