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Wedel-Schulauer Tageblatt

03. Dezember 2016 | 22:56 Uhr

Lesung in Wedel : „Ich habe nur Pinneberger im Laden“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Autor, Sprecher und Türsteher Victor Hacker berichtet von Erlebnissen mit Partygängern und skurrilen Dialogen auf dem Kiez.

Wedel | Victor Hacker stand Freitagabend entspannt im Türrahmen des Reepschlägerhauses. Jeder Besucher durfte den Türsteher passieren – ohne Taschenkontrolle. „Es ist schön, heute auf der Bühne zu stehen und nur davon erzählen zu müssen, wie es ist, vor der Tür zu stehen, und es heute nicht zu müssen“, sagte der 50-Jährige, der sein Programm „Zeit für Zorn – die Türsteherlesung“ präsentierte. Beim Blick auf die regennasse Straße sagte Hacker: „Was Türstehern am meisten zu schaffen macht, sind nicht die besoffenen Leute, sondern das Wetter. Vor allem Nässe. Egal, was du an hast, es zieht dir die Wärme raus.“

Türsteher sei der Job, den Hacker am längsten in seinem Leben ausgeübt habe. Seit mehr als 30 Jahren. „Ich bin eigentlich Autor und Sprecher, aber wenn mich Leute fragen, sage ich immer, ich habe auch was vernünftiges gelernt: Türsteher. Das ist krisensicher“, sagte Hacker bei seiner Vorstellung. Dabei unterscheide sich die Realität deutlich von der Berichterstattung der „Qualitätssender RTL II und Sat  1“. „Der Türsteher ist der erste und letzte Eindruck von einem Laden. Wenn da einer grummelig rumsteht, schleppt er die Stimmung mit in den Laden“, sagte Hacker. Daher war er sicher: Schlechte Türsteher sind auch für schlechte Stimmung verantwortlich.

Hamburg Reeperbahn. Party. Feiern. Pinneberg. Das gehört scheinbar auf dem Kiez einfach zusammen. „Ich bin froh, dass ich in Wedel bin, denn in meinen Texten tauscht unvermittelt immer der Pinneberger auf“, erläuterte Hacker und scherzte: „Das ist kein Zufall, sondern Boshaftigkeit.“ Hacker berichtet, dass die Kreisstadt unter Türstehern ein geflügeltes Wort geworden sei. Dies soll bereits seit den 1980er Jahren so sein. „Irgendwann hat mal einer gesagt ,Ich habe nur Pinneberger im Laden‘. Das wurde dann nie näher definiert, aber jedem war immer sofort klar, was es bedeutet.“

„Man arbeitet als Türmann immer am ultimativen Nein. Dem, das die Leute sofort ohne Nachfrage verstehen“, scherzte Hacker und holte einen roten Button aus der Hosentasche. „Ich habe den Nein-o-maten erfunden. Einen Button, der nein sagt.“ Bei jedem drücken wurde die Ablehnung anders ausgedrückt. „Damit kann man Leute solange in den Wahnsinn treiben, bis er geht oder aggresiv wird. Dann bringt man ihn zu Boden und erklärt ihm: ,Sag ich doch, Du bist zu aggresiv‘.“

Hacker lieferte eine Ansammlung skurriler Geschichten, Erlebnisse und eine Pointe nach der anderen. „Es ist leider alles wahr. Alle Dialoge, die ich vortrage, sind wahr. Vielleicht filettiert und das Unwichtige weggelassen, aber sie sind wahr.“ Vor allem bei Vollmond würde der Bewegungsdrang der Partygänger gesteigert. „Die Laufen dann auf dem Kiez von Location zu Location. Und je häufiger Menschen eine Tür passieren, desto größer ist die Chance, dass etwas Skurriles passiert“, sagte Hacker. „Da herrscht bei Vollmond halt Ebbe und Flut in so manchen Köpfen.“

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erstellt am 24.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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