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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

Fahrten nach Hamburg gestrichen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Krankentransporte Johanniter in Wedel fahren Patienten nicht mehr über die Stadtgrenze hinaus / Das hat ökonomische Gründe

Katharina Boncompte ist sauer – und ratlos. Die 87-jährige Mutter der Wedelerin muss regelmäßig zum Arzt gefahren werden. Das übernahmen bis vor kurzem die Wedeler Johanniter. Doch seit dem 1. Oktober ist Schluss damit. Der Grund hierfür: Die Ärzte der alten und kranken Frau befinden sich nicht innerhalb der Stadt sondern im Hamburger Westen, in Blankenese und Rissen. Bis dahin fahren die Krankentransporte der evangelischen Hilfsorganisation aber nicht mehr.

„Die Johanniter haben über Jahre hinaus wertvolle Arbeit geleistet“, schickt Boncompte ihrer Beschwerde voraus. Dafür ist sie dankbar. „Das hat wunderbar geklappt.“ Doch wieso der Fahrdienst ihre Mutter jetzt nicht mehr transportiert, versteht die Wedelerin nicht. Sie und ihre Mutter sind darauf angewiesen. Die 87-Jährige muss regelmäßig zur Schmerztherapeutin und gelegentlich zum Orthopäden und zum Kardiologen. Auch wenn deren Praxis außerhalb Wedels liegt: „Das sind im Prinzip keine langen Fahrten“, erklärt Boncompte.

Ihre Mutter könne noch im Taxi fahren. Doch was ist mit den Rollstuhlfahrern, die einen Behindertentransporter benötigten, fragt die Tochter? Und was sollen diejenigen tun, für die es in Wedel nicht die erforderliche Therapie gibt, die zur Dialyse oder zur speziellen Krebstherapie nach Hamburg müssen? Boncompte ist entmutigt. Sie befürchtet, dass jetzt in Wedel viele Betroffene, die zur medizinischen Versorgung nach außerhalb müssen, um die verbliebenen Krankentransportmöglichkeiten kämpfen.

Malte Schierenberg, Johanniter-Pressesprecher für den Regionalverband Schleswig-Holstein Süd  /  Ost bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung die Streichung des Service: „Seit Oktober können die Johanniter in Wedel die Arztfahrten nach Hamburg nicht mehr anbieten“, bekennt er. Zur Erklärung nennt er ökonomische Gründe. „Für uns als Verein ist das nicht wirtschaftlich zu betreiben.“ Die Johanniter könnten es sich schlichtweg nicht mehr leisten.

Maximal 35 Euro bekomme die Hilfsorganisation von den Krankenkassen für eine Fahrt vergütet. Das sei so pauschal verhandelt worden. Die Johanniter befänden sich in der Situation in einer Zwickmühle, so der Pressesprecher: „Wir hängen mittelbar an den Krankenkassen dran.“ Seit Juli dieses Jahres würden die Stammfahrer die Patienten über den Beschluss informieren. „Da dürfte die Überraschung nicht sehr groß sein“, wundert sich Schierenberg. Dennoch betont er: „Für die betroffenen Personen tut es uns sehr leid.“

Die Landesgrenze hat bei der Entscheidung keine Rolle gespielt. Ausschlaggebend sei allein die Länge der Strecken gewesen. „Irgendwo muss man sinnvolle Grenzen ziehen“, so Schierenberg. Der Landesverband, der den Beschluss fällte, hat sich für die Stadtgrenzen von Wedel entschieden.

Neun Patienten haben die Wedeler Johanniter im September in den Hamburger Raum hinein befördert. Einen davon bis nach Eppendorf. „Wirtschaftlich können wir uns das nicht leisten“, betont der Pressesprecher. Boncompte versteht nicht, dass ökonomische Argumente bei der Hilfsorganisation plötzlich solch eine Rolle spielen. Sie findet das mit den ethischen Grundsätzen der Johanniter nicht vereinbar.  

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