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Wedel-Schulauer Tageblatt

08. Dezember 2016 | 07:04 Uhr

Ein sicherer Hafen für Mädchen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Sozialarbeit Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt feiert 25. Geburtstag / Bewohnerinnen kommen aus dem ganzen Norden

25 Jahre ist es her, dass Mädchen und junge Frauen in schwierigen Lebenssituationen eine neue Anlaufstelle in Wedel erhielten. Die Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zog damals in die Rolandstadt um. Heute werden bis zu sieben Mädchen im Haupthaus sowie fünf Weitere in drei ausgelagerten Wohnungen betreut.

„Wir wollen ein Stück des Weges gemeinsam mit den Mädchen gehen“, beschreibt Matthias Wilke die Arbeit. Er ist Psychologe und seit den Anfangstagen in der Wohngruppe tätig. Wenn die Probleme zu Hause zu groß werden, beruft das Jugendamt eine Hilfekonferenz ein. Dort wird die beste Lösung für die Jugendlichen gesucht. Die Awo-WG richtet sich nicht an eine spezielle „Problemgruppe“ – dort wohnen Mädchen, die schweren Missbrauch erlebt haben, aber auch solche, die ihre Beziehung zu den Eltern mit etwas Abstand und professioneller Begleitung in einem Jahr wieder zurechtbiegen können. Die Familien soweit wie möglich einzubeziehen, ist dem Team wichtig. Durch die zeitweise räumliche Trennung sollen auch die Eltern durchatmen und in Ruhe nach Lösungen suchen können. „Es geht uns nicht um Schuld. Auch die Eltern tragen eine große Last auf den Schultern“, so Mitarbeiterin Daniela Witzleben.

Die Bewohnerinnen der WG kommen aus dem ganzen Kreis Pinneberg, teilweise aber auch aus anderen Regionen Schleswig-Holsteins, aus Hamburg oder Bremen. Sie sind zwischen zwölf und 21 Jahren alt und leben meist ein oder zwei Jahre, manchmal aber auch fünf Jahre in den Räumen der Awo. Mittlerweile haben alle Einzelzimmer, es gibt einen Garten und ein Wohnzimmer. Ein Mitglied des Betreuungsteams ist immer im Haus anwesend. Wilke: „Der gemeinsame Alltag und das Aufbauen von Beziehungen stehen im Mittelpunkt.“ Dabei ist es eine bewusste Entscheidung, immer auch Männer unter den Sozialpädagogen zu haben. Die Mädchen sollen so positive männliche Vorbilder und einen gleichberechtigen Umgang von Männern und Frauen erleben.

„Das Konzept hat sich bewährt“, so Wilke. Im vergangenen Vierteljahrhundert habe sich einiges verändert. Positiv sieht das Awo-Team, dass weniger Hemmungen bestünden, bei häuslichen Problemen Hilfe zu suchen. Häufig würden die Jugendlichen selbst Unterstützung suchen. Im WG-Alltag erweist sich dagegen moderne Technik als tückisch – im Smartphone-Zeitalter sind gemeinsame Fernsehabende seltener geworden.

Viel Bestätigung für ihre Arbeit erhielten die Awo-Mitarbeiter bei der Geburtstagsfeier. 50 ehemalige Mitbewohnerinnen schauten vorbei. Wilke: „Sie haben uns persönlich gesagt, wie wichtig die Zeit bei uns war. Das war sehr berührend für das Team.“

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erstellt am 14.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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