zur Navigation springen

Wedel-Schulauer Tageblatt

08. Dezember 2016 | 09:02 Uhr

Hommage an ein musikalisches Genie

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Musikfestival Über das Lieben, Leben und Wirken von Joseph Haydn

Jede Menge schwarzer Humor und ein unverbesserlicher Frauenheld – das war das Bild, das die musikalische Lesung am Dienstag im Haseldorfer Rinderstall von dem Komponisten, der den Mittelpunkt des Schleswig-Holstein Musikfestivals bildet, offenbarte. Die Rede ist von keinem geringeren als dem beliebten Wiener Klassiker Joseph Haydn. Der preisgekrönte Pianist Sebastian Knauer spielte dessen Werke und eine Mozart-Fantasie, gerahmt von frivolen Anekdoten, vorgetragen von der Schauspielerin Martina Gedeck.

Gedeck erschien stilecht im goldenen, berüschten Kleid, beladen mit Perlen und Strasssteinen in der Rokoko-Frisur. Sie berichtete von Haydns musikalischer Eroberung Londons anhand von Tagebucheinträgen, Briefen und Zeitungsartikeln. Ein anfangs steiniger Weg: „Hier wird niemandem was geschenkt, auch nicht einem Joseph Haydn“, zitierte sie den Chronicle. Später hingegen wurde Haydn als „das größte musikalische Genie der Zeit“ gefeiert.


Emotionale Phrasierung ohne große Gesten


Mal erzählte Gedeck und mal präsentierte sie kleine Szenen: Die Schauspielerin, die schon in oscarprämierten Filmen spielte, schlüpfte in die Rolle der guten Haydn-Freundin Marianne von Genzinger sowie in die Rolle der Geliebten Luigia Polzelli, eine feurige und geschäftstüchtige Opernsängerin mit italienischem Akzent. So erfuhr das Publikum humorvoll von Haydns lebhaftem Interesse an allem Englischen, zum Beispiel die Strafen für Mord, seinem weiblichen Fanclub mit goldbestickten Taschentüchern mit seinem Namen, der Affäre mit der Klavierschülerin Rebecca Schroeter und immer wieder von seiner Ehefrau, die er selbst als „höllische Bestie“ bezeichnet hatte.

Anders als Gedeck in zeitgenössischer Robe erschien Knauer im schwarzen Anzug und nicht etwa als „Sklave in weißer Wäsche und Haarbeutel“, wie Haydn sich als Kapellmeister am Hof des Fürsten Esterhazy sah. Er präsentierte die Sonate in Es-Dur Hob. XVI:49, die von Genzinger gewidmet ist, sowie die Sonate in c-Moll Hob. XVI:20. Er spielte mit wunderbar leichtem Anschlag, oftmals sehr zart und innig – etwa bei dem leisen Adagio e cantabile, über dessen Handübergreifen im Mittelteil Marianne sich bei dem Komponisten beschwerte, weil sie es zu schwierig fand. Mit stiller Ernsthaftigkeit und fast regungslos saß Knauer auf dem Hocker und zeigte, dass es für eine feinfühlige und emotionale Phrasierung nicht unbedingt großer Gesten bedarf. Doch mit zunehmender Dramatik in der c-Moll-Sonate – vor allem beim letzten Satz, dem Allegro – spielte Knauer mit immer mehr Körpereinsatz und Entschlossenheit.

Die Künstler ernteten Beifallsstürme vom vollen Haus und viele Besucher sprangen auf, um bei der Verbeugung schnell noch ein Erinnerungsfoto an den intensiven und informativen Abend zu schießen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 14.Jul.2016 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen