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Wedel-Schulauer Tageblatt

10. Dezember 2016 | 10:00 Uhr

„Flüchtigkeit ist bei dir Programm“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Spaziergänge 81-jährige Hamburger Künstlerin Anne Köhler stellt zum zweiten Mal Landschaftsbilder im Reepschlägerhaus aus

Anne Köhlers heitere Landschaftsbilder passen ganz ausgezeichnet in das Reepschlägerhaus. Außer den farbigen Reflexen, die die Arbeiten in der urigen Teestube setzen, besticht besonders der Kontrast, den der locker, leichte Pinselstrich der 81-Jährigen zu den dunklen, geometrisch angeordneten Fachwerkbalken setzt. Darüber hinaus nimmt sich die Hamburger Künstlerin oftmals die Freiheit, in ihren Werken den strengen Bildrand mit einem schwungvollen Übermalen zu missachten. Ihr Statement ist klar: Malen ist ein künstlerischer Prozess, der Freiheiten sucht. Donnerstagabend wurde Köhlers Ausstellung „Spaziergänge“ im Reepschlägerhaus eröffnet. Zahlreiche Besucher sorgten für ein volles Haus.

Der Untertitel der Schau beschreibt, was dort zu sehen ist: „Malerische Facetten der französischen Atlantik-Insel Oléron“ sowie „Landschaften in Öl“. Köhler stellt nach dem Jahr 2000 zum zweiten Mal im Reepschlägerhaus aus – und bleibt sich in ihren Motiven wie auch in ihrer Malweise treu. Laudatorin Antje Mittelberg, eine ehemalige Schul- wie auch Malkollegin der Künstlerin, versuchte den Vernissagebesuchern einen Zugang zu den Werken aufzuzeigen, indem sie von einem Werkstattgespräch der beiden berichtete.

Besonders die freiheitlichen Spielräume, die sich Köhler nimmt, beeindruckten sie. „Wir haben eine sehr unterschiedliche Annäherung an Malerei“, stellte Mittelberg klar. Skizzieren und die Umsetzung im Atelier seien bei der Kollegin zwei nahezu unabhängige Akte. Skizzen entstünden bei Köhler „im Spazierengehen“, damit sie zeichnerisch nicht ins Friemeln gerate. „Flüchtigkeit ist bei dir also Programm“. Die Unterbrechung zwischen dem Anfertigen von Skizzen und dem Malen im Atelier sei für sie notwendig, um Details und Lokalfarben zu vergessen. Köhlers Credo laute: Die Landschaft entsteht aus der Erinnerung.

Auch von der Stimmigkeit der Bilder zeigte sich Mittelberg beeindruckt. Die Kompositionen passten exakt auf das jeweilige Bildformat. Außerdem bewundere sie, dass die Kunsterzieherin, Malerin und Mutter Köhler neben zwei starken Künstlerpersönlichkeiten, ihren beiden Ehemännern, stets unbeirrt ihren eigenen Weg gegangen sei.  

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