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Wedel-Schulauer Tageblatt

30. April 2017 | 09:09 Uhr

Hafenhotel : Hoteliers fürchten Kannibalismus

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Wedeler Übernachtungsbetriebe warnen vor „verheerendem Preiskampf“, Jobverlusten und Schließungen.

Wedel | Wenige Wochen nachdem das Projekt Hafenhotel mit Start des B-Plan-Verfahrens Fahrt aufgenommen hat, schalten Wedels Beherbergungsbetriebe die Warnsignale an: In einem Brandbrief an Bürgermeister, Bauamt und die Ratsfraktionen warnen die vier Hoteliers der Rolandstadt vor möglichen Arbeitsplatzverlusten und Schließungen, die aus ihrer Sicht durch das am Hafenkopf geplante Projekt der Hamburger Hiltrud Hesse KG drohen.

„Bedenken zum Neubau“ ist das zweiseitige Schreiben vom 1. März betitelt, das dem Tageblatt vorliegt. Unterzeichner mit freundlichem Gruß: die Hotels Kreuzer, Senator Marina, Diamant und Freihof am Roland. Ihre Bitte: die Bedenken „ernst zu nehmen und gesamtwirtschaftlich zu betrachten, um alteingesessene Kleinbetriebe nicht zu gefährden“.

160 weitere Hotelzimmer als Bedrohung für bestehende Häuser

Kritikpunkt eins: die Kapazität. Bereits 2010 habe man aufgezeigt, dass ein zusätzliches Hotel mit mehr als 100 Zimmern bestehende Hotels und deren Jobs existenziell bedrohe. Rund 160 sähen die Pläne der Hesse KG vor, somit fast eine Verdoppelung der bestehenden Kapazitäten von insgesamt 175 Zimmern.

Weiter sei entgegen erster Vorstellung eines Drei-Sterne-Superior bis Vier-Sterne-Betriebs nun von der Kategorie Drei-Sterne-Garni die Rede. „Diese Gesamtsituation würde bei 335 Hotelzimmern derselben Kategorie in Wedel zu einem verheerenden Preiskampf führen“, fürchten die ortsansässigen Hoteliers.

Tagungs- und Veranstaltungsräume dringend in Wedel nötig

Grundsätzlich sei man nicht gegen ein neues Hotel mit bis zu 100 Betten. Gutachter hätten jedoch bereist 2011 deutliche Unterscheidungsmerkmale zu den Bestandsbetrieben empfohlen, etwa mit einem Tagungshotel im Vier-Sterne-Bereich, wie es an der Badebucht geplant gewesen sein. Tagungs-, Konferenz- und Veranstaltungsräume mit der dazugehörigen Bewirtung habe Wedel dringend nötig. Dies bringe im hochwertigen Segment eine Zielgruppe, von der auch die ansässigen Hotels profitieren könnten. Das Drei-Sterne-Hafenhotel sei jedoch mit Veranstaltungsräumen und Terrasse für Events, aber ohne Restaurant, Schwimmbad, Sauna, Wellness geplant. „Steht hier ein stimmiges Konzept der Familie Hesse dahinter?“, fragen die Unterzeichner.

Sie empfehlen weiter, die Rentabilität des Projekts und die IHK-Stellungnahme genau zu prüfen. Ferner solle vertraglich geregelt werden, dass ein neues Hotel bei schlechter Belegung nicht als Boardinghouse oder Appartements vermietet oder gar in Eigentumswohnungen umgewandelt werde.

Auf Tageblatt-Anfrage zeigte sich Bürgermeister Niels Schmidt irritiert über das Schreiben. „Ich kann nur davor warnen, das Projekt, das auf einem guten Weg ist, jetzt durch Störfeuer zu erschweren“, so Schmidt. „Aus meiner Sicht gibt es keine Veranlassung, die bisher sehr konstruktiven Verhandlungen mit Familie Hesse nicht fortzusetzen.“

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erstellt am 09.Mär.2017 | 14:30 Uhr

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