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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 04:56 Uhr

Familientragödie in Wedel : Geschwister in Wohnhaus tot aufgefunden – Vater begeht Selbstmord

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Junge war zwei, das Mädchen fünf Jahre alt. Der Vater sprang von einem Hochhaus. Von der Mutter fehlt jede Spur.

Wedel/Rissen | Eine beschauliche Wohngegend in Wedel vor den Toren Hamburgs: Vor dem weißen Bungalow steht eine Holzbank, im Garten hängen zwei Schaukeln am Baum. Gäbe es die rot-weißen Absperrbänder der Polizei nicht, würde die Idylle nicht auf einen Tatort schließen lassen. Doch im Haus wurden zwei tote Kinder gefunden: ein fünfjähriges Mädchen und ein zwei Jahre alte Junge, Geschwister.

Selbst Polizisten vor Ort sind erschüttert: „Es ist ein sehr trauriges Bild“, sagte ein Sprecher. „Wenn man Kinderschaukeln im Garten sieht, kommen Emotionen hoch.“ Die Polizei informiert an diesem Sonntag die herbeigeeilten Journalisten und Kameraleute über das, was zunächst gesagt werden kann. Die Großeltern sollen am Morgen einen Notruf abgesetzt haben, weil sie sich Sorgen um die Familie machten. Später heißt es, Angehörige hätten um 10.30 Uhr die Polizei alarmiert, weil sie selbst die Leichen entdeckt hätten. „Sie wollten die Kinder abholen“, so der Polizeisprecher Bad Segeberg. „Es spricht alles für ein Tötungsdelikt. Zwei Kinder sterben ja nicht einfach nebeneinander“, ergänzt er.

Die toten Kinder sind nach Polizeiangaben ein Junge und ein Mädchen.

Ein Polizeisprecher stellt sich vor dem Wohnhaus den Fragen der Reporter.

Foto: Ulli Bohling

Doch wer hat sie getötet? Spekulationen kommen auf, weil aus dem benachbarten Hamburger Stadtteil Rissen ein weiterer Todesfall bekannt wird. Dort soll nach Angaben der Hamburger Polizei ein Mann Suizid begangen haben. Eine Bewohnerin des siebengeschossigen Hauses ist erschüttert, als sie zum Spaziergang aufbrechen will und vor dem Gebäude auf Polizisten und Rettungskräfte trifft. „Gehen Sie einfach weiter“, wird sie aufgefordert.

Medienberichten zufolge soll der Mann erst seine Kinder und dann sich selbst getötet haben. Die Polizei Segeberg spricht von einer „Familientragödie“. Ob und in welchem Zusammenhang der Tod der Kinder mit dem Tod des Vaters stehe, sei noch unklar, teilen die Ermittler am Abend mit.

Von der 37 Jahre alten Mutter der Geschwister fehlt bis zum Abend jede Spur. „Versuche, die Mutter zu erreichen, sind fehlgeschlagen“, sagt der Polizeisprecher. Am Nachmittag fährt vor dem Wedeler Wohnhaus ein Polizei-Fahrzeug mit Spür- und Rettungshunden vor.

Stunden später gehen die Beamten davon aus, dass keine weiteren Leichen im Umfeld des Hauses gefunden werden. „Wir wünschen uns sehr, dass die Mutter noch lebt“, sagte er. Aber dass eine Mutter von zwei Kleinkindern sich bis zum Abend nicht bei ihrer Familie meldet, halten die Beamten für sehr unwahrscheinlich.

Für Nachbarn scheint dies alles unfassbar. Manche kommen vorbei, fragen Journalisten, was überhaupt passiert sei. Anwohner aus der Sackgasse lassen sich an diesem milden Herbsttag nicht sehen. Für sie werde eine seelsorgerische Betreuung organisiert, sagt der Polizeisprecher.

<p>Ermittler der Polizei vor dem Wohnhaus: Die Spurensicherung suchte in und um das Haus nach jeglichen Indizien für den Tatablauf.</p>

Ermittler der Polizei vor dem Wohnhaus: Die Spurensicherung suchte in und um das Haus nach jeglichen Indizien für den Tatablauf.

Foto: Bodo Marks/dpa

Während die einen Trost suchen angesichts des schockierenden Dramas von nebenan, gehen die Ermittler und Spurensucher professionell ihrer Arbeit nach - um Erklärungen für die Tragödie zu finden. Die Obduktion der Kinderleichen in der Hamburger Rechtsmedizin soll Aufschluss geben, was passiert ist.

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erstellt am 16.Okt.2016 | 18:00 Uhr

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