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Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2016 | 14:58 Uhr

Gelungener Auftakt der Musikreihe

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Luther und Christus“ Kantor Jörg Dehmel und Pastor Helmut Nagel begeistern Zuhörer in der St.-Gabriel-Kirche

Fast ein wenig trocken hört sich der Titel „Musik und Theologie im Dialog“ an. Doch tatsächlich verbirgt sich dahinter eine spannende Reihe in der St.-Gabriel-Kirche am Haseldorfer Schlosspark, die seit mehr als 15 Jahren Lehren über die Kirche, ihre Geschichte und die ihrer Komponisten mit ganz wunderbarer Musik verbindet. So auch am vergangenen Sonntagnachmittag, wo innerhalb dieser Reihe der Zyklus mit dem Titel „Luther und Christus“ zur Aufführung kam.

Pastor Helmut Nagel und der Kirchenmusiker Jörg Dehmel hatten sich zur Veranstaltung am Toten- oder Ewigkeitssonntag die „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz (1585-1672) zum Thema gewählt und damit den mehr als 40 Gästen ein musikalisches Highlight der Kirchenmusik beschert. Mit Dehmel an der Orgel, begleitet von Ute Dehmel an den Blockflöten, Angelika Buchholz an der Viola da gamba, der Altistin Kerrin Brinkmann und der Sopranistin Johanna Mohr war auch eine großartige Interpretation der fast „himmlischen“ Musik garantiert.

Nagel hatte die Rolle des Erzählers übernommen und erklärte Grundlegendes zum Komponisten und seinem Werk. Er stellte dabei die Verbindung zu Martin Luther und den Folgen der Reformation her. Die „Musikalischen Exequien“ stellen nämlich analog zur deutschen Messe Luthers das Pendant zu den lateinischen Exequien der katholischen Kirche dar. Exiquien ist die liturgische Begräbnisfeier von römisch-katholischen Christen. Schütz schrieb die Musik für die Trauerfeier von Fürst Heinrich Posthumus Reuß (1572-1635) mit Bibelversen und Zeilen aus Kirchenliedern, die Reuß auf seinen kupfernen Sarkophag hatte schreiben lassen. Mit dem Werk komponierte Schütz im Sinne der Reformation, dem damit einhergehenden neuen Verständnis von einem liebenden Gott und dem Warten auf die Erfüllung seiner Verheißung, eine der schönsten und kunstvollsten Trauermusiken des 17. Jahrhunderts.

So empfanden es auch die Zuhörer, die auf eine sehr bewegende Reise in den italienisch geprägten Frühbarock mit berührenden und tiefreligiösen Texten mitgenommen wurden. Die klaren und melodischen Stimmen der Sängerinnen Mohr und Brinkmann versetzten besonders im Duett die Gäste in höhere Sphären, begleitet von der Flöte, die wie eine dritte Singstimme anmutete. Das einfühlsame Orgelspiel und die warmen Klänge der historischen Viola da gamba vervollständigten den hoffnungsvollen Gedanken auf Erlösung, der in der fast frohen Begräbnismusik von Schütz zum Tragen kam. Mit dem traumhaften Duett „Schlummert ein, ihr matten Augen, fallet sanft und selig zu“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750) endete der so besinnliche und auch lehrreiche Besuch in der St. Gabriel Kirche.




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