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Wedel-Schulauer Tageblatt

09. Dezember 2016 | 12:42 Uhr

Humor mit hoher Gag-Dichte

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Theaterwerkstatt Geglückte Premiere

Mit großer Spielfreude ist das Ensemble der Theaterwerkstatt Holm bei der Premiere von „Und das am Hochzeitsmorgen“ im Dörpshus von Lacher zu Lacher geeilt. Die hohe Gagdichte des schwarzhumorigen Stücks der Briten Ray Cooney und John Chapman wussten die Mimen unter Regie von Gaby Lipp passgenau auf die Bühne zu bringen und schafften damit ein kleines Wunder: Jede Figur hatte zahlreiche humoristische Momente, keine verharrte in ihrer dramaturgischen Funktion.

Timothy Westerby (Marcus Stocker) sollte am schönsten Tag im Leben seiner Tochter Judy (Svenja Kunz) eigentlich nur ein pflichtbewusster und glücklicher Vater sein. Doch ein Schlag gegen den Kopf bringt nicht nur Erscheinung Polly (Anke Müns) auf die Bühne, sondern auch mächtig Trubel in die Hochzeitsgesellschaft. Frau Jane (Janine Haan) und Geschäftspartner Bill Shorter (Florian Isachsen) erleiden eine ungewollte Kapriole nach der anderen und müssen versuchen, die Hochzeit zu retten. Keine Hilfe ist Großvater Dr. Drimmond (Gottfried Stockmeyer), der ohne Schlag auf den Kopf vergnügt von einer Gedächtnislücke zur anderen mäandert und Gattin Daphne (Gaby Lipp) damit noch mehr auf die Palme bringt als üblich. Dem australischen Schwiegervater in spe (Jürgen König) kann das alles gar nicht gefallen.

Wenn jeder noch so kleine Hopser ein Lacher ist, stimmt das Gespür für die Figuren und die Klippen der Albernheit sind umschifft. Leicht hätte der verkalkte Großvater zur Karikatur werden können. Doch Stockmeyer spielte dessen Vergesslichkeit mit vergnügter Unbeschwertheit. Die Mitspieler ließen seiner Figur die Würde. Ihrem Credo, den Charakteren das Amüsante zu entlocken, ohne die Ernsthaftigkeit ihres Handelns zu entblößen, wurde das Ensemble auf diese Weise gerecht. Lohn der bruchlosen Inszenierung war die bemerkenswerte Verteilung der humoristischen Last.

Selbst Haan konnte in ihrer Rolle als Ehefrau punkten, obwohl ihre Figur eigentlich bloß Leidtragende der Geschehnisse ist. Der größte Lacher des Publikums gebührte einem ihrer trockenen Kommentare. Ebenso König, der als australischer Schwiegervater das personifizierte Damoklesschwert der Hochzeit ist, seiner Rolle im Possenspiel aber Humor entlocken konnte. Hauptdarsteller Stocker hatte es auf diese Weise einfach: Fokussiert bewegte er sich zunehmend leidenschaftlich in seiner eigenen Welt, die aus dem Charme besteht, den Müns auf der Brühe entfaltete – und konnte es seinen Mitspielern überlassen, sich an ihm abzuarbeiten. Lipp durfte scharfzüngig bekritteln und das Leiden Christi in ihrem Gesicht versammeln, als der Hochzeitsstrauß mickrig ausfällt. Kunz fiel ganz in Weiß nicht nur einmal aus allen Wolken und Isachsen erlebte die Wechselfälle von ungewollten Peinlichkeiten, Notstandsmanagement und Süffisanz.

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