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Wedel-Schulauer Tageblatt

07. Dezember 2016 | 13:37 Uhr

Höfisch galant, lieblich und brachial

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Schleswig-Holstein Musik Festival Raritätenprogramm für Klarinette, Viola und Klavier im Haseldorfer Rinderstall

Wenn Klarinette, Viola und Klavier als Trio gemeinsam spielen, ist das eine recht außergewöhnliche Kombination: Ein Raritätenprogramm beim Schleswig-Holstein Musik Festival am Donnerstagabend in Haseldorfs Rinderstall. Zum absoluten Erfolgsgaranten machten das Konzert aber die Interpreten, denn wie gut diese Instrumente zusammenpassen, zeigten die Klassikgrößen Sabine Meyer (Klarinette), Nils Mönkemeyer (Viola) und William Youn (Klavier).

„Das gibt’s nicht oft und das Repertoire ist begrenzt“, sagte Mönkemeyer. Das wurde auch am Programm deutlich: Zunächst war nur ein einziges Stück für alle drei Musiker vorgesehen, doch kurzerhand wurden Trio-Stücke von Max Bruch (op. 83 Nr. 2,6 und 7) dazu genommen. „Es ist schade, dass wir nur ein Stück zu dritt hatten, denn das macht uns am meisten Spaß“, so Mönkemeyer. Ein wahres Wort, wie sich rasch zeigte.

Meyer bekam großen Applaus für ihre Interpretation von Wolfgang Amadeus Mozarts Arie „Schon lacht der holde Frühling“, natürlich in der Fassung für Klarinette und Klavier, und Robert Schumanns Fantasiestücke op. 73: schnelle Läufe, endlos lange Phrasen ohne Atempause, viel Bewegung und technisch brillant. Auch Mönkemeyer spielte mit viel Körpereinsatz und vor allem mit ausdrucksstarker Mimik. Seine Joseph Haydn-Sonate (Hob. XV:32) kam abwechselnd höfisch galant, lieblich und oder brachial daher, inklusive Fußstampfen. Genauso kontrastreich war das Spiel von Youn, dessen Interpretation von Haydns Variationen in f-Moll (Hob. XVII:6) das Publikum zum Teil mit geschlossenen Augen lauschte.

Alle drei Solisten spielten mit ausgeprägter Bewegungsdynamik – nett anzusehen bei den Soli, aber wirklich interessant bei den Trio-Stücken: Beinahe schienen die Musiker zu tanzen, während sie sich gegenseitig nicht nur die Melodie, sondern auch Bewegungen zuwarfen. Mal gegeneinander und mal miteinander. Sie zeigten wie rhythmisch und tänzerisch diese Musik tatsächlich ist, besonders auffällig in Mozarts „Kegelstatt“-Sonate. Sie entstand bei geselligen Kegelabenden mit Freunden. Und diese Ausgelassenheit durchzog auch das Spiel durch die großartige Interaktion der Musiker.

Die Namen Meyer, Mönkemeyer und Youn lockten mehr als 1200 Besucher nach Haseldorf. Das Konzert war seit Wochen ausverkauft. Darunter waren Gisela und Wolfgang Plapp, die sie unbedingt einmal live erleben wollten: „Das ist hervorragendes Klarinettenspiel und Mönkemeyer ist ein richtiger Sympath. Die beiden gehören zur Spitze.“ Eine Meinung, die sie mit vielen teilten.

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