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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Konzertabend in Haselau : Klangwelten zwischen Tag und Traum

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Chor des Hamburger Konservatoriums beeindruckt mit „harten Nüssen“ und ungewohnter Vielfalt in der Dreikönigskirche.

Haselau | Mit so einem passenden Rahmen für ihr Konzert unter dem Motto „Tag und Traum“ hatte der Chor des Hamburger Konservatoriums gar nicht gerechnet. Pastor Andreas Petersen empfing die 30 Sänger des gemischten Chores unter der Leitung von Almut Stümke und Michael Petermann am vergangenen Sonnabend in der uralten Dreikönigskirche mit Wortmalereien über Kopfweiden aus der Marsch, die sich im Frühnebel in Fabelwesen verwandeln, sich aber später dann doch wieder als ganz reale Bäume entpuppen würden. Auch bei den vom Chor ausgewählten Musikstücken ginge es darum, den oft fließenden Übergang von Traum und Wirklichkeit, Albträumen in der Nacht oder irrationalen Gedanken am Tag und dem dann folgenden erleichterten Erwachen zu zeigen, so erklärte Petermann.

Mit den „harten Nüssen“ kündigte der Leiter der Akademie des Konservatoriums die sehr moderne, komplexe, rational nicht zu fassende und schon gar nicht analytisch zu verstehende kommende Musik des Abends an. Er gab den Zuhörern noch den Rat, die Stücke einfach „nutzlos auf sich wirken zu lassen“ und dass es nicht schlimmer sei, „eine Nuss zu knacken, als aus einem handfesten Albtraum wieder aufzuwachen“. So harrten die Zuhörer gut gewappnet und neugierig gemacht des Konzerts.

Michael Petermann ließ auf der Orgel Bilder entstehen.
Michael Petermann ließ auf der Orgel Bilder entstehen. Foto: Heer

Es begann noch sehr harmonisch mit dem traumhaften „Abendlied“ von dem Liechtensteiner Josef Gabriel Rheinberger (1839 - 1901), gefolgt von dem „Nachtlied“ von Max Reger (1873 - 1916) mit dem Text zur friedlichen Nacht von Petrus Herbert aus dem 16. Jahrhundert. Es folgten wunderbare Gesänge aus der „Nachtwache“ von Johannes Brahms (1833 - 1897) mit facettenreicher Intonation von piano bis fortissimo.

Der weitere dramaturgische Bogen wurde auf der Empore von Petermann an der Orgel mit italienischen Frühbarock-Toccaten von Michelangelo Rossi (1601 - 1656) zum Mitträumen gespannt. Aufregend, zum Teil verstörend, dramatisch und musikalisch absolut auf höchstem Niveau waren die „Songs of Ariel“ von Frank Martin (1890 - 1974) oder das mit komplizierter Lautmalerei einem von einer Lokomotive alarmierten Vogelschwarm ähnelnden „Villarosa sarialdi“ von Thomas Jennefelt (geboren 1954) sowie „Dream“ von Arne Mellnäs (geboren 1933). Zum Teil wurden hier von den Sängern immer wieder die Stimmgabeln zur Kontrolle der richtigen Töne gezückt. Sehr versöhnlich war dann das Erwachen mit aufgehender Sonne und Meeresrauschen vom „Mad Rush“ von Philip Glass. Die begeisterten Besucher waren am Ende einfach nur noch tief beeindruckt von so einer ungewohnten Klangvielfalt.

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erstellt am 14.Nov.2016 | 16:15 Uhr

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